Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wohnen im vertikalen Wald: Mailand.
+
Wohnen im vertikalen Wald: Mailand.

Klimaschutz

Mein Nachbar, der Baum

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
    schließen

Was Dach-und Fassadengrün in der Stadt Frankfurt alles kann, zeigt eine Ausstellung im Architekturmuseum. Bauplaner sollen in mancher Hinsicht umdenken.

Spinnen und Heuschrecken sollen schon Tickets für die Ausstellung vorbestellt haben, sobald die Museen wieder öffnen. Auch bei Schmetterlingen und Wildbienen steht Grünzeug an Hauswänden hoch im Kurs. Und Vögel singen ein Loblied auf grüne Dächer: Da kommt kein Hund und kein Fuchs hin.

Aber nicht nur für Tiere wäre eine begrünte Stadt ein Segen – das beweist die Ausstellung „Einfach Grün“, die am heutigen Freitagabend im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt eröffnet wird. Sie zeige, sagt Museumsdirektor Peter Cachola Schmal, „wie einfach es ist, wenn man die Natur machen lässt“. Das sei zwar nicht das, was Architekten normalerweise gerne tun. „Aber wir müssen umdenken. Es geht darum, den Planeten zu retten.“

„Baumhaus“ von Ot Hoffmann in Darmstadt.

Mit Dachgrün? Ja. Im Klimawandel möglichst viel Grün in die Stadt zu bringen, sei ein zentrales Thema, sagt Umweltamtsleiter Peter Dommermuth, der eng in die Planung der Schau involviert war. Der Überhitzung der Stadt zu begegnen, die Biodiversität zu stärken, Luft rein und Lärm rauszuhalten: „Das alles wird durch Grün an Gebäuden unterstützt.“

Um drei bis fünf Grad könnten Pflanzen an Häusern die Temperatur in der City senken, sagt Kurator Rudi Scheuermann, in heißen Hochhausgegenden sogar um zehn Grad. Hilde Strobl, die die Ausstellung mit ihm gemeinsam konzipierte, ermutigt: „Alles, was woanders wächst, wächst auch an Dächern und Fassaden.“

DIE AUSSTELLUNG

„Einfach Grün – Greening the City“ heißt die Schau im Deutschen Architekturmuseum, die am heutigen Freitagabend eröffnet wird und dann bis zum 11. Juli zu sehen ist; zunächst nur digital: www.einfach-gruen.jetzt Die Kooperation mit der Forschungsabteilung des Internationalen Planungs- und Beratungsbüros Arup „Green Building Envelopes“ und dem Umweltamt Frankfurt widmet sich Vorteilen und Herausforderungen urbanen Grüns an Häusern, auf Dächern, im Bestand und an Neubauten.

Außer einem Fichtenwald vielleicht. Obwohl, Bäume auf Häusern – ein bewährtes Konzept, wie die Ausstellung zeigt. Demnach gewährte der Künstler Friedensreich Hundertwasser den Bäumen sogar ein Teilhaberecht an Wohnungen. Er ersann den Begriff des „Baummieters“, dem der menschliche Mieter freiwillig einen Teil des Raumes abgibt, den er der Natur zuvor weggenommen hat. Bäume seien „ein Geschenk des Hauses an die Außenwelt, für die Menschen, die am Haus vorbeigehen“. Die Miete zahle der Baummieter – und sicher auch die Baummieterin – mit „wahren Werten“ zurück, sagte Hundertwasser: mit Sauerstoff sowie mit Lärm- und Feinstaubabsorption.

Es gibt viel zu lernen in der Ausstellung und im dicken Begleitbuch. Dass Dachgrün in Jordanien schon um 300 vor Christus beliebt war, bald auch in der Türkei, in Italien und Spanien. Dass Islands Grassodendächer seit dem 18. Jahrhundert Wettern trotzen.

Aber heute? Greift der Bewuchs nicht die Bausubstanz an? „Mit der richtigen Auswahl: nein“, sagt Dommermuth. Die Schau wirbt, Grünzeug schütze Häuser vielmehr vor Hagelschlag, Sturm, Extremtemperaturen, Ultraviolett- und Infrarotstrahlung. „Die Lebensdauer der Dachabdichtung verlängert sich um 10 bis 20 Jahre.“ Die Ausstellung gibt viel praktische Hilfe. Etwa zur Pflanzenkunde (Efeu, klar, aber auch Trompetenwinde, Strahlengriffel, Klettererdbeere wollen bei uns wohnen), zur Rechtslage (was dürfen Mieter, ohne zu fragen? Etwa Pflanzsäcke, Tröge und Töpfe aufstellen) und zum Aufbau der Begrünung (ist gut kombinierbar mit Sonnenkollektoren).

Stadthaus M1 in Freiburg.

Gezeigt werden tolle Beispiele aus aller Welt, was Stadtgrün gestalterisch leistet – es ist ja eine Ausstellung im Architekturmuseum. Apropos: Müssen wir anders bauen, um Grün zu erleichtern? Mehr Lagen und Schichten statt glatter Wände seien hilfreich, sagt Scheuermann. Die Architektursprache werde etwas zurückgedrängt, wenn Pflanzen das Erscheinungsbild bestimmten. Auch hier gelte die Devise: vom Grün her denken.

Das Museum hat den Gedanken verinnerlicht und jede Menge lebendes Grün installiert. Schade, dass es momentan nicht direkt zu sehen ist. Aber die Schau geht bis zum 11. Juli. Schon ab Samstag gibt es online einen Film, Interviews und einige der von Bürger:innen eingereichten Projekte zu sehen. Weitere Bewerbungen sind willkommen. Alles dazu und der Link zur digitalen Eröffnung am heutigen Freutag, 18 Uhr, unter www.einfach-gruen.jetzt. Die Grün-Förderrichtlinien der Stadt im Programm „Frankfurt frischt auf“: frankfurt.de/klimabonus

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare