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Frankfurt: Menschenkette gegen den Krieg

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Ganz schön lang, die Kette aus Schüler:innen und Lehrkräften in Sachsenhausen. Christoph Boeckheler (2)
Ganz schön lang, die Kette aus Schüler:innen und Lehrkräften in Sachsenhausen. Christoph Boeckheler (2) © christoph boeckheler*

Frankfurter Jugendliche setzen ein Zeichen gegen Putin. Es herrscht große Sorge vor einem Atomkrieg und Falschinformationen.

Es dauert eine Weile, bis sich die verstreuten Grüppchen zu einer durchgehenden Kette formiert haben und alle ihren Platz auf dem Gehweg oder auf den Grünstreifen finden. Doch einmal aufgereiht, lassen Sprechchöre und Gesänge der Schüler:innen der integrierten Gesamtschule (IGS) Süd und der Carl-Schurz-Schule am Freitagvormittag nicht lange auf sich warten: „We want peace“ und „Denkt an die Kinder“ schallt es lautstark durch Sachsenhausen. Schüler:innen und Lehrkräfte der beiden Schulen haben sich versammelt, um ein Zeichen gegen Putin und seinen Krieg in der Ukraine zu setzen. Ihre Menschenkette führt einmal um beide Schulgebäude herum und vereint alle Stufen von der fünften bis zur zwölften Klasse.

Die Frustration der jungen Generation über die Erwachsenen, die das mit dem Frieden wieder mal nicht auf die Reihe kriegen, ist bei vielen Teilnehmer:innen spürbar. Die Achtklässlerinnen Safira und Laura haben ein selbst gebasteltes Schild dabei, auf dem sie ein Ende aller Kriege fordern: „Wir wollen keinen Krieg. Wir Kinder wissen, dass Krieg einfach keinen Sinn ergibt. Die Ewachsenen sollten damit aufhören“, sagt Safira. Laura erklärt, dass man nicht vergessen dürfe, dass es auch in anderen Ländern Krieg gebe. Deshalb hat sie neben der ukrainischen Flagge auch noch einige andere Nationalflaggen auf ihr Plakat gemalt, zum Beispiel die von Syrien.

Drei Fünftklässlerinnen der IGS sorgen sich vor allem um die Kinder in der Ukraine, die den Krieg dort miterleben müssen oder auf der Flucht seien. Julia erzählt von einer ukrainischen Familie in ihrer Nachbarschaft, die noch Verwandte in den Kriegsgebieten habe: „Sie haben uns davon erzählt, was da im Moment passiert. Das macht mir schon ein bisschen Angst.“ Ihre Freundin Eleni fürchtet sich vor allem vor russischen Atombomben: „Ich habe gehört, dass es in Russland eine Bombe gibt, die die halbe Welt zerstören kann. Das wäre dann bestimmt auch für uns in Deutschland gefährlich.“

Nachrichten genau verfolgt

Auch aus den höheren Jahrgangsstufen sind viele gekommen. Eine Gruppe aus der zwölften Klasse der Carl-Schurz-Schule steht mit Plakaten in den ukrainischen Nationalfarben in der Menschenkette. Um sich persönlich machen sie sich wenig Sorgen, berichten die jungen Frauen. „Aber so ein ‚Was wäre, wenn ...‘ kommt mir schon manchmal in den Sinn“, gesteht Melissa. Im PoWi-Leistungskurs sei der Krieg gerade das beherrschende Thema. Aber auch außerhalb des Unterrichts verfolgen die Schüler:innen das Geschehen genau: „Am Anfang habe ich die Nachrichten zusammen mit meinem Vater total akribisch verfolgt“, erzählt Simran, die ebenfalls in die zwölfte Klasse geht. „Aber irgendwann wurde mir das zu viel und ich musste mich da ein bisschen rausziehen.“

Über die sozialen Netzwerke bekomme man automatisch viel mit. Doch hier mahnen die Zwölftklässlerinnen zur Vorsicht: „In den sozialen Medien muss man immer aufpassen, da sind viele Fake News unterwegs“, beklagt Paula. Ihre eigenen Feeds seien voll von unbestätigten Meldungen und Propaganda. „Man muss das immer sehr genau nachlesen, ob eine Information wirklich aus einer seriösen Quelle stammt“, sagt sie. Auf Instagram gebe es viele Bilder aus anderen Kriegen, die im Kontext der Ukraine-Krise benutzt werden, um falsche oder ungesicherte Informationen zu verbreiten. „Ich warte einfach immer ein bisschen ab, wenn ich etwas sehe, bei dem ich unsicher bin. Das sind oft sehr große Neuigkeiten und ich glaube das immer erst, wenn auch seriöse Medien darüber berichtet haben“, erklärt die Zwölftklässlerin.

Um immer auf dem Laufenden zu sein, schaut William aus der achten Klasse der Carl-Schurz-Schule jeden Abend mit seinen Eltern die Tagesschau. Auch im Unterricht hat seine Klasse sich mit dem Krieg beschäftigt. Mit der Demonstration will er ein Zeichen setzen: „Wir wollen Putin zeigen, dass wir dagegen sind. Wir sind auf der Seite der Ukraine.“ Sein Freund Alex fügt hinzu: „Mir ist es auch ganz wichtig, dass die Menschen in der Ukraine sehen, dass wir sie nicht vergessen. Wir wollen ihnen Mut machen.“

Unterstützung bekommen die Schüler:innen von Menschen auf umliegenden Balkonen, die der Menschenkette applaudieren. Auch der Aufforderung auf dem Plakat einer Schülerin, für den Frieden zu hupen, kommen viele Autofahrer:innen, die in der Gartenstraße an der Menschenkette vorbeifahren, gerne nach. Ein ausdauerndes Hupkonzert begleitet die Sprechchöre der Schüler:innen. Nach etwa einer halben Stunde kehren die jungen Demonstrierenden wieder in ihre Klassenzimmer zurück – zufrieden, dass sie ein Zeichen setzen konnten.

Viele hatten sich mit Schildern und Transparenten ausgestattet.
Viele hatten sich mit Schildern und Transparenten ausgestattet. © christoph boeckheler*

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