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Zu Zweitliga-Zeiten war das FSV-Stadion noch gut besucht. Inzwischen hat sich der teure Umbau als fragwürdige Investition erwiesen.

Sportstätte

Millionengrab Bornheimer Hang - Steuerzahler muss Verluste ausgleichen

Rund 30 Millionen Euro hat sich die Stadt den Stadionbau für den FSV Frankfurt kosten lassen. Der Fußballverein sollte einen guten Teil davon als Pacht zurückzahlen. Doch dann kam der sportliche und wirtschaftliche Abstieg. Um den Verein zu retten, macht der Magistrat nun großzügige Zugeständnisse - zulasten des Steuerzahlers.

Frankfurt - Eine stattliche städtische Investition erweist sich immer mehr als Milchmädchenrechnung. Das Stadion des Bornheimer Traditionsvereins FSV Frankfurt wurde bis 2012 für insgesamt mehr als 30 Millionen Euro um- und teilweise neugebaut. Zur Rechtfertigung dieser schon damals umstrittenen Investition hieß es, der Verein zahle einen Großteil der Summe langfristig wieder zurück. Das Stadion am Bornheimer Hang blieb im Eigentum der Stadt, der FSV (beziehungsweise dessen Fußball GmbH) wurde Pächter. Doch von den ursprünglich vereinbarten Pachtzahlungen ist inzwischen keine Rede mehr. Wegen der sportlichen und wirtschaftlichen Krise des Vereins macht die Stadt dem FSV nun großzügige Zugeständnisse. Das gesamte Ausmaß der finanziellen Einbußen hält Sportdezernent Markus Frank (CDU) vor der Öffentlichkeit allerdings geheim.

Bornheimer Hang: Politische Ränkespiele

Für Frank ist die Lage vertrackt. Innerhalb der Kommunalpolitik waren die Millionen-Investitionen in das FSV-Stadion ein jahrelanges Streitthema. Der Sportdezernent warnte damals vor unkalkulierbaren Risiken. Durchsetzen konnte er sich nicht.

Das städtische Bauprojekt war begleitet von vielen politischen Diskussionen, Ränkespielen hinter den Kulissen und einigen überraschenden Wendungen, die den Umbau verzögerten und vor allem verteuerten. Ursprünglich sollte die in Jahre gekommene Arena, die noch mit einer Laufbahn für die Leichtathleten ausgestattet war, für knapp zehn Millionen Euro umgebaut werden.

Das war im Jahr 2005, als die Fraktionen im Frankfurter Römer sich erstmals mit diesem Thema beschäftigten. Die Fußballer des FSV Frankfurt, die in dem städtischen Stadion vor im Schnitt 300 bis 400 Zuschauern ihre Heimspiele austrugen, fristeten damals noch ein eher tristes Dasein in der viertklassigen Oberliga Hessen. Deshalb sollte das Stadion nach dem Umbau allerhöchstens dem notwendigen Standard für die drittklassige Regionalliga genügen. Aber dann gelang dem Verein ein unerwarteter Erfolg: Dem FSV Frankfurt war im Mai 2008 der Durchmarsch aus der Oberliga in die Zweite Bundesliga gelungen. Mit dieser Sensation begannen allerdings auch die Probleme. Die zwischen 2007 und 2009 umgebaute Arena mit etwas mehr als 10 000 Zuschauern genügte nicht den Anforderungen, um im Bundesliga-Unterhaus zu spielen. Der FSV, der seine erste Zweitligasaison noch in der großen WM-Arena im Frankfurter Stadtwald austrug und im Sommer 2009 nach Bornheim zurückkehrte, spielte fortan nur mit einer Sondergenehmigung in seinem Stadion, das für reichlich kommunalen Zündstoff sorgte. Die Parteien fanden einfach keinen Konsens, wie und wann weiter umgebaut werden soll und was es vor allem kosten darf.

Bornheimer Hang: Streit um Haupttribüne

Bernd Reisig, der damalige Geschäftsführer der FSV Frankfurt Fußball GmbH und mächtige Mann am Bornheimer Hang, forderte schließlich die radikale Lösung mit dem Abriss und Neubau der maroden Haupttribüne. Dagegen wehrte sich vor allem Markus Frank, der als neuer Sportdezernent der große Gegenspieler Reisigs wurde. Am Ende des schlagzeilenträchtigen Disputs warf Reisig entnervt das Handtuch und trat beim FSV zurück. Aber dann wurde die Haupttribüne doch abgerissen, neu erbaut und am 24. November 2012 offiziell eingeweiht. Mittlerweile waren die Gesamtkosten auf fast 30 Millionen angestiegen, knapp sechs Monate nach Fertigstellung des Stadions am Bornheimer Hang stieg der FSV Frankfurt nach acht Jahren in der Zweiten Liga ab.

Im April 2017 meldete der mittlerweile in die Drittklassigkeit abgerutschte Club Insolvenz an und stieg in die Regionalliga Südwest ab. Das Insolvenzverfahren ist inzwischen abgeschlossen. Der Verein versucht einen Neustart. Damit dieser gelingen kann, wurde neu über die Pacht verhandelt. Die Stadt verzichtet einmalig auf 200 000 Euro. Das gab Stadtrat Frank diese Woche bekannt. Ab kommender Spielsaison soll der Verein jährlich "eine Pacht in knapp sechsstelliger Höhe" zahlen, sagt Clarissa Böckl, Geschäftsführerin der städtischen Stadiongesellschaft. Die genaue Summe nennt sie trotz Nachfrage allerdings nicht. Auch zur Höhe der bisherigen und ursprünglich vereinbarten Zahlungen gibt es keinerlei Auskunft. Dies seien "vertrauliche Vertragsinhalte", sagt Böckl. Für die Steuern zahlende Öffentlichkeit bleibt der Deal damit intransparent.

VON DANIEL GRÄBER

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