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Leise rieselt der Nieselregen und diese Neujahrsnacht dürfte nicht nur den hier Abgebildeten in Erinnerung bleiben. Rolf Oeser
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Leise rieselt der Nieselregen und diese Neujahrsnacht dürfte nicht nur den hier Abgebildeten in Erinnerung bleiben.

Jahreswechsel

Menschenleere City

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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In der Silvesternacht präsentiert sich zumindest die Innenstadt in fast schon gespenstischer Verlassenheit. Wenn da nicht die Polizei wäre.

Die Mitternacht zog näher schon; In stiller Ruh’ lag Babylon.“ So beginnt Heinrich Heine seinen „Belsazar“, und man muss sagen, dass sich Frankfurt in dieser Silvesternacht offensichtlich Babylon als Vorbild genommen hat.

Kurz nach 23 Uhr gewinnt man jedenfalls den Eindruck, als sei man nicht in der Frankfurter Innenstadt, sondern aus Versehen in einer Dystopie gelandet. Niemals zuvor hat man die City so menschenleer gesehen. An der Konstablerwache warten ein paar traurige Dealer vergebens auf Laufkundschaft und wünschten sich wohl, sie hätten ihr Portfolio um Böller und Raketen erweitert. Andererseits ist es vielleicht gut, dass sie das nicht haben, denn immerhin haben sich einige Polizisten auf der Konstabler postiert und überwachen mit Argusaugen die strikte Einhaltung des Knallkörperverbots.

Auf dem Opernplatz, einst ein beliebter Treffpunkt der „Party- und Eventszene“, beträgt das Verhältnis von Staatsbürgern mit zu Staatsbürgern ohne Uniform etwa fünf zu eins. Ein paar Flaneure machen Fotos vom erleuchteten Brunnen vor menschenleerem Platz – ein einmaliges Motiv, für das man sich in normalen Zeiten wohl wochenlang auf die Lauer legen müsste.

Auch auf dem Römerberg ist Bertl, der Weihnachtsbaum, der einzige, der ein bisschen Feuerwerk macht. Die Polizei ist ebenfalls vor Ort, aus einem Mannschaftswagen ertönt die Lautsprecherdurchsage: „Das Virus ist unter uns!“, was natürlich bedrohlich klingt, aber auch ein wenig poetisch. Fast erwartet man, dass noch ein „Wehe uns! Bewahrt das Feuer und das Licht!“ folgt. Tut es aber nicht.

Menschen beobachten vom Lohrberg, dem Frankfurter Hausberg, aus das kleine Silvesterfeuerwerk.

Holbeinsteg und Eiserner Steg sind in dieser Nacht gesperrt, aber auf der Alten Brücke haben sich ein paar Schaulustige postiert. Sie wahren ausreichend Sicherheitsabstand, tragen größtenteils Masken und glotzen Richtung Innenstadt. Was sie da zu sehen hoffen, ist fragwürdig, vielleicht handelt es sich aber auch bloß um Liebhaber von Wolkenkratzern im Nieselregen. Feuerwerk jedenfalls ist, wenn überhaupt, woanders. Gegen Mitternacht zünden, explodieren zwar doch ein paar Böller, und vor allem am Deutschherrnufer brennen ein paar Renegaten etliche Pyro-Batterien ab, aber alles kein Vergleich zu sonst, und nach einer knappen Viertelstunde ist auch dieser Spuk vorbei. In den vergangenen Jahren war hier eher Kriegsgebiet als Partyzone, aber dieser Jahreswechsel bietet ein ungewohntes Bild der Harmonie. Kurz nach Mitternacht wünscht die Besatzung eines Streifenwagens per Lautsprecher allen Anwesenden ein „frohes, glückliches und vor allem coronafreies 2021“ und erntet dafür Szenenapplaus statt Flaschenwürfe. Fast könnte man sich an diese Art Silvester gewöhnen.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Kurz nach Mitternacht etwa wird die Polizei von Anwohnern zum Fünffingerplatz in Bornheim gerufen, weil dort geböllert wird wie blöde. Und in den sozialen Netzwerken beschweren sich einige Bewohner der Nordweststadt, dass offenbar die Vernunft Einzug in Frankfurt gehalten, dabei aber wohl die Nordweststadt vergessen habe. Aber alles kein Vergleich zu den Vorjahren, und am Ende nimmt diese Silvesternacht dann doch ein versöhnliches Ende und niemand kommt ernsthaft zu Schaden. Und das ist mehr, als man von „Belsazar“ behaupten kann.

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