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Frankfurt: Mit dem Helikopter gegen Spinner und Schnaken

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Von: Thomas Stillbauer

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Zur Hülf, der Hubschrauber. Rechts und links hat er Düsen, aus denen das Mittel gegen Eichenprozessionsspinner sprüht.
Zur Hülf, der Hubschrauber. Rechts und links hat er Düsen, aus denen das Mittel gegen Eichenprozessionsspinner sprüht. © Michael Schick

Das Grünflächenamt lässt aus der Luft sprühen, um Mensch und Baum zu schützen. Der Eichenprozessionsspinner ist das Ziel.

Da kommt er wieder. Schnittig. Knapp über die Baumwipfel saust er. Dann eine Wende und Landung auf der Wiese an der Isenburger Schneise. Ja, das könnte auch ein Eichenprozessionsspinner gewesen sein. Der wird ja irgendwann zum flugfähigen Falter. Aber vorher frisst er uns als Raupe die Bäume kahl und piesackt uns mit seinen Härchen. Damit er das nicht allzu ausgiebig tun kann, fliegt der Hubschrauber, schnittig, knapp über die Wipfel. Und sprüht.

Donnerstagfrüh, Stadtwald. Christian Dienst, Abteilungsleiter Grünflächenunterhaltung im Grünflächenamt, erklärt, was es auf sich hat mit der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Wir nennen ihn mal EPS im weiteren Verlauf, wenn Sie erlauben, aus Platzgründen, sonst krabbelt dieser Text bis in den Sportteil.

Eine Ladung reicht für sechs Hektar Wald

Am Mittwoch ging es los mit der Sprüherei aus der Luft, oben in Bergen-Enkheim, berichtet Dienst, und wenn alles reibungslos läuft, dann ist es nach eineinhalb Tagen erledigt. Der Helikopter landet regelmäßig zum Nachtanken: Sprit, Wasser – und das Mittel gegen den EPS, das mit dem Wasser zur „Spritzbrühe“ (Dienst) gemischt wird. Eine Ladung reicht für sechs Hektar.

Zuständig sind die Leute einer kleinen Spezialfirma, die in der Zeitung lieber namenlos bleiben will. Das Mittel, mit dem sie sprüht, sei zwar biologisch, geprüft und unbedenklich (außer für den EPS und für die Schnaken in den Rheinauen, die davon auch jährlich etwas abkriegen). Dennoch habe es schon Anfeindungen gesetzt, weil es ja doch irgendwie Gift ist, was da herunterkommt, wenn auch, wie gesagt, nur für Schnake und EPS.

Der Schutz der Menschen geht vor

„Es ist ein Zwiespalt“, sagt Christian Dienst. Einerseits das Sprühen gegen etwas Lebendiges, aber andererseits der Gesundheitsschutz für die Menschen. Und der sei eben immer das Wichtigste.

Wie wichtig, das weiß die Stadt, seit Schüler vor Jahren mit einem EPS-Nest auf dem Schulhof kickten und damit nicht nur allen einen schulfreien Tag bescherten, sondern vielen auch eine veritable allergische Reaktion. „Eltern haben damals mit Anzeigen gedroht“, sagt der Mann vom Grünflächenamt. Seiher sprühe die Stadt vorbeugend dort, wo Publikumsverkehr ist. Am Goetheturm, auf Waldspielplätzen, auf Waldfriedhöfen.

Nicht nur aus der Luft wird gespritzt, auch zu Fuß am Boden, und dort mehr als im Vorjahr, 7500 Bäume. Zuvor waren es 1000 weniger. Insgesamt seien es 217 Hektar Wald, sagt Dienst; ein Bruchteil der 6000 Hektar, die der Stadtwald misst.

Haarige Gewinner des Klimawandels

Im ersten und zweiten Larvenstadium muss die Spritzbrühe den EPS erwischen, „der Zeitpunkt ist unheimlich wichtig“. In den 1990er Jahren kam das Insekt aus dem Mittelmeerraum zu uns, fühlte sich aber erst nach dem Hitzesommer 2003 so richtig heimisch. Der Klimawandel steigerte seine Begeisterung.

Manche Städte, sagt Dienst, hätten sich das Sprühen gespart. „Das konnten sie später beim Absaugen nicht mehr aufholen.“ Teurer sei es obendrein, die EPS-Nester aus den Bäumen zu saugen, denn die Arbeiter, die das machen, brauchten eine Vollkörperschutzausrüstung. Das sei im Mai und Juni auch nicht besonders angenehm, wenn der Sommer zeigt, was er kann.

190 000 Euro gibt Frankfurt in diesem Jahr für die EPS-Bekämpfung aus. Wo gesprüht wird, ist kurzzeitig der Zugang gesperrt. Bei Fragen zum Eichenprozessionsspinner hilft das Umwelttelefon: 069/212-39100.

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