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Studieren in Frankfurt: Hochschulen auf Wachstumskurs

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Von: George Grodensky

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Hinter dem ehemaligen IG-Farben-Haus ist ein schmucker Campus gewachsen.
Das frühere IG-Farben-Haus im Frankfurter Westend ist heute das Hauptgebäude der Goethe-Universität. © Renate Hoyer

Kaum eine Hochschule hat ihr Gesicht so verändert wie die Goethe-Uni. Frankfurter Hochschulen sind insgesamt auf Wachstumskurs.

Von wegen Bankenstadt, Frankfurt ist die City der Baukräne. Allenthalben lugen sie in die Höhe, helfen den Menschen, das Gesicht ihrer Stadt fortlaufend zu verändern. Natürlich geht die immense Bautätigkeit an den Hochschulen nicht vorüber. Im Gegenteil. Auch Forschung und Lehre umgibt der Klang des Fortschritts: Baulärm.

Kaum eine Hochschule Europas hat dabei so gründlich ihren Standort umgewandelt wie die Goethe-Universität. Rund eine Milliarde Euro hat das Land seit den späten 90ern in Steine investiert, weitere Millionensummen sollen noch fließen. Grundlage des Wandels ist die bahnbrechende Entscheidung gewesen, den ehrwürdigen Campus Bockenheim der Uni in das ehemalige Gebäude der IG-Farben im Westend zu verpflanzen.

Frankfurts Goethe Universität: Das Hauptgebäude ist auch ein Mahnmal

Das war bis 1995 europäisches Hauptquartier der US Armee. Nach der Deutschen Wiedervereinigung zogen die Amerikaner größtenteils ab, das imposante Gebäude wurde frei. Die Suche nach einer Nachmieterin gestaltete sich schwierig. Städtebaubeirat und Frankfurts damaliger OB Andreas von Schöler (SPD) brachten die Europäische Zentralbank ins Spiel, aber die lehnte ab – wegen der Verstrickung der IG-Farben in der NS-Zeit (Zwangsarbeiter, Konzentrationslager, Zyklon B).

Besagte Vergangenheit verhinderte auch eine Umnutzung als Polizeipräsidium. Schließlich machte die Uni das Rennen, wobei der Vorstoß des damaligen Universitätspräsidenten Werner Meißner zunächst als „Schnapsidee“ durchgefallen war. Denn auch innerhalb der Hochschule gab es Stimmen, die den Standort als unpassend empfanden. Immerhin hatte sich die Uni in der NS-Zeit auch nicht gerade vorbildlich dem Widerstand angeschlossen. Im Gegenteil: Gut ein Drittel der Professorinnen und Professoren waren jüdisch und mussten die Hochschule verlassen, wie noch einige politisch unliebsame Kräfte. Zahlreiche Studierende wurden zwangsexmatrikuliert. Wie sollte da ein Umzug ausgerechnet ins IG-Farben-Haus angehen? Der Disput drohte die Hochschulgemeinde zu zerreißen. Zumal zahlreiche Stimmen sich im Sinne eines Neuanfangs dafür ausgesprochen hatten, das Gebäude nur nach seinem Architekten Hans Poelzig zu rufen. Auf regen Protest der Studierenden hin behielt die Uni den Namen IG-Farben-Haus bei und nutzt den geschichtsträchtigen Ort auch als Gedenkort und Mahnmal.

Frankfurter Universität: Nicht alle Studierenden sind restlos begeistert

Von 1998 bis 2001 wurde saniert und umgebaut, schließlich zogen als erste die Geisteswissenschaften von Bockenheim ins Westend. Das ehemalige Offizierscasino wurde zur Mensa. In der Folge entstanden im Gebiet zwischen IG-Farben-Haus und Miquelallee nach und nach weitere Gebäude: für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, die Gesellschaftswissenschaften, die Hochschulverwaltung. Den Campus zieren das House of Finance, ein Hörsaalzentrum und, ganz frisch eröffnet, ein imposanter Bau für die Sprach- und Kulturwissenschaften. Architektonisch folgen die Neubauten dabei weitgehend dem Äußeren des Farbenhauses.

Die Präsident:innen der Uni, auch die Stadt- oder Landespolitik werden nicht müde, den Campus zu preisen. Einzigartig in Europa sei der, reihte sich jüngst Hessens Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) in die Schar ein. Bei aller Begeisterung über herrschaftliche Bauten, Fassaden aus Naturstein und tolle Grünzüge: Nicht alle Studierenden sind restlos begeistert.

Die Serie

Wie lebt es sich in Frankfurt? Dieser Frage geht die FR in der Serie „Frankfurt – meine Stadt“ bis zum 3. Dezember nach. Zu Wort kommen junge und alte Menschen, Familien und Geringverdienende. In Interviews, Porträts und Reportagen zeichnen wir ein Bild ihrer Stadt.

In den kommenden Tagen werden wir uns dem Start ins Erwachsenendasein widmen, schauen, wie Azubis in Frankfurt leben, aber auch nochmal bei den Studierenden nachhaken. Was steht es um die Themen Geld und Wohnen? Feiern die jungen Menschen eigentlich noch? Oder ist alles zu teuer und zu traurig (Krieg, Klimawandel)?

Vor allem der Allgemeine Studierendenausschuss wird nicht müde zu betonen, dass Freiräume fehlen, in denen die Studierenden sich selbst verwaltet organisieren können. Das Studierendenhaus steht ja noch auf dem Campus Bockenheim. Das sei einmalig in Deutschland mit seinem überbordenden Raumangebot, lobt der Asta. Partykeller, Café, Festsaal, unzählige Arbeitsräume und Büros. Irgendwann soll es auch auf den Campus Westend ziehen. Spatenstich für den Neubau ist wohl im Februar/März.

Die Frankfurter Universität ist verteilt auf fünf Standorte

So lang heißt es noch: ausharren in Bockenheim. Wo noch Reste der Hochschule zu finden sind wie etwa die Unibibliothek oder die Mathematik und Informatik. Damit verteilt sich die Goethe-Uni auf fünf Standorte in der Stadt. Immerhin ist die Goethe eine Volluni, bietet fast alles an, was man studieren kann. Nur eben nicht an einem Fleck. Zu Bockenheim und Westend gesellen sich der Campus Niederrad. Was manche unter Uniklinik subsumieren, sind mehr als 60 Gebäude, 950 Ärzt:innen, Wissenschaftler:innen, 1300 Pflegekräfte.

Am Campus Riedberg sind Naturwissenschaften zu finden: Pharmazie, Biochemie, Chemie, Geowissenschaften und andere;. Am Campus Ginnheim trainieren und lernen die Studierenden der Sportwissenschaften, und es gibt das Zentrum für Hochschulsport, mit Fitness-Angeboten für die ganze Hochschulgemeinde.

Frankfurt University of Applied Sciences: Die frühere Fachhochschule startet eine Runderneuerung

Auch die Frankfurt University of Applied Sciences am Nibelungenplatz im Frankfurter Nordend ist im Wandel. Im Herzen der Stadt gelegen, wird der Platz langsam eng. Rund 15 000 Studierende sind es inzwischen. 2014 waren es noch 11 500. Die Lösung: die alten Bauten abtragen und durch neue, größere ersetzen. Just im September hat die Hochschule ein neues Seminar- und Mehrzweckgebäude eröffnet. Mit einer Halle für den Sport. Es ist der Auftakt zur Runderneuerung der Hochschule, weitere Baustellen werden folgen.

Ohnehin wollen die Hochschulen sichtbarer werden in der Stadt. Dafür planen sie ja auch die sogenannte Campusmeile entlang des Alleenrings. Dort geben sich die Goethe-Universität , die private Hochschule Frankfurt School of Finance and Management (mit 3000 Studierenden klar auf Wachstumskurs) und die Frankfurt University die Klinke in die Hand. Dazu kommt noch die Deutsche Nationalbibliothek. In der Theorie wollen die Institutionen entlang dieser Meile nach dem Vorbild des Museumsufers zusammenrücken, deutlicher machen, dass Frankfurt Bildungsstadt ist. Nicht Bankenstadt. Oder Baukranhausen.

Mehr zum Studieren in Frankfurt finden Sie in diesem Überblick zu den Frankfurter Hochschulen. Und was sagen Studierende zu ihrem Studium und der Stadt?

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