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Frankfurt: Ministerin Dorn fordert Klarheit zum Kulturcampus

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Die Wissenschaftsministerin macht deutlich, dass das Land auch ohne die Stadt handeln könnte. Die Musikhochschule und das Frankfurt LAB bangen um ihre Flächen auf dem Gelände.

Im Streit um den Kulturcampus verschärft sich der Ton. Die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Grüne), zeigte sich am Freitag „irritiert“ darüber, dass sie von den Vorstellungen der Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) „aus der Zeitung erfahren“ habe. Sie habe Hartwig bereits vor einer Woche um ein Gespräch gebeten. Bisher gebe es „keinerlei Klarheit über die Planungen der Stadt“.

Dorn machte deutlich, das Land Hessen könne die geplante Hochschule für Musik auf dem alten Universitätscampus in Bockenheim auch ohne das von der Stadt gewünschte „Zentrum der Künste“ entwickeln. „Wir haben eine fertige Raumplanung und könnten den Architekturwettbewerb morgen ausschreiben.“

Hartwig hatte in der FR erklärt, dass sie zunächst nur den südlichen Teil des „Zentrums der Künste“ entwickeln wolle, der direkt mit der Hochschule verzahnt werden soll. Die Ministerin sieht darin „komplett neue Vorzeichen für das gesamte Projekt“. Sie wisse nicht, „ob es sich um die Position der gesamten Frankfurter Koalition handelt“.

Der Bebauungsplan (B-Plan B569) für den Kulturcampus ist über das Auskunftssystem „Planas“ des Stadtplanungsamts abrufbar. Er trat am 26. pril 2016 in Kraft, nach Beschluss der Stadtverordneten. Rechtlich hat er den Rang einer städtebaulichen Satzung, das entspricht einem örtlichen Gesetz. Über die Einhaltung wacht die Bauaufsicht. In begründeten Einzelfällen, falls „Art und Maß der Bebauung“ nicht wesentlich geändert würden, sei eine Befreiung vom B-Plan möglich, erklärt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats. Änderungen oder Teiländerungen des B-Plans müssten die Stadtverordneten beschließen. fle

Dorn war nicht zu einer Podiumsdiskussion der SPD am Donnerstagabend ins Titania-Theater in Bockenheim geladen worden. 200 Menschen drängten sich im Theater. Der Wegzug der Universität, 1999 beschlossen, reiße dem Stadtteil „ein Stück weit das Herz heraus“, sagte Stadtteilpolitikerin Svenja Pasternack (SPD) aus dem Ortsbeirat 2. Umso mehr ruhten Hoffnungen auf dem Kulturcampus. Nach dem Willen Hartwigs soll das Zentrum der Künste für das Frankfurt LAB (Dresden Frankfurt Dance Company, Ensemble Modern, Hessische Theaterakademie, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst/HfMDK, Künstlerhaus Mousonturm) zweigeteilt werden. Der Teil auf dem „Tortengrundstück“ zwischen Unibibliothek und Bockenheimer Depot soll nachrangig gebaut werden, für Probebühnen und Verwaltungsbüros. Zunächst will Hartwig den südlichen Teil mit einer Bühne für das Frankfurt LAB neben der Musikhochschule errichten, die auf dem Gelände von Juridicum und Labsaal gebaut wird.

Das Land Hessen stellt 100 Millionen Euro für die Musikhochschule bereit. Um „Synergien“ zu nutzen und „den öffentlichen Raum gegen Angriffe auf die Demokratie zu verteidigen“, will Hartwig das Foyer zwischen Musikhochschule und Frankfurt LAB als öffentlichen Ort gestalten.

Das treibt die Musikhochschule um. Eine Fläche von 14 000 Quadratmetern für Studierende und Mitarbeiter sei notwendig, „damit die Hochschule funktioniert“, sagte HfMDK-Präsident Elmar Fulda. „Davon können wir nicht abrücken.“

Christian Fausch, Geschäftsführer des Ensemble Modern als Teil des Frankfurt LAB, legte Wert darauf, „die nördliche Dimension des Zentrums der Künste gleich mitzudenken“. Dass der Bebauungsplan, der eine maximale Höhe von 23 Metern für die Gebäude vorsieht, in Stein gemeißelt sei, stellte er infrage. „Es ist ein guter Plan“, antwortete Hartwig, die darlegte, dass ein Abrücken vom Bebauungsplan weniger Wohnraum auf dem Kulturcampus zur Folge haben könnte.

Kosten nicht angesprochen

Gar nicht gesprochen wurde über die Kosten eines Zentrums der Künste. Präsident Fulda hatte sie im vergangenen Jahr im Interview mit der FR auf 60 Millionen Euro geschätzt. Man muss davon ausgehen, dass sie steigen, weil die Baupreise sich rasant entwickeln. „Wenn wir den Bebauungsplan aufmachen, verlieren wir zehn Jahre“, sagte Uli Baier, planungspolitischer Sprecher der Grünen im Römer, der zur SPD-Veranstaltung gekommen war.

Seiner Ansicht nach kann der von den Stadtverordneten beschlossene Plan kaum geändert werden. Auskragungen an den Gebäuden seien möglich, eine Veränderung der Höhe eher nicht. Hartwig schlug vor, dem Architektenwettbewerb einen Ideenwettbewerb vorzuschalten. Binnen zwei Monaten könnten so Möglichkeiten für das gemeinsame Foyer von HfMDK und Frankfurt LAB untersucht werden.

Stefan Mumme, Vorsitzender des Vereins Forum Kulturcampus, zeigte Skizzen und Bilder vom Pariser Kulturzentrum Le 104, um zu zeigen, wie das Foyer aussehen könnte. Das Le 104 hat ein mit Glas überdachtes Foyer, in dem sich Künstler zu Auftritten treffen. Der Kulturcampus sei kein Ort für Bürotürme, „kein zweites Niederrad“, sagte Mumme, der öffentliche Raum dürfe nach dem Wegzug der Uni nicht verlorengehen. Hartwig kündigte an, sich mit dem Land auf den Architektenwettbewerb verständigen zu wollen. Da im Zentrum der Künste „Zuwendungsempfänger von Stadt und Land“ eine neue Heimat finden sollen, sei es „gemeinsame Aufgabe von Stadt und Land, das Zentrum auf den Weg zu bringen“.

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