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Erst als die Polizei beim Durchwühlen von 22.500 Tonnen Schlacke drei Knochen von Iryna U. aus Frankfurt fand, stand fest, dass die 43-Jährige nicht mehr lebt.
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Erst als die Polizei beim Durchwühlen von 22.500 Tonnen Schlacke drei Knochen von Iryna U. aus Frankfurt fand, stand fest, dass die 43-Jährige nicht mehr lebt. (Archivbild)

Gericht

Lebenslange Freiheitsstrafe im Mülldeponie-Prozess: Mord in Frankfurt macht fassungslos

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Das Landgericht Frankfurt verurteilt Stefan U. zur lebenslangen Freiheitsstrafte. Das Urteil gerät zur Generalabrechnung mit einem Menschen, der fassungslos macht.

Frankfurt – „Sie sind ein Mensch“, attestiert der Vorsitzende Richter Jörn Immerschmitt dem 38 Jahre alten Stefan U., unmittelbar nachdem er ihn zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt hat. Aber dann geht der Richter ins Detail und liest dem Verurteilten die Leviten, wie man es selten erlebt: „Sie sind ein Mensch, der den Mord an seiner Ehefrau geplant und durchgeführt und die Leiche in den Müll geworfen hat.“ Die „empathielose Dreistigkeit“ hat den eigentlich recht hartgesottenen Immerschmitt nach eigener Aussage erschreckt. U.s Tat stehe „aus sittlicher Betrachtung auf tiefster Stufe“.

Stefan U. ist ein Mensch, der mittlerweile wohl schon aus Gewohnheit lügt und betrügt. Er ist mehrfach wegen einschlägiger Eigentumsdelikte vorbestraft. Seine Karriere als Kleinkrimineller begann damit, dass er seinem Bruder das Sparbuch klaute. Es folgten Geldstrafen, die seine Eltern so lange zahlten, bis ihnen das Geld ausging und der Sohn im Gefängnis landete. Allerdings gelang es dem eher unscheinbaren U., der zuletzt für schmales Gehalt als Hausmeister und Putzkolonnenaufpasser arbeitete, auf wundersame Weise immer wieder, Frauen zu finden, die ihm sein Leben finanzierten.

Frankfurt: Kurze Zeit zwischen Kennenlernen von neuer Freundin und Mord an Frau

Iryna U. war als Mensch das genaue Gegenteil ihres Mannes. Mit eiserner Disziplin hatte die Krankenschwester es geschafft, eine Eigentumswohnung in Nied und ein Feriendomizil in Spanien zu kaufen. Sie finanzierte ihrem Mann Wohnung, Telefon und Auto. Mit Stefan U., der nach der Hochzeit ihren Nachnamen angenommen hatte, war ihr der Kinderwunsch gemeinsam, doch weder Hormonbehandlung noch künstliche Befruchtung brachten Erfolg. Adoptionsversuche scheiterten an Stefan U.s Vorstrafen. Das hielt ihn nicht davon ab, seiner neuen Freundin vorzulügen, seine Frau habe ihn vor der Hochzeit „belogen“ und wolle keine Kinder.

Man kann U. nicht vorwerfen, ein langsamer Mensch zu sein. Zwischen dem ersten Kennenlernen seiner neuen Freundin, die in einer von ihm beaufsichtigten Putzkolonne arbeitete, und seiner Festnahme wegen Mordverdachts vergingen gerade einmal drei Monate. In dieser Zeit schaffte er es, seine neue Flamme zu schwängern und ihr zu versprechen, dass sie schon bald in „seine“ Wohnung in Nied einziehen könne, weil seine Frau ohnehin ausziehe, da er sich von ihr trenne. Dass er von alledem seiner Frau nichts erzählte, beweist, dass U. auch ein schweigsamer Mensch sein kann. Von dieser Eigenschaft hat er während des Prozesses ausgiebig Gebrauch gemacht. Im Laufe der Ermittlungen aber hatte er immer wieder seine Unschuld beteuert – und die Fahnder schwindlig gelogen.

Mörder in Frankfurt ist passionierter Lügner

Stefan U. ist ein passionierter Lügner, aber kein besonders guter. Nachdem er seine Ehefrau bereits in der Mordnacht auf den 24. Oktober 2019 als vermisst gemeldet hatte, verwickelte er sich rasch in Widersprüche, am 14. November wurde er festgenommen. Aber erst als die Polizei beim Durchwühlen von 22.500 Tonnen Schlacke drei Knochen von Iryna U. fand, stand fest, dass die 43-Jährige nicht mehr lebt. Was für ein Mensch Stefan U. ist, zeigt auch ein Detail der Ermittlungsarbeit. Kurz nach dem „Verschwinden“ seiner Ehefrau holte er seine neue Freundin in die Wohnung und schenkte ihr als Willkommensgabe eine Kette mit herzförmigem Detail. Er habe sie bei einem Juwelier in Höchst entdeckt und sie einfach kaufen müssen, der großen Liebe wegen. Wie Fotos beweisen, handelt es sich um dieselbe Kette, die Iryna U. am Vorabend ihres Todes auf einem Fest im Kollegenkreis getragen hatte.

Am Ende der Urteilsbegründung mahnt Immerschmitt den Verurteilten, dass er im Gefängnis an sich arbeiten müsse, da sonst eine vorzeitige Haftentlassung eher unwahrscheinlich werde. Und er bittet ihn inständig, sich nicht wie angekündigt Namen und Gesicht von Iryna U. tätowieren zu lassen – das empfänden nicht bloß die Eltern der Ermordeten, sondern schlicht alle Beteiligten als äußerst „unpassend“. Ob die Bitte erfüllt wird, darf bezweifelt werden. Denn Stefan U. ist zwar ein Mensch, aber ein sehr schlechter. (Stefan Behr)

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