Walter Adlhoch.
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Walter Adlhoch.

Kirche

Frankfurt: Missbrauchsvorwürfe gegen ehemaligen Stadtdekan Adlhoch

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Der frühere katholische Stadtdekan in Frankfurt, Walter Adlhoch, soll vor 40 Jahren ein 14 Jahre altes Mädchen missbraucht haben. Ein nach ihm benanntes Heim soll umbenannt werden.

Die Betroffenheit und die Erschütterung ist den Gesprächspartnern anzuhören. „Es ist für viele ein Schock“, berichtet der Direktor des Hauses am Dom in Frankfurt, Joachim Valentin, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.

Die 140 000 Gläubigen der katholischen Kirche in Frankfurt sind aufgeschreckt von der Nachricht, dass der frühere langjährige Stadtdekan Walter Adlhoch (1913–1985) sich des Missbrauchs schuldig gemacht haben soll.

Der Fall ist in dem Abschlussbericht „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“ festgehalten, den das Bistum Limburg unlängst veröffentlicht hatte und in dem 46 Missbrauchsfälle dargelegt sind. Adlhoch, der von 1965 bis 1982 Stadtdekan war, soll die Jugendliche bis hin zum Oralverkehr und zum einmaligen Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Das Mädchen war zu dieser Zeit (1979) vierzehn Jahre alt, der oberste Katholik der Stadt 65 oder 66 Jahre.

Der heutige Stadtdekan Johannes zu Eltz wurde von dieser Nachricht nach eigenem Bekunden im Urlaub überrascht. Er habe nichts gewusst, versicherte der Geistliche der FR. Zu Eltz begrüßt die Aufklärungsarbeit des Bistums Limburg: „Zu oft, zu lange und zu vielen haben wir in der Vergangenheit die Glaubwürdigkeit abgesprochen.“

2011 an Missbrauchsbeauftragten gewandt

Nach Darstellung des Berichts hatte sich die betroffene Frau erst 2011 an den Missbrauchsbeauftragten des Bistums gewandt. Auf seine Empfehlung hin sei eine Entschädigung von 12 000 Euro gezahlt worden. 2014 habe die Frau ihren Bericht dahingehend ergänzt, dass sie seinerzeit schwanger geworden und von Adlhoch zu einem Abbruch genötigt worden sei. Daraufhin zahlte das Bistum weitere 13 500 Euro. Der Fall wurde aber weiter unter der Decke gehalten.

Mit Adlhoch treffen die Beschuldigungen einen Mann, der im Bistum und auch unter den Gläubigen in Frankfurt hoch angesehen war. „Er war über alle Zweifel erhaben und eine Autorität, zu der aufgeschaut wurde“, sagte Joachim Valentin vom Haus am Dom.

Adlhoch war 1985 bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ein nach ihm benanntes Heim für Wohnungslose in Limburg soll von der Caritas nun einen neuen Namen erhalten.

Adlhoch war vom Land Hessen unter anderem mit dem Ehrenbrief und von der Stadt Frankfurt mit der Ehrenplakette ausgezeichnet worden. Er war Vorsitzender des Gesamtverbands der katholischen Kirchengemeinde Frankfurt und er führte die Caritas der Stadt.

„Bischof hat begonnen, Kluft zu überbrücken“

Es gibt auch Stimmen, die den früheren Stadtdekan verteidigen. Sein Nachfolger, der heute 90-jährige Klaus Greef, der von 1982 bis 1997 als Stadtdekan gewirkt hatte, wird von der FAZ mit den Worten zitiert: „Ich halte es für ausgeschlossen.“ Frühere Mitarbeiter Adlhochs betonen, die soziale Kontrolle für den Stadtdekan sei so hoch gewesen, dass für Missbrauch kein Raum gewesen sei.

Direktor Valentin vom Haus am Dom hebt hervor, dass der Umgang des Bistums mit den Missbrauchsfällen sich grundlegend geändert habe. „Der Bischof hat begonnen, die Kluft zu überbrücken.“

Die Frau, die von Adlhoch missbraucht worden sein soll, leide dem Bericht des Bistums zufolge noch heute psychisch sehr stark unter dem Geschehen. Sie habe sich sogar mitschuldig an der Abtreibung gefühlt.

Die Nachricht von den Vorwürfen gegen den früheren Stadtdekan trifft die katholische Kirche in Frankfurt in einer ohnehin schwierigen Phase. Die Zahl der Gläubigen geht stark zurück; dies ist auch eine Folge der vielen aufgedeckten Missbrauchsfälle.

Jahrelang konnte sich die katholische Kirche in der Großstadt Frankfurt damit trösten, dass hier der Schwund der Gläubigen nicht so stark war wie in anderen Teilen des Bistums. Doch diese Ausnahmeposition ist seit dem vergangenen Jahr verloren gegangen.

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