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AWO-Skandal

Millionenschaden bei AWO

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Neue Spitze des Frankfurter Kreisverbandes zieht eine erste Bilanz des AWO-Skandals. Die Summe könnte noch steigen.

Allein in den Jahren 2015 bis 2019 ist der Arbeiterwohlfahrt Frankfurt (AWO) durch das Fehlverhalten von Spitzenfunktionären ein Schaden von 4,5 Millionen Euro entstanden. Diese Zahl nannten die Vorsitzende des AWO-Präsidiums, Petra Rossbrey, und Kreisvorstand Gerhard Romen in einer ersten Bilanz von dreimonatiger Aufklärungsarbeit. Rund 1,6 Millionen Euro davon entfielen auf überhöhte Gehälter und teure Dienstwagen. 900 000 Euro wurden als ungerechtfertigte „Spenden“ vom Kreisverband Frankfurt an den AWO-Kreisverband Wiesbaden überwiesen. Rund zwei Millionen Euro kosteten zu hoher Personalaufwand und nicht notwendige Baumaßnahmen bei zwei Flüchtlingsheimen der AWO.

Seit ihrer Wahl am 15. Februar hatte die 60-jährige Managerin nach eigenen Angaben jeden Werktag in der AWO-Zentrale im Frankfurter Ostend verbracht, der Interimsvorstand Romen, der am 9. März sein Amt angetreten hatte, sprach von 17-Stunden-Arbeitstagen. Rossbrey sah einen „Riesenschaden für die Arbeiterwohlfahrt“. Der frühere langjährige Geschäftsführer Jürgen Richter, seine Ehefrau und einige andere Funktionäre hätten „in die Kasse gegriffen“. Da weiter zurückliegende Jahre noch nicht untersucht worden seien, könnte der Schaden noch steigen.

Rossbrey stellte vor Journalisten in der Frankfurter AWO-Zentrale einen interessanten Zusammenhang her. Im Jahr 2014 war der langjährige Vorsitzende des Präsidiums, der frühere SPD-Landtagsabgeordnete Erich Nitzling, gestorben. „Danach fing es an.“ Man habe sich aus dem „Cashflow“ des Kreisverbands bedient, aber auch aus Geld, das eigentlich für Investitionen bereitgestanden habe. „Herr Richter und andere haben die AWO ausgeplündert, sie haben sich bereichert“, urteilte Rossbrey.

Das vorgesehene Kontrollpersonal habe vollkommen versagt. Vom Wirtschaftsprüfer habe sich der Kreisverband mittlerweile getrennt. Im Aufsichtsrat habe „blindes Vertrauen“ geherrscht. Einige Mitglieder hätten auch „nicht das nötige Know-how“ besessen, um die Kontrolle auszuüben. Auf die Frage der FR nach der Rolle der Revisoren, zu denen die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen gehörte, wich Rossbrey aus. Mit dieser Frage habe man sich noch nicht beschäftigt.

Nach den Worten der Managerin wäre der Kreisverband insolvent geworden, hätten sie und der neue Vorstand nicht sofort gehandelt. Mittlerweile sei es gelungen, die Zahlungsfähigkeit des Wohlfahrtsverbands und eine „schwarze Null“ für 2020 zu sichern. Den früheren Geschäftsführer Richter und seine Mitstreiter habe es „nicht gejuckt, wie es um die AWO wirtschaftlich steht“. Verbliebenes Führungspersonal habe inzwischen freiwillig auf Gehalt in Höhe von mehr als 100 000 Euro verzichtet.

Gemeinnützigkeit fraglich

Auf die AWO kommt aber noch mehr zu. Rossbrey und Romen räumten ein, dass der Kreisverband sich mit der Stadt Frankfurt um 600 000 Euro streite. Die Vorsitzende sah „keine Grundlage für diese Forderung“ der Kommune. Es gehe um die Frage, ob die AWO zu Recht Personal mit der Stadt abgerechnet habe. Hier gebe es „unterschiedliche Meinungen“, die man „im Gespräch klären“ möchte.

Es gibt noch andere ungeklärte Fragen. So ist offen, was Hannelore Richter, AWO-Geschäftsführerin in Wiesbaden und Ehefrau des Frankfurter Geschäftsführers Jürgen Richter, eigentlich zugleich als „Sonderbeauftragte“ des Frankfurter AWO-Kreisverbands getan hat. Hannelore Richter soll für diese Tätigkeit zusätzlich eine sechsstellige Summe bezogen haben. Rossbrey sprach von „Konstruktionen“ für zusätzliche Zahlungen.

Offen ist außerdem, ob der Kreisverband Frankfurt für die zurückliegenden Jahre seine Gemeinnützigkeit behalten kann. Vorstand Romen sagte auf die Frage der FR, derzeit laufe eine Betriebsprüfung der Jahre 2014 bis 2017. „Es gibt noch keine Entscheidung.“ Rossbrey ergänzte: „Wir warten auf den Bescheid des Finanzamts“. Würde die Wohlfahrtsorganisation aufgrund des Fehlverhaltens einiger Funktionäre die Gemeinnützigkeit verlieren, müsste sie wesentlich höhere Steuern zahlen. Von der Pressekonferenz fuhren Rossbrey und Romen direkt weiter zur Sitzung des Sozialausschusses des Frankfurter Stadtparlaments. Dort wollten sie bei den Kommunalpolitikern um Vertrauen werben.

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