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Auch das Museum Angewandte Kunst, das derzeit „House of Norway“ zeigt, kann mit dem erhöhten Ankaufsetat Objekte erwerben.

Kultur

Frankfurt: Millionen für die Museen

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Die Stadt Frankfurt baut in den Museen das Personal, die Digitalisierung und die Provenienzforschung aus. Die Häuser erhalten wieder einen Etat für Ankäufe.

Mit einem Millionenprogramm will die Stadt Frankfurt ihre Museen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts rüsten, wie Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sagt. Insgesamt 2,6 Millionen Euro mehr jedes Jahr gibt es für die 16 Häuser. Außerdem schafft die Kommune zwölf neue Stellen. Die Direktorinnen und Direktoren klagen seit Jahren über zu wenig Personal und eine zu geringe personelle Ausstattung.

Erstmals seit 2004 stellt die Stadt wieder einen Etat für Ankäufe bereit. 600 000 Euro umfasst dieser Posten. Weitere 400 000 Euro stehen künftig jährlich für die Programme der Kulturinstitute bereit. Mit 300 000 Euro zusätzlich soll die Digitalisierung vorangetrieben werden. Und 1,3 Millionen Euro mobilisiert die Kommune, um die gestiegenen Betriebskosten aufzufangen.

Im Einzelnen profitieren das Institut für Stadtgeschichte, das Archäologische Museum, das Museum für Moderne Kunst mit seinen beiden Dependancen im Alten Hauptzollamt und im Taunusturm, das Deutsche Architekturmuseum, das Museum Weltkulturen, das Jüdische Museum mit der Dependance im Museum Judengasse, das Historische Museum, das Museum Angewandte Kunst (MAK) mit dem angegliederten Ikonenmuseum, der Hindemithturm, das Caricatura, das Junge Museum und das Porzellanmuseum.

Mehr als bisher sollen die Häuser „Orte der gesellschaftlichen Debatte und Auseinandersetzung“ (Hartwig) werden. Die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen reagiert damit auf „die Hetze der neuen und alten Rechten“, sagte die Kulturdezernentin. Diese müsse „entlarvt“ werden.

Nicht nur Vertreter rechter Parteien stellten Ausstellungen infrage, sagte der Direktor des Museums Angewandte Kunst (MAK), Matthias Wagner K. Er war insbesondere wegen der Schau im MAK über „Contemporary Muslim Fashion“ angefeindet worden. Wagner K. nahm explizit Bezug auf die Landtagswahl in Thüringen, bei der die AfD fast 25 Prozent erreicht hatte. „Museen müssen zur Aufklärung beitragen“, sagte der Kurator. Bereits seit 2018 hat das Museum für Moderne Kunst (MMK) einen eigenen Ankaufsetat in Höhe von 500 000 Euro im Jahr erhalten. Jetzt werden auch alle anderen städtischen Häuser einbezogen.

Die Kulturdezernentin würdigte die städtischen Museen als enormen Wirtschaftsfaktor. Sie trügen erheblich dazu bei, dass der Tourismus in Frankfurt erheblich wachse.

Kein Museum soll sich mit Raubkunst schmücken

Die Stadt möchte aber auch die Provenienzforschung in den Museen der Kommune stärken, das heißt die Untersuchung der Herkunft einzelner Ausstellungsstücke. Die Kulturdezernentin formulierte ein ehrgeiziges Ziel: „Kein Frankfurter Museum soll sich in Zukunft noch mit Raubkunst schmücken.“

In vielen deutschen Museen existierten noch Gegenstände, „die jüdischen Eigentümern abgepresst und gestohlen wurden“.

Jan Gerchow, der Direktor des Historischen Museums, machte unmissverständlich klar: „Für diese Grundlagenarbeit haben wir nicht genug Personal.“ Die Vermittlung des „deutschen historischen Erbes“ bleibe eine besondere Herausforderung. Dabei gehe es um die Geschichte des Nationalsozialismus, aber auch des deutschen Kolonialismus. Gerchow kündigte für die zweite Hälfte des Jahres 2020 eine Ausstellung über Rassismus im Historischen Museum an.

Die Stadt will schließlich die Digitalisierung in ihren Museen entscheidend erweitern. Die Direktorin des Jüdischen Museums, Mirjam Wenzel, sprach von der zunehmenden Bedeutung der sozialen Medien für die Museen. Im Internet könne ein erhebliches zusätzliches Publikum erschlossen werden.

Die Literaturwissenschaftlerin hatte bereits in den Jahren 2007 bis 2015 die Digitalisierung des Jüdischen Museums in Berlin erheblich ausgebaut. Das Jüdische Museum in Frankfurt, das 2020 nach Sanierung und Ausbau neu eröffnet werden soll, setzt stark auf das Digitale.

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