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Stoßstange an Stoßstange im Berufsverkehr - auf keiner Straße in Frankfurt werden höhere Stickstoffdioxidwerte gemessen, als am Erlenbruch. 

Verkehr

Frankfurt: Minister genehmigt Riederwaldtunnel

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Der Bau der Autobahn im Frankfurter Osten kann 2021 beginnen, falls niemand klagt. Die Grundschule im Stadtteil bekommt eine Lüftung.

Es ist ein idyllischer Imagefilm, den Hessen Mobil am Mittwoch im Hessischen Landtag zeigt. Im Flugmodus bewegt sich eine Kamera über den Riederwaldtunnel, einen sechsspurigen Neubau zwischen den Autobahnen A66 und A661 im Frankfurter Osten. Im Riederwaldtunnel fahren einige wenige Autos. Eine Handvoll Fahrzeuge ist auch auf der Straße am Erlenbruch unterwegs, die von hohen Bäumen gesäumt ist. Zwischen den Bäumen wächst üppiges Gras, die Gleise der U-Bahn sind begrünt.

Dann nennt Gerd Ringelhuth, Präsident von Hessen Mobil, die korrespondierenden Zahlen. Im Riederwaldtunnel werden von einem Tag auf den anderen 110 000 Fahrzeuge am Tag unterwegs sein, davon 6000 Lastwagen. Auf der Straße am Erlenbruch, auf der heute 22 000 Autos am Tag fahren, sind es nach dem Bau des Riederwaldtunnels immer noch 14 000. Der Kontrast scheint verblüffend.

Dennoch sagte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne): „Mit dem Riederwaldtunnel wollen wir die unerträgliche Verkehrssituation und Lärmbelastung verbessern.“ Die Straße am Erlenbruch sei heute von den höchsten Stickstoffdioxid-Emissionen im Stadtgebiet betroffen. Morgens und abends stehen die Fahrzeuge Stoßstange an Stoßstange. Diesen Zustand soll der Riederwaldtunnel verbessern, so Al-Wazir.

Am Mittwochmorgen unterschrieb der Grünen-Politiker die Baugenehmigung für die 2,2 Kilometer lange Autobahn zwischen der Anschlussstelle Borsigallee, welche die Anschlussstelle Hessencenter an der A66 ersetzt, und dem Autobahndreieck Erlenbruch an der A66. 1,1 Kilometer der Autobahn liegen im Tunnel.

Falls es keine Klagen gebe, was er hoffe, würden die Aufträge für die Arbeiten Ende 2020 europaweit ausgeschrieben, sagte der Minister. Baubeginn wäre Ende 2021, beginnend mit der Kampfmittelräumung – die allerdings schon so manches Projekt verzögert und verteuert hat, zuletzt die Verlängerung der U5 ins Europaviertel. Hessen Mobil geht beim Riederwaldtunnel nach wie vor von acht Jahren Bauzeit aus, bis Ende 2029.

Der Planänderungsbeschluss enthalte zahlreiche neue Gutachten und Bestimmungen, um die Anwohner vor Lärm während und nach der Bauzeit zu schützen, sagte Al-Wazir. So bekomme die Pestalozzischule, eine Grundschule im Riederwald für 280 Kinder, eine dezentrale Lüftung. Stoßlüften alleine reiche nicht aus, sagte er. Die Kosten für die Lüftungsanlage übernehme der Bund.

Geschützt werde die Schule durch eine mobile Lärmschutzwand, die teilweise drei, teilweise sechs Meter hoch sei. Eine Verlängerung der Lärmschutzwand über die Haenischstraße vor der Grundschule, wie sie der Frankfurter Magistrat gefordert hat, war den gezeigten Illustrationen nicht zu entnehmen.

Heiko Durth, Abteilungsleiter bei Hessen Mobil, betonte: „Der Lärmschutz ist auf einem Niveau, wie wir es noch nie hatten.“ So seien nun höhere Lärmschutzwände an Ein- und Ausgang des Tunnels, den sogenannten Portalen, sowie am Autobahndreieck Erlenbruch und an der Talbrücke Erlenbruch vorgesehen. Drei Millionen Euro koste der Lärmschutz während der Bauzeit.

Auch für die Autobahn A661 strebt Hessen Mobil ein Planänderungsverfahren an. Derzeit erstellt die Baufirma Deges eine Verkehrsuntersuchung für den Abschnitt zwischen Friedberger Landstraße und Frankfurt-Ost. Dabei wird die Teileinhausung zwischen Friedberger und Seckbacher Landstraße einbezogen. Darauf hatten sich Stadt und Land per Verwaltungsvereinbarung verständigt.

Hessen Mobil will die A661 gerne verbreitern. In einem ersten Schritt ist eine Direktrampe von der Friedberger Landstraße auf die A661 nach Süden sowie eine Verflechtungsspur, also faktisch eine dritte Fahrspur, bis zum Dreieck Erlenbruch vorgesehen. Auch in der Gegenrichtung, vom Dreieck Erlenbruch an, wird es Einfädelspuren geben, welche die A661 breiter machen. 2020 sollen die Fahrspuren, die derzeit verschwenkt sind, auf das fertige Dreieck Erlenbruch verlegt werden. Laut Verkehrsprognose fahren 2030 bis zu 137 000 Fahrzeuge am Tag über die A661, davon ist jedes zehnte Fahrzeug ein Lastwagen.

In einem zweiten Schritt soll der sechsspurige Ausbau der A661 folgen. Dieser wurde 1980 beschlossen, wird aber beklagt. Seit 1995 fahren die Fahrzeuge über die Ostseite der Autobahn, wo es Lärmschutz gibt. Die Westseite der Autobahn, hin nach Bornheim, fehlt – genau wie der Lärmschutz.

„Für die Menschen in Bornheim brauchen wir den Lärmschutz dringend“, sagte Al-Wazir. Für die Anwohner von Bergen-Enkheim und Fechenheim, die an der 1979 eröffneten A66 wohnen und keinen Lärmschutz haben, stellte er eine „Lärmsanierung“ in Aussicht. Damit sind Lärmschutzwände für eine Autobahn im Bestand gemeint. Dafür wolle er sich beim Bund stark machen.

Zeitachse

1963 begann die Planung für die A 66 im Osten Frankfurts, damals noch unter der Bezeichnung „Rhein-Main-Schnellweg“. Die genaue Strecke zwischen Hessencenter und Hanau stand 1971 fest. 1979 eröffnete die A66 östlich der Anschlussstelle Bergen-Enkheim - damals wie heute ohne Lärmschutz. 2007 folgte der Planfeststellungsbeschluss für den Riederwaldtunnel. 2015 hob der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die Baugenehmigung aus dem Jahr 1980 für Alleentunnel, Alleenspange und Autobahndreieck Seckbach auf. Am 18. Dezember 2019 unterschrieb Al-Wazir die Baugenehmigung für den Riederwaldtunnel. 

Ab dem 1. Februar 2020 liegen die Planänderungsunterlagen, insgesamt 28 Aktenordner, zwei Wochen lang bei der Stadt Frankfurt aus. Bürger haben danach noch vier Wochen Zeit, gegen den Planänderungsbeschluss zu klagen. Von Ende 2021 bis Ende 2029 soll der Riederwaldtunnel gebaut werden. 2019 wurden die Kosten mit 477 Millionen Euro angegeben. Im Jahr 2013 ging Hessen Mobil noch von Kosten in Höhe von 320 Millionen Euro aus. 

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