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Frankfurt: Mittagspause am Grabmal

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Von: George Grodensky

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Neue Bestattungsform: kompostierbare Urne im Friedwald.
Neue Bestattungsform: kompostierbare Urne im Friedwald. Friedwald © Friedwald

Die Bestattungskultur wandelt sich, Menschen lassen sich verbrennen und in Urne oder gleich im Friedwald beisetzen. Friedhöfe werden zu Parks.

Die Bestattungskultur in Deutschland ist im Wandel. Auch in Frankfurt. Immer mehr Menschen bevorzugen die Feuer- statt der traditionellen Erdbestattung, die Urnen nehmen weniger Platz ein. Das macht Flächen auf den Friedhöfen frei. Der hintere Teil des etwa 70 Hektar großen Frankfurter Hauptfriedhofs wird schon seit einigen Jahren nicht mehr für neue Gräber genutzt, sondern als Rückzugs- und Erholungsort, mit Blühstreifen und Sitzecke samt Bücherschrank.

Auch die Stadtteilfriedhöfe verändern sich. In Bonames bleiben etwa regelmäßig Blumenzwiebeln übrig, die eigentlich Gräber hätten zieren sollen. Den bunten Mix aus Tulpen, Narzissen, Maiglöckchen und Krokussen setzen Grünflächenamt, Naturschutzverein Bonames und die Schülerinnen und Schüler der August-Jaspert-Grundschule am kommenden Dienstag, 22. November, 10 Uhr, rund ums Insektenhotel in Gewann C ein. „Die blühende Wildwiese erfreut künftig nicht nur die Friedhofsbesuchenden, sondern auch die vielfältige Insektenwelt“, meldet die Stadt erfreut.

Der Ortsbeirat 10 hat in seiner jüngsten Sitzung mehr Bestattungsvarianten für den Friedhof in Eckenheim gefordert. Hintergrund ist ein Antrag der CDU aus der Stadtverordnetenversammlung. Demnach soll der Magistrat aufgefordert werden, „soweit möglich auf allen städtischen Friedhöfen geeignete Flächen für weitere, würdige Bestattungsformen zu ermitteln und auszuweisen“. Dabei geht es vor allem um Urnenwände, anonyme Grabfelder, Urnenfelder unter Bäumen und Friedfelder. Als Antwort verweist der Magistrat auf aktuell 15 mögliche Grabarten, aus denen die Frankfurterinnen und Frankfurter wählen könnten.

Zu den bereits genannten gesellen sich die Bestattung auf der Streuobstwiese, oder Klassiker wie die Seebestattung. Nach der Feuerbestattung im Krematorium in Frankfurt kommt die Asche in eine wasserlösliche Urne und reist so ans Meer, wo sie mit Angehörigen und Skipper aufs Schiff geht. Wer möchte, kann auch einen Teil der Asche in einen Diamanten umarbeiten lassen. „Die Unvergänglichkeit eines Diamanten steht Pate für ein neues Verfahren, bei dem der Kohlenstoff der Kremationsasche zu einem unvergesslichen Schmuckstück verarbeitet wird“, wirbt etwa die Pietät am Dornbusch.

Nun sorgt sich der Ortsbeirat 10 ein bisschen, der Eckenheimer Friedhof könne den Anschluss verpassen. Schließlich sei dort - trotz der mannigfaltigen Möglichkeiten - „bislang keine alternative Bestattungsform möglich“, wundert sich Gero Gabriel von der CDU. Und nicht nur er. Die Bürgerinnen und Bürger sähen den Erhalt des Friedhofs in Gefahr, sagt Gabriel.

Größte Konkurrenz zum klassischen wohnortnahen Grab auf dem Friedhof ist die Bestattung im Friedwald. „Als Ort der letzten Ruhe rückt der tröstliche Wald mit der Baumbestattung auf Platz zwei der bevorzugten Bestattungsarten.“ Das ist zumindest Ergebnis einer Onlinebefragung von K&A Brand Research im Auftrag von Friedwald, an der 3000 Deutsche im Alter von 40 bis 81 Jahren teilgenommen haben. Die Urnenbeisetzung auf einem traditionellen Friedhof rangiert bei den Befragten auf Platz eins. Die Hälfte der Befragten gab an, dass sie nach ihrem Tod mit der Natur vereint sein möchten.

Friedwald ist eine geschützte Marke für eine letzte Ruhestätte im Wald. 2001 hat das Unternehmen den ersten Bestattungswald bei Kassel eingerichtet. Inzwischen sind es deutschlandweit 79 Standorte. Wer sich das anschauen möchte, kann am Samstag, 19. November, 14 Uhr, an einer kostenlosen Führung im Friedwald Dietzenbach teilnehmen. Försterinnen und Förster erklären die Bestattung in der Natur – von Grabarten und Kosten über die Auswahl des passenden Baumes bis hin zur Gestaltung von Beisetzungen.

Treffpunkt ist die Infotafel am Friedwald-Parkplatz, 63128 Dietzenbach, Kreuzung Frankfurter Straße/B459. Anmeldung unter www.friedwald.de/dietzenbach oder 06155 / 84 81 00 erforderlich.

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