+
Land- und Amtsgericht Frankfurt am Main

Prozess

Mord im Niddapark: Frankfurter Gastronom mit finanziellem Engpass

  • schließen

Der Angeklagte im Niddapark-Mordprozess war nicht so betucht, wie er es selbst darstellte.

Um die Unternehmen des Jan M. hat es wohl deutlich schlechter gestanden als allgemein angenommen. Im Prozess um den Mord im Niddapark haben am Montag Zeugen Angaben zur finanziellen Situation des Gastronomen gemacht. So sagte ein Autohändler aus, er habe M. im Mai vergangenen Jahres 15.000 Euro geliehen. M. habe von einem „Liquiditätsengpass“ und blockiertem Festgeld gesprochen.

Den Liquiditätsengpass gab es aber offenbar nicht nur unmittelbar vor dem Mord an Irina A. Vernommen wurde auch die ehemalige rechte Hand des Gastronomen im Sekretariat. Die 64-Jährige gab sich sichtlich Mühe, ihren ehemaligen Chef nicht zu belasten, musste aber auf Nachfrage einräumen, ihm schon im August 2015 folgende Kurznachricht aufs Handy geschickt zu haben: „Schön, ich kann die Gehälter nicht bezahlen und Shari holt sich Geld aus dem First In.“ Shari war eine der Lebensgefährtinnen des Angeklagten.

Frankfurt: Mord an Irina A.

Richtig prekär war die Situation offenbar im März 2018. Als die Sekretärin auf angemahnte offene Rechnungen hinweist, schreibt ihr M.: „Ich habe jetzt auch privat kein Geld mehr, da muss ich mir was überlegen.“ Die Gastro Group habe schon vor der Tat kein operatives Geschäft mehr gehabt, das Garibaldi, ein Restaurant des Angeklagten, keine Gewinne erwirtschaftet, berichtete die 64-Jährige. Ungeachtet dessen hatte M. über die Gastro Group Ende 2017 einen fast 400.000 Euro teuren Lamborghini bestellt. Allerdings nur, wie sein Verteidiger betonte, um den Wagen weiterzuverkaufen und zu Geld zu machen. Das Opfer, obwohl 50-prozentige Teilhaberin der Gastro-Group, war der 64-Jährigen indes nicht bekannt.

Prozess um Niddatal-Mord: Frankfurter Lügengeschichte um Krebserkrankung

Zu Beginn des Prozesstages hatten Menschen aus dem persönlichen Umfeld des Angeklagten berichtet, die M. am Tag vor oder unmittelbar nach der Tat gesehen hatten. Am Morgen nach dem Mord hatte sich M. mit dem Geschäftsführer der Kelterei Possmann um 9 Uhr zum Frühstück in der Innenstadt getroffen. Nach M.s eigener Einlassung vor Gericht hatte er noch vier Stunden zuvor zufällig die Leiche der Ermordeten im Niddapark entdeckt. Ihm sei bei M. aber außer einer Verletzung an der Hand nichts besonderes aufgefallen, er habe ausgeschlafen gewirkt, berichtete Peter Possmann.

Zeugin berichtet von „Freundschaft plus“

Das Gericht erhielt auch diesmal wieder einen Einblick in das ausschweifende Leben des Angeklagten vor dessen Festnahme. So berichtete eine Zeugin, sie habe mit M. eine „Freundschaft plus“ unterhalten. Die Nacht nach dem Auffinden der Leiche hatte M. bei der 32-Jährigen verbracht. Als am Morgen publik wurde, es könne sich bei der Toten um seine Geschäftspartnerin Irina A. handeln, habe M. versucht, diese anzurufen und ihr auf die Mailbox gesprochen, obwohl er bereits wusste, dass A. tot ist. Der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan staunte über die Aussage der 32-Jährigen: „Das Telefonat passt nicht, es sei denn, es ist jemand völlig verrückt geworden.“ Der Prozess wird am 14. Oktober fortgesetzt.

Im Prozess um den Mord im Niddapark im Mai 2018 haben zuvor bereits die Eltern des Opfers den Angeklagten Jan M. belastet*.

Im weiteren Prozess um den Mord im Niddapark in Frankfurt tauchen Zeugen nicht im Landgericht auf oder haben nichts zu sagen.

Oliver Teutsch

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare