Naturschutz

Mehr Wildnis erwünscht

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Die „Biozahl“ 2020 des Umweltnetzwerks BioFrankfurt lautet 0,6. Sie soll möglichst schnell wachsen, dann hätte die Natur mehr davon.

Jedes Jahr benennt das Umweltnetzwerk Bio-Frankfurt eine Biozahl. 2019 war es eine sehr große: 7 800 000 000. So viele Menschen lebten zum Jahreswechsel auf der Welt. Logisch, dass der Platz auf dem Erdball immer knapper wird, den der Mensch für die Natur übrig lässt. Folgerichtig, dass die Biozahl in diesem Jahr sehr klein ist: 0,6 Prozent der Fläche der Bundesrepublik Deutschland gehören noch der Wildnis.

Ziel verfehlt

Eigentlich sollten es wenigstens zwei Prozent sein – das Ziel für 2020 hatte die Bundesregierung selbst gesteckt in der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ im Land. Erreicht hat sie es nicht, sehr zum Bedauern der Naturschutzverbände. Sie setzen darauf, der Wildnis wieder mehr Platz zu geben, um sich in Ruhe zu entwickeln. Solche Zonen könnten helfen, die Folgen des Klimawandels zu mildern. Sie könnten extreme Wetterereignisse wie Hitze und Unwetter abpuffern, indem sie etwa Kühlgebiete schaffen, Versickerungsflächen bieten und Kohlendioxid binden.

Mindestens 1000 Hektar zusammenhängende Fläche braucht es sinnvollerweise für ein Wildnisgebiet. Dort sollen sich Forst- und Landwirtschaft zurückziehen, keine Infrastruktur soll mehr vorhanden sein.

Im waldreichen Hessen sind mittlerweile 31 900 Hektar für die befreite Natur reserviert. Das größte dieser Wildnisgebiete liegt im Wispertaunus. Die weltweit im Naturschutz tätige Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) betreut dort ein Projekt in Zusammenarbeit mit den Kommunen und Waldbesitzern. Es geht darum, ob bestehende Naturwaldflächen erweitert und vernetzt werden können. Die ZGF koordiniert auch die Initiative „Wildnis in Deutschland“ mit vielen weiteren Akteuren auf dem Weg zum Zwei-Prozent-Ziel. Und sie ist Mitglied im Netzwerk Bio-Frankfurt – so schließt sich der Kreis.

In den Wildniszonen lasse sich enorm viel über die Natur und für unsere Zukunft lernen, erwarten die Befürworter. Ein wenig Werbung dafür macht auch das Projekt „Städte wagen Wildnis“, an dem sich Frankfurt mit dem Monte Scherbelino und dem Bonameser Nordpark beteiligt, wenn auch mit deutlich weniger als 1000 Hektar. Aber: „Wer die Wildnis im Kleinen vor der eigenen Haustür zu schätzen weiß, entwickelt hierdurch womöglich ein schärferes Bewusstsein und eine erhöhte Sensibilität hinsichtlich der großen Wildnisgebiete in Deutschland“, erläutert Pia Ditscher von Bio-Frankfurt. Das trage dazu bei, den Schutz von Wildnis weltweit zu stärken.

Mehr dazu: www.biofrankfurt.de

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