Karsten Quirin auf dem Wochenmarkt am Dornbusch.
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Karsten Quirin auf dem Wochenmarkt am Dornbusch.

Familienunternehmen

„Landmetzgerei Quirin“ ist Frankfurts letzter Schlachter

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Das Familienunternehmen Quirin macht vom Futteranbau bis zum Vertrieb noch alles selbst. Damit ist es der letzte Schlachter in Frankfurt.

  • Familienbetrieb Quirin aus Frankfurt betreibt eine Metzgerei, die noch selbst schlachtet.
  • Im Zuge des Tönnies-Skandals werden Forderungen nach regionalen Schlachthöfen laut.
  • Standbein der Metzgerei auf dem Wochenmarkt.

Karsten Quirin ist in Frankfurt einer der letzten einer scheinbar aussterbenden Zunft: Der Metzgermeister schlachtet noch selbst. Quirins Vater Alfred begann 1968 im Stadtteil Harheim mit der Schweinezucht. Sohn Karsten übernahm die Geschäfte 2013, der 71-jährige Senior hilft aber noch heute im Familienbetrieb mit. Das Credo der Quirins: alles aus einer Hand.

Auf 34 Hektar wird das Futter für die Schweine angebaut, hauptsächlich Gerste und Weizen. Die Quirins haben ein eigenes Schlachthaus, dazu eine Kessel- und Räucheranlage. Seit der Schließung des Frankfurter Schlachthofs Anfang der 90er Jahre verarbeitet der Harheimer Betrieb nur noch Schweine aus eigener Schlachtung.

Befragt man Karsten Quirin nach seiner Meinung zur derzeitigen politischen Diskussion im Tönnies-Skandal, ist der 42-Jährige kaum noch zu bremsen: „Das ist alles hausgemacht, Frankfurt war Selbstversorger.“ Besonders auf die Grünen ist er nicht gut zu sprechen, die einst erst für die Schließung des Schlachthofs gewesen seien, um dann Unterschriften gegen die langen Transportwege des Schlachtviehs zu sammeln.

Metzgermeister Quirin: Wochenmarkt als Standbein

Die „Landmetzgerei Quirin“ baut nicht nur das Futter für ihre Schweine an und schlachtet selbst. Auch der Vertrieb wird von dem Familienunternehmen komplett selbst abgewickelt. Auf ein eigenes Ladengeschäft hat die Familie dabei nie gesetzt. Zu groß sei die Konkurrenz im eigenen Stadtteil gewesen. „Als wir angefangen haben, gab es drei Metzger in Harheim, heute ist es noch einer und der hat auch die Hälfte der Woche zu“, so Quirin.

So setzte seine Familie stark auf die Wochenmärkte und hat heute noch Stände auf dem Schillermarkt in der Innenstadt und auf dem Wochenmarkt am Dornbusch. Dazu gibt es donnerstags und samstags einen Hofverkauf in der heimischen Korffstraße.

Die Quirins waren vor 30 Jahren auch Gründungsmitglied des Wochenmarkts auf der Konstablerwache, doch als der Chef vor zwei Jahren gesundheitlich etwas kürzer treten musste, wurde der Stand aufgegeben. „Man findet keine Verkäuferinnen mehr, das Handwerk geht unter“, klagt Quirin. Dazu komme, dass die Auflagen immer strenger würden und viel Arbeit mit sich brächten. „Wenn ich vier Stunden im Schlachthof arbeite, muss ich danach vier Stunden im Büro arbeiten, um das zu dokumentieren. Man kriegt die Lust genommen.“

Metzgerei, die selbst schlachtet: teurer als die anderen

Zu den Hochzeiten vor etwa zehn Jahren hatten die Quirins 350 Schweine, bis zu 15 wurden in der Woche geschlachtet. Heute sind es noch fünf bis sechs in der Woche - bei Tönnies sollen es 24 000 am Tag sein.

Über die Zustände dort kann Quirin nur lachen. „Bei uns hat jeder eine eigene Zwei-Meter-Bank.“ Aber er räumt ein: „Wir sind etwas teurer als die anderen.“ Doch ein Kundenstamm von etwa 500 Leuten sei bereit, die Preise zu zahlen. Jetzt im Sommer seien vor allem die Bratwürste gefragt. Rund ein Dutzend verschiedene Sorten bieten sie an. Im Winter sind dann wieder Hausmacher-Spezialitäten von Leberwurst über Presskopf bis Blutwurst gefragt.

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