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Frankfurt: Mit Filmen fliegen lernen und wachsen dabei

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Von: Thomas Stillbauer

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Alles fürs Eis: „Lucy ist jetzt Gangster“ (Deutschland 2022).
Alles fürs Eis: „Lucy ist jetzt Gangster“ (Deutschland 2022). © DFF

Das Lucas-Festival lockt mit spannendem Programm die jungen Filmfans zurück in die Kinosäle .

Da ist es wieder, dieses ganz spezielle Lucas-Gefühl. Es ereilt traditionell die Glücklichen, die vorab in ein paar Beiträge reinschauen dürfen, schon mit dem allerersten Ausschnitt aus der allerersten Kategorie: Filme für die Altersgruppe 8+.

Lucy weiß nämlich, dass Eis glücklich macht. Und dann geht in der Eisdiele, die ihre Eltern betreiben, das allerwichtigste Gerät kaputt: die Eismaschine! 30 000 Euro! Die bis dahin stets brave und korrekte (und zehnjährige) Lucy sieht keinen anderen Ausweg: Sie muss eine Bank überfallen. Dafür trainiert sie eisern mit dem Klassengauner, und das geneigte Pressepublikum braucht keine 45 Sekunden der Filmvorschau zu „Lucy ist jetzt Gangster“, um davon Tränen in den Augen zu haben. Also zumindest Teile des geneigten Pressepublikums.

63 Filme laufen in diesem Jahr bei Lucas, dem internationalen Festival für junge Filmfans, und wieder geht es um alles oder nichts, um fantastische Utopien und beklemmenden Alltag, um den eigenen Platz im Leben, um Trauer, die es zu überwinden gilt – und natürlich ganz viel um Mut, Freundschaft und Familie.

Es geht in diesem Jahr auch besonders um ein Wiedersehen: Das junge Publikum kehrt zurück in die Kinosäle. Corona hat zwar dazu geführt, dass Lucas im großen Stil digital wurde und noch viel mehr Teilhabe ermöglichte als zuvor. So werden auch diesmal wieder viele Angebote und Gespräche mit Filmschaffenden online zu sehen sein, und zwar die Kurzfilme, die sogar bis zum 23. Dezember im Internet zur Verfügung stehen, samt Begleitmaterial, damit Lehrerinnen und Lehrer über die Festivalzeit hinaus damit in ihren Schulklassen arbeiten können.

„Aber für die richtige Festivalstimmung braucht es unbedingt das Kinoerlebnis“, sagt Ellen Harrington, die Direktorin des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums (DFF). „Wenn Filmschaffende vor und nach der Vorstellung auf der Bühne erscheinen, ihren Film präsentieren und Fragen beantworten“, dann erst halte Lucas, was er verspricht.

Das heben alle hervor, die am Mittwoch im Saal des Filmmuseums zusammengekommen sind, um vorauszuschauen, was das junge Publikum im Oktober erwartet. „Das eigentliche Kinoerlebnis findet hier auf diesen roten Sesseln statt“, sagt Adnan Shaikh, Bürgermeister der Stadt Eschborn, die Lucas seit Jahren finanziell unterstützt. Das Festival biete neue Perspektiven, weil es seine Zuschauerinnen und Zuschauer an weit entlegene Orte der Welt führe, die sie sonst vielleicht nie kennenlernen würden.

LUCAS-FILMFESTVAL

Vom 7. bis zum 13. Oktober zeigt Lucas, das internationale Festival für junge Filmfans, insgesamt 63 Filme in vier Kinos: in Frankfurt im Kino des Filmmuseums und im Cinéma, in Wiesbaden in der Caligari-Filmbühne und in Offenbach im Hafen 2.

Bis zum 30. September gilt der Frühbucherrabatt für Gruppen: 3,50 pro Person. Danach kostet der Eintritt vier Euro (bis einschließlich 20 Jahre), acht Euro für Erwachsene.

