Antifa Demonstration Berlin
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Diskussionen um den Nahostkonflikt und um Antisemitismus von links gehören zu den Klassikern der Szene (Symbolbild).

Frankfurts linke Szene

Nach israelfeindlichen Parolen in Frankfurt: „Migrantifa“ übt Selbstkritik

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Am 3. Oktober wurden auf einer Demonstration in Frankfurt des Bündnisses „Migrantifa Hessen“ israelfeindliche Parolen skandiert. Nun übt die Gruppe Selbstkritik.

Frankfurt – Zwei Wochen, nachdem bei einer Demonstration zur Solidarität mit Flüchtlingen in der Frankfurter Innenstadt israelfeindliche Parolen skandiert wurden, hat das Bündnis „Migrantifa Hessen“ öffentlich um Verzeihung gebeten. Jüdische Perspektiven seien im Vorfeld der Demo nicht gehört worden, heißt es in einer am Freitagabend veröffentlichten Erklärung. „Wo jüdisches Leben existiert, muss es geschützt und bewahrt werden. Dazu gehört auch das unverhandelbare Existenzrecht Israels als Schutzraum und Zufluchtsort jüdischer Menschen auf der ganzen Welt.“

Man stelle sich gegen jede Unterdrückung und sei solidarisch mit Palästinenserinnen und Palästinensern, so das Bündnis. Es sei jedoch „unentschuldbar“, dass niemand eingeschritten sei, als es auf der Demonstration zu antisemitischen Äußerungen gekommen sei. „Hierfür müssen wir Verantwortung übernehmen und unsere politische Praxis grundlegend reflektieren“, so Migrantifa Hessen. Um sich mit der eigenen Haltung zum Nahostkonflikt und zum Antisemitismus auseinanderzusetzen, werde man sich vorerst aus der öffentlichen politischen Arbeit zurückziehen.

Migrantifa Hessen: Israelfeindliche Parolen auf Demo in Frankfurt - Kritik und Distanzierungen

Migrantifa Hessen“ und die antirassistische Gruppe „Black Power Frankfurt“ hatten am 3. Oktober unter dem Motto „Moria befreien“ zu einer Demonstration gegen die Zustände in den griechischen Flüchtlingslagern aufgerufen. An dem Protestzug hatten sich bis zu 180 Menschen beteiligt, darunter viele Anhänger der antizionistischen Gruppe „Free Palestine FFM“. Eine Aktivistin dieser Gruppe hatte während der Demo eine Rede gehalten, in der Israel als „Unterdrücker“ bezeichnet worden war und die mit dem Worten „Yallah Intifada“ endete, also etwa „Auf geht’s zur Intifada“. Im weiteren Verlauf war immer wieder die Parole „Palestine will be free – from the River to the Sea“ skandiert worden, die oft als Aufruf verstanden wird, den Staat Israel zu zerschlagen.

Im Nachgang der Demonstration hatten sich mehrere beteiligte Gruppen, etwa die „Fridays for Future Frankfurt“, „Copwatch“ und das Netzwerk „Seebrücke Frankfurt“, deutlich vom Verlauf des Protests distanziert. Der Vorstand der Frankfurter Jüdischen Gemeinde und Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU), der zugleich Antisemitismusbeauftragter des Landes Hessen ist, hatten die Demonstration scharf kritisiert. In der Frankfurter linken Szene war eine Debatte um Antisemitismus von links entbrannt.

Die Gruppe „Free Palestine FFM“ hat unterdessen jegliche Kritik von sich gewiesen und die Demo als „gelungen“ bezeichnet.

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