Leichenschauen

Modellprojekt spart Zeit

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Seit 2018 unterstützt die Rechtsmedizin in Frankfurt das Gesundheitsamt bei der letzten ärztlichen Untersuchung. Trotz großer Zufriedenheit bleibt fraglich, wie es weitergeht.

Der Modellversuch zur neuen Form der Leichenschau in Frankfurt ist ein Erfolg. Das bilanzierte Dezernent Stefan Majer (Grüne) kürzlich im Gesundheitsausschuss. Und nicht nur er. Auch der stellvertretende Polizeipräsident Walter Seubert ist begeistert. Dabei hat das Projekt, anders als ursprünglich erhofft, keine bislang unentdeckten Straftaten sichtbar gemacht. Aber es hat der Polizei eine Menge Zeit und Ärger eingespart.

2017 hatte sich die Rechtslage beim Thema Leichenschau geändert. Seitdem ist das Gesundheitsamt in der Pflicht, wenn sich bei einem Todesfall kein niedergelassener Arzt und kein Krankenhaus finden, die den Verstorbenen ein letztes Mal untersuchen. Meist kommt es nicht so weit, Menschen sterben im Altersheim oder Krankenhaus oder haben einen Hausarzt, den die Hinterbliebenen herbeirufen.

7000 Frankfurter scheiden jährlich aus dem Leben, bei etwa 1000 gibt es Unstimmigkeiten. Sie sterben bei Unfällen oder im Wald oder liegen längere Zeit tot in ihrer Wohnung, bis man sie findet. Dann ist die Polizei vor Ort und muss dafür Sorge tragen, dass ein Arzt kommt und die Leichenschau übernimmt.

Um diese Aufgabe aber reißen sich die Ärzte nicht. Eine Leichenschau kann bis zu zwei Stunden dauern, mit An- und Abfahrt, Vor- und Nachbereitung, Gesprächen mit den Angehörigen. Die Vergütung für einen solchen Einsatz lag bislang bei 70 Euro, sie steigt jetzt immerhin auf 120.

Begeistert vom Modellprojekt

Als das Gesundheitsamt 2017 in die Verantwortung kam, übernahm den ersten Einsatz am 4. Januar der Chef persönlich, René Gottschalk, der Amtsleiter. Begeistert war er davon nicht. Umso mehr ist er es von dem Modellprojekt: Seit 2018 springt das Institut für Rechtsmedizin in solchen Fällen ein. Die Stadt finanziert eine entsprechende Stelle, die 120 000 Euro im Jahr kostet.

Die Bilanz nach zwei Jahren und acht Monaten: Die Rechtsmediziner ordnen häufiger eine Obduktion an. Das finden die Experten positiv, weil sie so Gewissheit über die Todesursache bekommen. Und: Die Wartezeiten, die Polizisten am Fundort verbringen müssen, bis die Leichenschau beginnt, hat sich halbiert. Im Schnitt von zwei Stunden auf eine, referierte Marcel Verhoff, der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin, im Ausschuss.

Kein Wunder also, dass das den Vizepräsidenten Seubert freut. Zumal die Beamten nicht nur Zeit einsparen, die sie an anderer Stelle sinnvoller einsetzen können. Auch die Qualität der Leichenschauen sei gestiegen, sagt Seubert. Kriminalpolizei und Rechtsmedizin bildeten ein fachliches Tandem. Und je schneller die Leichenschau erfolge, desto mehr Details würden aufgenommen, desto weniger Nachermittlungen seien nötig.

Kurzum: Seubert wünscht sich die Übernahme des Modellversuchs in den Regelbetrieb. Am besten für 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Doch das wird es kaum geben. Nicht nur, weil für diese Arbeit die eine Stelle an der Universität kaum ausreicht, sondern auch, weil die Stadt das Projekt nicht alleine stemmen möchte. Auch das Land als Dienstherr der Polizei und die Kassenärztliche Vereinigung sollen sich daran beteiligen. Beide lehnen das aber ab.

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