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Frankfurt: Mit Goethe zur Kaiserkrönung

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Von: Steven Micksch

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Da kniet der Kaiser: Mit der App kann man das Innere des Doms sehen, ohne ihn zu betreten.
Da kniet der Kaiser: Mit der App kann man das Innere des Doms sehen, ohne ihn zu betreten. © Renate Hoyer

Eine App bietet in der Frankfurter Altstadt Einblicke in das Jahr 1764. Dichterfürst Goethe erzählt dabei von seinen Erlebnissen.

Mit einem Fingertipp ist er plötzlich da, der Goethe. Schnell noch mit einem Wischen die Größe angepasst, damit man auch fast auf Augenhöhe kommunizieren kann. Wobei das Gespräch einseitig ist: Denn der virtuelle Dichterfürst ist es, der spricht, und man selbst hört zu und lernt im besten Fall etwas. Über den Frankfurter Dom, den Hühnermarkt und den Römer, aber vor allem über eine Kaiserkrönung.

Denn um diese dreht sich in der neuen App „Frankfurt Citytour“ alles. Seit Dezember können Interessierte diese Augmented-Reality-App (AR-App) in den Stores auf ihr Smartphone herunterladen. AR bedeutet, dass auf dem Handy neben dem realen Bild, das die Kamera einfängt, auch virtuelle Inhalte, beispielsweise Figuren, angezeigt werden.

Die App nimmt die Nutzerinnen und Nutzer mit auf eine Zeitreise in das Frankfurt des Jahres 1764. Am 3. April dieses Jahres wurde nämlich Joseph II. zum römisch-deutschen König gekrönt. Er war damit designierter Nachfolger auf den Kaisertitel, erhielt diesen aber erst 1765 nach dem Tod seines Vaters. Ein Spektakel war die Krönung trotzdem für das Volk. Und auch für den jungen Johann Wolfgang Goethe. Der war damals 14 Lenze jung und erlebte die Krönung hautnah. Nun ja: Die Zeremonie im Dom verpasste er, wie er auf dem Bildschirm verrät, weil der Bartholomäusdom bereits voll war. Aber immerhin war er später beim Gelage im Kaisersaal dabei.

Zunächst sollte man die kostenfreie App aus dem Store laden. Dazu „Frankfurt Citytour“ in die Suche eingeben und die Applikation mit der weißen Kaiserkrone auf schwarzem Grund auswählen. Nach der Installation könnte es theoretisch losgehen. Damit die Zeitreise aber funktioniert, muss man sich auch in der Nähe der relevanten Gebäude befinden. Vor Ort hat man einen recht großen Radius, in dem die App funktioniert. Man muss also nicht direkt am Dom stehen.

Der ist die erste von vier Stationen. Ist alles vorbereitet, klickt man auf der Karte auf die Nummer 1 und sucht sich eine ebene Fläche auf dem Boden vor einem. Dort kann man dann die virtuelle Figur Goethes platzieren. Der ist übrigens nicht der 14-jährige Jungspund, sondern ein graumelierter Herr. Nicht ganz authentisch, aber auch kein Beinbruch. Jasmin Bischoff, die bei der Tourismus und Congress Frankfurt (TCF) das Projekt leitet, erklärt: „Wir haben überlegt, wie Goethe den meisten Menschen bekannt ist, und haben dann die Darstellung gewählt, die noch am ehesten bekannt ist.“ Kurzum: Großvater Goethe nimmt uns mit auf eine Zeitreise in seine Kindheit. Das passt.

Die App

Die Applikation fürs Smartphone gibt es sowohl für Android als auch für iOS. Achtung: Die Android-Version 7 ist zu alt, für diese wird die App im Store nicht angezeigt.

Als Suchbegriff „Frankfurt Citytour“ eingeben. Es ist dann das schwarze Symbol mit weißer Kaiserkrone und dem Schriftzug „Portal“. zu sehen. Die App ist kostenfrei.

Zwei Sprachen bietet die App: Deutsch und Englisch. mic

Der Dichter erzählt schließlich von der Krönung und stellt an jeder Station sogar noch eine passende Quizfrage. Aus vier Antwortmöglichkeiten gilt es die richtige zu finden. Wissen Sie, wie schwer die Kaiserkrone war?

Nach dem Monolog können die Nutzer:innen durch das bläulich schimmernde Portal treten und sich direkt ins Innere des Doms begeben – ohne das Gebäude betreten zu müssen. Dort sieht man Joseph knien und die Krone empfangen. Wenn man sich bewegt, kann man sogar näher an die Szene heran. Man sollte aber aufpassen, dass man nicht unfreiwillig wieder durch das Portal hinausgeht, das manchmal doch sehr im Weg steht.

So schön die echten Aufnahmen mit eingefügten virtuellen Figuren auch sind, so sehr sorgen sie, zumindest in unserem Test, für Frust. Etwa an der zweiten Station, dem Hühnermarkt, wo der Kaiser den Krönungsweg entlangritt. Ab durchs Portal, um die Szene zu betrachten ... doch wo bin ich? Statt den Kaiser sieht man die Altstadt und das jubelnde Volk. Erst wenn man sich vom Weg wegdreht, sieht man den Tross. Gleiches passiert am Römer – auch hier muss das Handy in die falsche Richtung gehalten werden, um den Römer zu sehen.

Jasmin Bischoff hat das Problem beim Testen auch schon erlebt. Ein Neustart der App habe dann geholfen, auch weil in den engen Gassen der Altstadt das GPS nicht immer ganz genau ist. Generell ist das Wiedererleben kein Problem. Im unteren Bereich der App gibt es den Punkt „Erinnerungen“. Dort werden nochmals alle vier Stationen mit Bildern und dem von Goethe gesprochenen Text angezeigt. Über den Button „Website“ gelangt man auf verschiedene Unterseiten der TCF-Homepage, die weiterführende Informationen bieten. Ein schöner Zusatzservice: Hier ist auf einen Blick zu sehen, ob das Dommuseum, die Touristeninformation oder der Kaisersaal geöffnet haben.

Die Informationen aus der App stammen vom Gästeführer und Historiker Hannes Pflüger. Auch Gästeführer David Liuzzo hat einen Teil beigetragen. Die App selbst wurde von der Firma Urban Time Travel entworfen. Anhand von Fotos, Filmen und Live-Beobachtungen wurde die Altstadt und Umgebung am Computer nachgebaut. Die Szenen, die man durch die Portale betritt, sind also nicht auf dem heutigen Stand, sondern umfassen die Gebäude von 1764. Worauf die Entwickler Wert gelegt haben: Der Sonnenstand der Szenen entspricht ziemlich genau jenem vom damaligen 3. April.

Nun hat man so tolle Technik, aber eigentlich nur vier Stationen – fast zu schade. So empfindet das auch die Frankfurter Tourismusgesellschaft und plant schon die Erweiterung der App. Denkbar sei, so Bischoff, das Thema Demokratie als nächstes aufzugreifen und dann die Paulskirche in den Fokus zu nehmen. Allerdings müsse für die Umsetzung dann auch das Budget da sein. Gerade hapere es noch an diesem Punkt.

Goethe vor dem Stoltze-Brunnen – die App macht es möglich.
Goethe vor dem Stoltze-Brunnen – die App macht es möglich. © Renate Hoyer
Das Historische Museum bietet Schulklassen Führungen rund um die Kaiserkrönung.
Das Historische Museum bietet Schulklassen Führungen rund um die Kaiserkrönung. © Renate Hoyer
Joseph der Zweite findet sich natürlich auch im Kaisersaal.
Joseph der Zweite findet sich natürlich auch im Kaisersaal. © Renate Hoyer

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