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Michael Schmidt behandelt schwerstabhängige Drogensüchtige ohne Krankenversicherung und substituiert sie.
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Michael Schmidt behandelt schwerstabhängige Drogensüchtige ohne Krankenversicherung und substituiert sie.

Suchthilfe

Frankfurt: Methadon auch ohne Krankenschein

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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Zwei Ärzte in Frankfurt behandeln Drogenabhängige, die keine Krankenversicherung haben. Laut dem Drogenreferat soll das Projekt verfestigt werden.

Der Weg in Michael Schmidts Praxis im Drogennotdienst in der Elbestraße führt durch das Treppenhaus, vorbei am Konsumraum, in den ersten Stock. Hinter der mit einem grünen Kreuz versehenen Tür sitzt Schmidt in seiner Praxis. Dort können sich in der humanitären Sprechstunde seit Anfang des Jahres Drogenabhängige ohne Krankenversicherung behandeln lassen – ebenso bei David Lang von der Malteser-Suchthilfe in der Drogenhilfeeinrichtung Eastside.

Insgesamt stehen 30 Plätze bereit, 20 bei Schmidt, 10 bei Lang. Freie Plätze gibt es derzeit keine. Die medizinische Hilfe und das Suchthilfeangebot mit Ersatzstoffen wie Methadon für Konsumierende ohne Krankenversicherung hatte der Verwaltungsstab befristet als Nothilfe während der Corona-Pandemie bewilligt. Das Projekt soll laut dem Drogenreferat verfestigt werden.

Schmidt ist ein alter Hase in der Suchthilfe. Er kennt die Drogenszene seit 20 Jahren und war als Streetworker im Bahnhofsviertel unterwegs. Die humanitäre Sprechstunde hält er „für eine gute Sache“. Ein Wundermittel sei sie nicht. „Ich weiß, dass wir nicht die Lösung des Problems sind. Wir sind auch nur ein Pfeil im Köcher. Die Sprechstunde ist ein Baustein, um auf den Weg zurückzugelangen, auf dem wir vor Corona waren“, sagt Schmidt.

Damit Drogenkranke ohne Krankenschein in seine Praxis kommen, ist er auch auf die Sozialarbeiter:innen von Ossip angewiesen. Sie sprechen die Konsument:innen auf der Straße an und versuchen sie in die Konsumräume zu verweisen – und eben auch zu Schmidt. „Ohne die Beziehungsarbeit von Ossip hätte ich weniger Patienten“, sagt er.

Zu seinen Patient:innen zählen Süchtige aus anderen EU-Ländern ohne gesetzlichen Anspruch auf Hilfe, dazu kommen Abhängige ohne Aufenthaltstitel, Geflüchtete, aber auch Anspruchsberechtigte, die seit Jahrzehnten in der Szene leben und sich nie um eine Krankenversicherung gekümmert haben.

Warum die humanitäre Sprechstunde ein wichtiger Baustein der Suchthilfe ist, zeigt auch die Liste der Krankheiten von Schmidts Patient:innen: Hepatitis C, Diabetes, COPD, Bluthochdruck, HIV. „Da sind starke Raucher und Trinker dabei. Bluthochdruck und Kokain vertragen sich nicht gut. Ich sage ihnen auch, dass sie mit dem Rauchen aufhören sollen. Darüber lachen sie“, berichtet Schmidt.

Respekt ist wichtig

Etwa 80 Drogenabhängige ohne Versicherungsschutz haben die Substitutionsärzte Schmidt und Lang nach Angaben der Stadt bislang durch das niedrigschwellige Behandlungsangebot erreicht. Manche entschieden sich für eine Substitution, andere ließen sich einfach nur eine Zeit lang medizinisch versorgen. „Es ist wichtig, eine gute Beziehung zu ihnen aufzubauen und sie im Rahmen dessen, was möglich ist, zu behandeln“, erklärt Schmidt. Was er damit meint, lässt sich an zwei Beispielen festmachen. Vor kurzem erst hat der Allgemeinmediziner einen HIV-Infizierten zu einem Kardiologen geschickt. Dort könne er nun eine Therapie machen, bezahlt von der Stadt, sagt Schmidt. Bei einer Hepatitis-C-Therapie sehe das anders aus. „Die Kosten dafür liegen im fünfstelligen Bereich.“

Einfach sei die Arbeit mit Drogenkranken nicht – „als junger Arzt hätte ich das nicht gemacht“. Auch wenn die Behandlungen mitunter schwierig sind, eines sei ihm besonders wichtig: Respekt. „Ich sieze meine Patienten. Ich möchte ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht Menschen zweiter Klasse sind.“

Manche Hilfesuchende entscheiden sich für eine Substitution.

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