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Mieter im Frankfurter Westend leben in Angst

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Mieter im Frankfurter Westend leben in Angst

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Im Westend wird ein Paar von unliebsamen Besuch und Nachbarn terrorisiert. Die Eigentümerin kommt nicht mehr in ihre Wohnung. Die Polizei ermittelt.

  • Einem Mieter wird im Frankfurter Westend ins Gesicht geschlagen
  • Der Geruch von Drogen liegt in der Luft
  • Eine Räumungsklage gegen einen Untermieter läuft
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Frankfurt - Ihr Leben im Frankfurter Westend hatten sich Sina und Nasir ganz anders vorgestellt. Das Paar war Ende 2019 von Berlin nach Frankfurt gekommen, im Mai 2020 fanden sie eine Wohnung im südlichen Westend. Die 1400 Euro Miete sind dank Nasirs Job als Unternehmensberater kein Problem. Doch Probleme sollte es bald geben. Die elektrischen Rollläden der Nachbarwohnung waren dauerhaft heruntergelassen, hingen schief in der Führung und waren provisorisch geschient, und es gingen da komische Leute ein und aus.

Frankfurter Westend: Polizei rückt immer wieder aus

„Der erste Eindruck sollte leider nicht täuschen“, erinnert sich Sina vier Monate später. Bald kam der Verdacht auf, dass aus der Nachbarwohnung heraus Drogen verkauft werden. Vor allem nachts ist viel Betrieb, Türen werden laut zugeschlagen, es gibt hitzige Diskussionen. Der Geruch von Drogen liegt in der Luft, tagsüber jault ein Kampfhund, der in der Wohnung gehalten wird. Sina und Nasir sind geschockt, sie alarmieren mehrmals die Polizei. Die rückt auch immer an, die Besucher des Nachbarn fliehen dann über die Terrasse. Polizei, Hausverwaltung und Tierschutzverein sagen den beiden unisono: Da kann man wenig machen.

Die Situation spitzt sich zu, als nebenan eine offenbar drogenabhängige Frau einzieht. Der Nachbar sagt Sina und Nasir, er gewähre ihr Schutz vor dem Ex-Freund. Der taucht bald darauf auf und haut nachts mit einer Eisenstange gegen die stählernen Rollläden, um hineinzugelangen. Das junge Paar, beide 24, ist abermals geschockt und verständigt die Polizei. Das bekommt der Eisenstangenbesitzer irgendwie mit und drangsaliert fortan das Paar. Einmal bekommt er Nasir zu fassen, schlägt ihm ins Gesicht und versucht ihn mit einem Fahrradschloss zu attackieren. Die Polizei rückt an und rät den beiden zu einem Tierabwehrspray. Ohne das gehen beiden nun nicht mehr aus dem Haus, nachts steht es griffbereit am Bett. Nasir kann das alles nicht fassen: „Wir sind doch hier im Westend und nicht in Kapstadt.“

Wohnung im Westend für ein Jahr untervermietet

Ähnlich fassungslos ist auch die Vermieterin des unliebsamen Nachbarn mit dem fragwürdigen Bekanntenkreis. Die Frankfurter Unternehmerin hatte ihre möblierte Wohnung im Frühjahr 2019 wegen eines Aufenthalts in Indien über einen Makler für ein Jahr untervermietet. Der Mieter zahlte die Miete für ein Jahr im Voraus. Doch zum vereinbarten Zeitpunkt Anfang April war er einfach nicht ausgezogen.

Stattdessen bekam die 70-Jährige einen Anruf von der Mainova, für die Wohnung sei seit Monaten die Stromrechnung nicht bezahlt, der Saft längst abgedreht. Strom zapft ihr Untermieter wohl bei den Nachbarn im Keller ab. Die Vermieterin legte sich abends auf die Lauer, um das Treiben in ihrer Wohnung zu beobachten. Hinein und an ihre Sachen kommt sie nicht. Die Räumungsklage läuft, doch der Gerichtstermin ist erst Ende Oktober. Die gebürtige Engländerin ist fassungslos, dass so etwas in Deutschland möglich ist.

Ermittlungen gegen Mieter im Frankfurter Westend laufen

Bei der Polizei ist sowohl der Mieter als auch dessen gewalttätiger Besucher, ein 26-Jähriger, bekannt. Für das Haus in der Niedenau seien bereits mehrere Polizeieinsätze dokumentiert, die Ermittlungen liefen, heißt es seitens der Polizei. Sina lobt die Beamten, die regelmäßig vom Revier aus der Schlossstraße herbeieilten, ausdrücklich für deren Einsatz. „Ihnen sind aber wohl die Hände gebunden“, sagt Sina. Es scheint, als würde das Martyrium im Westend noch bis mindestens Ende Oktober weitergehen.

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