Polizei Frankfurt im nächtlichen Einsatz
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In der Silvesternacht 2020 wurde die Frankfurter Polizei unter anderem zum Velvet Club gerufen (Symbolbild).

Versuchter Mord

Messerstecherei an Silvester: Versuchter Mord am Türsteher

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Hüseyin S. soll in der Silvesternacht mehrere Türsteher mit einem Klappmesser niedergestochen haben. Jetzt muss er sich wegen versuchten Mordes vor der Jugendkammer verantworten.

  • In der Silvesternacht verletzt ein 19-Jähriger vor dem Frankfurter Club Velvet drei Türsteher lebensgefährlich.
  • Die Jugendkammer des Landgerichts Frankfurt eröffnet nun den Prozess wegen dreifachen versuchten Mords.
  • Die Sicherheitskameras des Frankfurter Clubs sollen in der Silvesternacht ausgefallen sein.

Frankfurt – Die Ehre des Hüseyin S. ist unantastbar. Dies ist wohl zumindest die Rechtsauffassung von Hüseyin S. und wegen der muss sich der 19-Jährige seit Mittwoch vor der Jugendkammer des Landgerichts wegen dreifachen versuchten Mords und einfacher gefährlicher Körperverletzung verantworten.

In der Silvesternacht auf 2020, so die Anklage, hätte sich vor dem Frankfurter Velvet Club in der Weißfrauenstraße eine lange Schlange von Feierwilligen gebildet. Als Hüseyin S. und sein Bruder gegen 2.45 Uhr dort eintrafen, machte sie offenbar niemand in der Schlange darauf aufmerksam, dass man sich nach alter Väter Sitte eigentlich an deren Ende anstellt. Die beiden marschierten also an der Schlange vorbei bis zur Tür, wo die Türsteher sie womöglich davon in Kenntnis setzten, dass die vielen Menschen nicht der schönen Aussicht und des milden Klimas wegen vor der Tür stünden.

Versuchter Mord vor Frankfurter Club: Klappmesser in der Silvesternacht gezückt

Wie dem auch sei: Es kam jedenfalls zum Streit. Hüseyin S. wertete den Hinweis laut Staatsanwaltschaft als Respektlosigkeit und Angriff auf seine Ehre. Um der Gerechtigkeit genüge zu tun, zückte er ein Klappmesser mit einer Klingenlänge von sieben Zentimetern und rammte es einem der Türsteher, der bis dahin noch nicht in den Disput verwickelt gewesen war, in die rechte Seite des Brustkorbs. Auch einem zweiten Türsteher stieß er sein Messer in die Brust, einem dritten Mitarbeiter in den Oberschenkel.

Der Einzige, der nicht lebensgefährlich verletzt wurde, war ein vierter Türsteher, den Hüseyin S. angriff, nachdem er seinen Bruder in einem Handgemenge zu Boden gerungen hatte. Resultat jener Silvesternacht: vier Schwerverletzte, nämlich die Türsteher, und zwei Ehrverletzte, nämlich die Gebrüder S.

Prozessbeginn nach versuchtem Mord vor Frankfurter Club: Angeklagter schweigt zur Silvesternacht

Vielleicht hallt die Kränkung immer noch nach, jedenfalls will sich der Angeklagte weder zu seiner Person noch zu der Anklage äußern. Auch die verletzten Türsteher hatten in ihren ersten Vernehmungen durch die Polizei mit äußerst vornehmer Zurückhaltung ausgesagt und dies mit angeblichen Bedrohungen seitens der Familie S. erklärt.

Bei der Aufklärung des Sachverhalts kann die Kammer nicht auf die ansonsten üblichen Aufzeichnungen der Sicherheitskameras an den Clubtüren zurückgreifen – die Kamera des Velvet hatte angeblich just in jener Silvesternacht den Geist aufgegeben. Stattdessen muss das Gericht auf die Aufnahmen der Kamera eines benachbarten Dönerladens zurückgreifen: Es sind Bilder von überschaubarer Qualität. Der 8. Großen Jugendkammer des Landgerichts bleibt zur Wahrheitsfindung noch Zeit: Bislang sind zehn Verhandlungstage bis Ende November terminiert.

Wegen gemeinschaftlichen Totschlags verurteilte das Frankfurter Landgericht im vergangenen Jahr drei Türsteher des mittlerweile geschlossnenen Clubs U60311 zu mehrjährigen Haftstrafen.

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