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Mobilität in Frankfurt: Mehr Radverkehr im Westen

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Von: Florian Leclerc

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Die Königsteiner Straße in Höchst. So sieht es auf dem Radweg mitunter aus.
Die Königsteiner Straße in Höchst – so sieht es auf Radweg mitunter aus. © Peter Jülich

Im Frankfurter Westen sollen rund 150 Kilometer Radwege entstehen. Das gilt für Höchst, Griesheim, Nied, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach und Zeilsheim.

Frankfurt – Im Frankfurter Westen sollen knapp 150 Kilometer Radwege entstehen. Das geht aus einem Radverkehrskonzept her, welches das Mobilitätsdezernat nun vorgestellt hat. Der Ortsbeirat 6 soll im Januar informiert werden. Das Konzept widmet sich den Stadtteilen Höchst, Griesheim, Nied, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach und Zeilsheim.

Das exakt 149 Kilometer lange Radnetz ist in zwei Ebenen unterteilt. Ein Radhauptnetz, 83 Kilometer lang, soll die westlichen Stadtteile untereinander sowie mit der Innenstadt und den Nachbarkommunen verbinden. Das Radhauptnetz soll entlang der Hauptstraßen verlaufen. In der Regel strebt die Stadt eine separate Radverkehrsführung an, also getrennte Wege für den Fuß- Rad- und Autoverkehr. Mischverkehr, Schutzstreifen und gemeinsame Geh- und Radwege sollen die Ausnahme bleiben. Idealerweise sollen die Radwege 2,6 Meter breit sein, damit sich auch Lastenräder überholen können.

Radverkehr in Frankfurt: Die Stadtteile kleinteilig erschließen

Das Radnebennetz, 66 Kilometer lang, soll die Stadtteile kleinteilig erschließen. Die Straßen des Radnebennetzes sind demnach oft in Tempo-30-Zonen, wo Fahrräder im Mischverkehr mit Autos fahren können. Wo es möglich ist, werden Radwege und -streifen angestrebt, die 2,3 Meter breit sind. Der Fußverkehr soll keine Flächen verlieren. Falls nötig, sollen Parkplätze und Fahrspuren reduziert werden.

Die Stadt hat das Radverkehrskonzept im Frühjahr 2021 in Auftrag gegeben. Erstellt hat es das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen aus Aachen. Das Büro hat Steckbriefe für 40 große Projekte ausgearbeitet. Für zehn Verkehrsknoten liegen Vorschläge zur Umgestaltung vor.

Eine Bestandsaufnahme hat demnach ergeben: Bislang gebe es im Frankfurter Westen zwar auf mehr als 80 Prozent der Straßen entweder eine Radverkehrsführung oder sie sei nicht erforderlich, weil die Wege frei von Kraftfahrzeugen seien oder diese höchstens 30 Stundenkilometer fahren dürften. Allerdings seien die Radwege und Radspuren häufig zu schmal oder hätten andere Mängel. „Lediglich 45 Prozent des Gesamtnetzes entsprechen den angestrebten Qualitätsstandards“, heißt es. Rund 21 Prozent des Netzes bestünden aus ungesicherten Stellen oder Netzlücken. Auf neun Prozent des Netzes gebe es bei Tempo 50 überhaupt keine Radverkehrsführung. „Hier besteht hoher Handlungsbedarf“, so das Mobilitätsdezernat.

Zuckschwerdtstraße: Auf der zweispurigen Einbahnstraße in Höchst soll eine der beiden Spuren zugunsten eines 2,3 Meter breiten Radwegs in Gegenrichtung wegfallen. In Fahrtrichtung sollen Räder im Mischverkehr mitfahren. Das Tempo wird von derzeit 50 auf 30 Stundenkilometer gesenkt.

Bolongarostraße: Um Türöffnungsunfälle (englisch: Dooring) auf der Straße in Höchst zu verhindern, soll eine Auto-Fahrspur von 4,2 Meter auf 3,25 Meter verringert werden. Auf der anderen Straßenseite würden Parkplätze wegfallen. Durch den gewonnenen Platz ließen sich der Geh- und Radweg verbreitern und ein Sicherheitsabstand zur Fahrbahn einrichten.

Kurmainzer Straße: Auf dem Abschnitt zwischen Auerstraße und Palleskestraße und Höchst soll der vorhandene Radstreifen breiter werden. In Gegenrichtung ist ein geschützter Radstreifen geplant, damit Schulen besser erreichbar werden. Um Platz zu schaffen, müssten Parkplätze wegfallen.

Gebeschusstraße: Auf der Einbahnstraße in Höchst sollen Fahrräder im Mischverkehr mitfahren, das Tempo soll von 50 auf 30 Stundenkilometer sinken. In der Gegenrichtung ist eine Markierung für den Radverkehr geplant. Dafür müssten Parkplätze wegfallen.

Oeserstraße: Auf dem Abschnitt, der durch den Niedwald führt, will die Stadt die Straße um einen halben Meter verbreitern. Der Autoverkehr hätte danach 5,5 Meter Platz. Der Radverkehr hätte jeweils zwei Meter Platz: auf einem geschützten Radfahrstreifen in einer Richtung und in Gegenrichtung auf einem Schutzstreifen. Bislang gibt es lediglich einen Schutzstreifen mit geringer Breite. fle

Mobilität in Frankfurt: „Die Infrastruktur für Radverkehr entspricht nicht den Erfordernissen“

Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) hielt fest: „Die Infrastruktur für Radverkehr in den westlichen Stadtteilen entspricht nicht mehr den heutigen Erfordernissen.“ Die Stadt habe sich in den letzten Jahren punktuell um Verbesserungen bemüht. Was aber gefehlt habe, sei ein Gesamtplan mit hohen Qualitätsanforderungen und Prioritäten. „Das vorliegende Radverkehrskonzept erfüllt diese Aufgabe und versetzt uns in die Lage, die Fahrradstadt Frankfurt auch im Westen systematisch zu entwickeln“, sagte er.

Der geplante Radschnellweg zwischen Frankfurt und Wiesbaden (FRM3) soll Teil der Planung werden. Zwar liege die Machbarkeitsstudie des Regionalverbands noch nicht vor. Eine Streckenführung entlang der S-Bahn-Strecke würde aber berücksichtigt. In die Analyse sind den Angaben zufolge Daten von Verkehrsunfällen und Streckenbefahrungen eingegangen. Weitere Kriterien seien: möglichst wenige Umwege, die Erreichbarkeit vieler Ziele auf einer Strecke, gute Beleuchtung und soziale Kontrolle.

Das Konzept beschreibe selbst keine detaillierten Planungen. Planung, Bau und Priorisierung der einzelnen Maßnahmen seien Aufgabe des Mobilitätsdezernats und der zuständigen Ämter, so das Mobilitätsdezernat. Wünsche aus den Stadtteilen würden im Gespräch mit dem zuständigen Ortsbeirat berücksichtigt. (Florian Leclerc)

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