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Frankfurt: Mönche legen Sandmandala im Tibethaus in Bockenheim

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Von: Kathrin Rosendorff

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Die Mönche streuen hochkonzentriert das Sandmandala. Zuvor haben sie es gezeichnet.
Die Mönche streuen hochkonzentriert das Sandmandala. Zuvor haben sie es gezeichnet. © christoph boeckheler*

Bis Freitag können Besucher:innen live beim Ritual der buddhistischen Mönche dabei sein. Sandmandalas herzustellen sind nicht nicht nur eine hohe Kunst, sondern setzten auch ein philosophisches Studium voraus.

Ein Sandmandala zu streuen ist nichts, was man in einem Feriencrashkurs lernen kann. Die beiden buddhistischen Mönche in roten Roben füllen am Dienstagmittag im Tibethaus in Bockenheim zunächst den farbigen Sand in Metallröhrchen. Dann kommt der Teil, bei dem sie hochkonzentriert sein müssen: Lautstark klopfen sie mit einem anderen Röhrchen den Sand wieder heraus. Dabei müssen sie nicht nur aufpassen, wie viel herausfällt, sondern auch noch Linien legen, so dass aus den Sandkörnern ein Bild entsteht.

Um die Arme zu entlasten, legt sich einer der Mönche zwischendrin Kissen unter die Ellenbogen. Bis Samstag soll das Mandala des Vierarmigen Chenresig, des Buddhas des grenzenlosen Mitgefühls, fertig sein. 1,20 Meter wird er im Durchmesser groß sein. Fünf bis sechs Stunden täglich arbeiten die Mönche daran. Besucher:innen können ihnen bis Freitag (10.30 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 17.30 Uhr) in der Georg-Voigt-Straße 4 dabei zuschauen.

MandalaWoche

Alle Infos zur Mandalawoche und zum Tag der offenene Tür anm Samstag : https://www.tibethaus.com

„Drei Jahre dauert es, bis man ein Sandmandala so legen kann“, erzählt der tibetische Gelehrte Geshe Damchoe Gyaltsen, der selbst keine Mandalas erstellt, aber zu den vier Mönchen gehört, die aus dem indischen Dharamsala, dem Sitz des Dalai Lama, nach Frankfurt gereist sind. Die Botschaft des Chenresig-Mandalas: „Wir sollen mitfühlend sein.“

„Die Mönche sind nicht nur Künstler, sondern auch Gelehrte“, sagt Elke Hessel, die Direktorin des Tibethauses. „Sie haben ein philosophisches Studium absolviert. Denn ein Mandala ist nicht nur etwas Dekoratives, man muss auch die Hintergründe kennen.“

Es sei ein Ritual, eine Reflektion des Inneren, eine Meditation. „Schon die Klänge, die beim Klopfen der Metallröhrchen entstehen, hat für mich etwas Meditatives“, sagt eine Besucherin. Sie ist Buddhistin und hat Kunstgeschichte studiert. „Es ist schön bei der Entstehung dabei zu sein, sonst kenne ich das nur aus dem Fernsehen.“

Am Samstag werden die Mönche das vollendete Werk in einer öffentlichen Zeremonie um 13 Uhr auflösen. „Sie kehren es mit kleinen Besen zusammen, füllen es in eine Vase, und abends soll der Sand in die Nidda gestreut werden“, sagt Hessel. Diese Tradition symbolisiere die Vergänglichkeit des Lebens und stehe für das Loslassen. Die Mönche selbst wollen am Dienstagabend etwas von Frankfurt sehen und planen eine Schifffahrt auf dem Main.

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