Am Festivalsonntag, 9. Oktober, haben alle Familien freien Eintritt bis 17 Uhr ins Kino des Filmmuseums, in die Dauerausstellung und in die laufende Sonderschau „Im Tiefenrausch“. Dann laufen Filme für jede Altersstufe, unter anderem „Lucy ist jetzt Gangster“ mit dem ukrainischen Text, der über Kopfhörer eingesprochen wird. Für die ukrainische Familien gibt es dann zudem spezielle Bastelangebote und Workshops – und für alle anderen Kinder natürlich auch.

Am 10. Oktober, dem Jahrestag der Frauensolidarität mit Afghaninnen gegen die Taliban, läuft beim Lucas der Dokumentarfilm „Lift Like A Girl – Stark wie ein Mädchen“ über eine junge ägyptische Gewichtheberin. Regisseurin Mayye Zayed wird vor Ort im Kino sein. Viele weitere Schauspielerinnen, Regisseure, Produzentinnen haben sich fürs Festival angekündigt. Voraufgezeichnete Interviews wird es auf Youtube zu sehen geben.

Alle Infos: lucas-filmfestival.de

Und sogar in die Luft. Sofia beispielsweise lernt in dem Film „Wie ich fliegen lernte“ – woher wussten Sie das? – fliegen. Und damit ist sie nicht allein, denn Meeri geht es in „Himbeeren mit Senf“ ganz ähnlich. „Ich bin so sehr verliebt, ich kann fliegen“, entdeckt sie. Magie mit weitaus ernsterem Hintergrund transportiert der Animationsfilm „Dounia und die Prinzessin von Aleppo“. Ob der Krieg alles zerstöre, fragt die kleine Dounia den Großvater: „Wird Aleppo verschwinden?“ Und der Großvater: „Wir werden nie die Hoffnung verlieren.“ Angst und Zuversicht, Zweifel, Hoffnung: Motive, die Lucas auch beim 45. Festival begleiten und so wertvoll machen.

In den Filmen für die älteren Festivalzielgruppen werden die Themen generell handfester: Es geht um die zerstörte Umwelt, um schlimme Verluste, um Drogen, sexuelle und kulturelle Identität. Wer darf sich verschleiern? Wer darf wem vorschreiben, ob das Verschleiern in Ordnung ist oder nicht?

„Bilder haben großen Einfluss und eine große Verantwortung“, sagt Anna Schöppe von der Filmförderungsgesellschaft Hessenfilm. Und die Frankfurter Kulturamtsleiterin Sybille Linke sieht in Lucas ein Vorbild für die Partizipation, weil junge Leute in allen Bereichen beteiligt sind: als Darstellerinnen und Darsteller, als Publikum – und als junge Jury.

Die Motive, sich an der Prämierung zu beteiligen, sind da ganz unterschiedlich. „Es macht Spaß, Filme anzuschauen“, sagt Jurymitglied Moritz (11), von Festivalleiterin Julia Fleißig befragt. „Notfalls müssen wir uns gegen die Erwachsenen durchsetzen“, sagt Aaron (14), „aber ich denke, wir werden es schaffen.“ Leo (18) hat selbst schon drei Kurzfilme gedreht, erzählt er. „Dafür bin ich in einem Karton durch Frankfurt gelaufen.“ Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine habe man inhaltlich nicht eingehen können, sagt Festivalleiterin Fleißig. „Ein spezielles Filmprogramm dazu war nicht zu organisieren.“ Aber am Festivalsonntag, der Familien freien Eintritt ins Kino und ins Museum gewährt, soll es auch spezielle Angebote für ukrainische Familien geben.

Irres Geisterspektakel: „The Ghastly Brothers“ (Belgien 2021).
Irres Geisterspektakel: „The Ghastly Brothers“ (Belgien 2021). © DFF
„Dounia und die Prinzessin von Aleppo“ (Kanada 2022).
„Dounia und die Prinzessin von Aleppo“ (Kanada 2022). © DFF

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