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Ein neuer Name für die Miquelallee?

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Von: Georg Leppert

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Das Bild Miquels hängt in der Wandelhalle des Römers.
Das Bild Miquels hängt in der Wandelhalle des Römers. © Christoph Boeckheler 

Die Grünen im Römer regen eine Diskussion über den Namensgeber an. Der war ein großer Freund deutscher Kolonialpolitik. Wird dafür ein Stadtrat der Grünen gewürdigt?

Frankfurt – Der Vorstoß kam überraschend, scheint aber nicht gänzlich unrealistisch zu sein. Emre Telyakar, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Römer, hat am Mittwoch im FR-Interview vorgeschlagen, die Miquelallee umzubenennen. Künftig soll die Straße, die im Westend zur A66 führt, nach dem früheren Integrationsdezernenten Jean Claude Diallo (Grüne) heißen.

Entscheiden müsste das der Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend). Dessen Vorsteher Thomas Gutmann (Grüne) zeigt sich interessiert an einer „großen offenen Diskussion“, an der sich auch das Institut für Stadtgeschichte beteiligen soll. Gutmanns Stellvertreter Axel Kaufmann (CDU) ist skeptischer.

Frankfurter Oberbürgermeister Miquel war Mitglied in Kolonialverein

Telyakar will mit seinem Vorstoß nicht etwa die Leistungen Johannes von Miquels für die Stadt Frankfurt in Abrede stellen. Miquel war von 1880 bis 1890 Oberbürgermeister. In dieser Zeit wurden etwa die Kläranlage Niederrad, der Westhafen und der Hauptbahnhof gebaut. Der Politiker der Nationalliberalen Partei machte sich um den Wohnungsbau verdient. Vor allem aber sanierte er die städtischen Finanzen.

Womit Telyakar aber große Probleme hat: Miquel war Gründungsmitglied des Deutschen Kolonialvereins. „Das war der größte Lobbyverein für deutsch-koloniale Expansionspolitik“, sagte der Stadtverordnete der Grünen. Tatsächlich forderte der Verein regelmäßig, neue Kolonien in Afrika einzunehmen.

Die Koalition im Römer hat sich laut Telyakar darauf geeinigt, Straßennamen zu überprüfen – etwa auf eine mögliche NS-Vergangenheit des Namengebers, aber eben auch auf Beteiligungen an der deutschen Kolonialgeschichte. Über den Namen Miquelallee müsse daher zumindest kritisch diskutiert werden.

Die Miquelallee führt im Westend zur Autobahn A66.
Die Miquelallee führt im Westend zur Autobahn A66. © ROLF OESER

Telyakar schlägt Mitglied der Grünen als Namensgeber für wichtige Straße in Frankfurt vor

Das findet auch Gutmann, wenngleich der Ortsvorsteher mit der Forderung nach neuen Straßennamen eher zurückhaltend ist. Denn an einem Wechsel der Adresse hängt vieles – wobei an der Miquelallee nicht viele Menschen wohnen. Immerhin haben aber die Holzhausenschule und das Adorno-Gymnasium die entsprechende Anschrift. Jedenfalls würde Gutmann den Vorschlag gerne mit Anwohner:innen besprechen und das Institut für Stadtgeschichte einbinden. Gutmann erhofft sich dadurch Erkenntnisse über die Miquels Bedeutung für die Kolonialgeschichte.

„Sehr sympathisch“ sei Tel-yakars Vorschlag, Jean Claude Diallo mit einem Straßennamen zu würdigen, sagte Gutmann. Der in Guinea geborene Politiker der Grünen war von 1988 an Leiter des Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge in Frankfurt. 1995 wurde er Leiter des Fachbereiches Ökumene und Ausländerarbeit beim Evangelischen Regionalverband, 1997 ehrenamtlicher Stadtrat. Nach dem überraschenden Tod von Integrationsdezernent Albrecht Magen (CDU) übernahm er 2007 dessen Job. Diallo starb im März 2008 mit 62 Jahren.

Jean Claude Diallo war Frankfurter Integrationsdezernent.
Jean Claude Diallo war Frankfurter Integrationsdezernent. © FRFOTO

Dass Diallo mit einem Straßennamen gewürdigt wird, lehnt CDU-Mann Kaufmann nicht ab. Tatsächlich sei es Zeit für mehr Menschen mit Migrationshintergrund als Namensgeber. Allerdings halte er nichts von einer „Orgie von Umbenennungen“. Nach Menschen mit einer Vergangenheit an einflussreichen Stellen in der NS-Diktatur sollten keine Straßen heißen, das steht für Kaufmann fest. Politiker wie Miquel müsse man aber „im Kontext der damaligen Zeit beurteilen“. (Georg Leppert)

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