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Frankfurter Bahnhofsviertel: Polizei zieht Bilanz zu mehr Präsenz vor Ort

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Von: Oliver Teutsch

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Die Polizei hat ihren Personaleinsatz in der Problemgegend erhöht und hofft nun auf die Hilfe der Stadt. Längere Öffnungszeiten des Nachtcafés gewünscht.

Frankfurt – Etwa 25 Raubdelikte und 40 Taschendiebstähle wöchentlich, so sah die verheerende Bilanz für das Bahnhofsviertel in diesem Sommer aus. „Das hat uns zutiefst beunruhigt“, berichtet Christoph Bosecker, Leiter der Einsatz- und Ermittlungseinheit REE im Bahnhofsviertel. Um den Auswüchsen zu begegnen, hat die Polizei seit Mitte September ihren Personaleinsatz in Frankfurts Problemzone nochmals deutlich erhöht, unter anderem mit großer Unterstützung der hessischen Bereitschaftspolizei. Am Mittwoch nun präsentierte die Frankfurter Polizei erste Ergebnisse dieser zusätzlichen Maßnahmen.

Demnach wurden bei den Kontrollen 418 Strafanzeigen gestellt und 86 Ordnungswidrigkeiten registriert. 78 Personen wurden vorläufig festgenommen, 42 Haftbefehle vollstreckt. Alleine 268 Strafanzeigen gab es im Zusammenhang mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die Erfolge seien nur auf die zusätzlichen Maßnahmen zurückzuführen, die Zahlen des vierten Reviers seien da nicht eingerechnet, betonte die Polizei

Mehr Polizei im Bahnhofsviertel Frankfurt schafft eine „greifbare Präsenz“

Über die nackten Zahlen hinaus scheint die erhöhte Präsenz im Viertel aber gut anzukommen, wie Alexander Zochowski, der zweite Vorsitzende des Gewerbevereins Bahnhofsviertel, berichtet: „Es tut sich was, das ist ein gutes Signal.“ Vor allem eine verstärkte Anwesenheit von Streifen, die zu Fuß im Viertel unterwegs seien, werde wahrgenommen. „Das schafft eine greifbare Präsenz“, so Zochowski.

Ein Polizeiauto, wie hier in der Moselstraße, schafft im Bahnhofsviertel zumindest schon mal subjektive Sicherheit. Michael Schick
Ein Polizeiauto, wie hier in der Moselstraße, schafft im Bahnhofsviertel zumindest schon mal subjektive Sicherheit. © Michael Schick

Die Polizei hat vor, die verstärkten Maßnahmen bis zum Jahresende aufrechtzuerhalten. Zochowski, Mit-Betreiber eines Kiosks am Wiesenhüttenplatz, hat ein bisschen Sorge vor dem Abzug der zusätzlichen Polizei. „Es muss konstant dabei bleiben“, fordert der Geschäftsmann, räumt dann aber ein, dass es „in letzter Instanz ein absolut politisches Thema“ sei.

Bahnhofsviertel Frankfurt: Mehr Angebote für Drogensüchtige gefordert

Auch die Polizei ist der Ansicht, dass die Stadt im Bahnhofsviertel etwas mehr tun müsste. Zwar beeilte sich Sicherheitsdezernentin Annette Rinn (FDP) am Mittwoch zu versichern, dass auch die Stadtpolizei ihre Präsenz „trotz extrem knapper Personalressourcen insgesamt deutlich erhöht“ habe, doch zusätzliche Ordnungskräfte helfen ja nicht allen Menschen im Bahnhofsgebiet.

Bei einem Ortstermin am Dienstagabend lungern vor der Moselstraße 47 rund zwei Dutzend Menschen herum. Sie warten auf die Öffnung des Nachtcafés, um sich dort auszuruhen. Die Hilfeeinrichtung des Frankfurter Vereins hatte während der Pandemie auch tagsüber geöffnet. Anfang Juli hat die Stadt als Träger des Frankfurter Vereins das erweiterte Angebot wieder zurückgefahren. Aus Kostengründen. Die Polizei wünscht sich, dass das Angebot wieder ausgeweitet wird. „Wenn hier jetzt 50 Menschen von der Straße wären, sähe es schon ganz anders aus“, so ein Polizeisprecher.

An Christine Heinrichs, als Bereichsleiterin zuständig für das Nachtcafé, soll es nicht liegen. Sie hält eine Erweiterung der Öffnungszeiten für „fachlich geboten“, denn: „Ein großes Aufenthaltsangebot im Bahnhofsviertel gibt es ja nicht.“ Für die Finanzierung eines erweiterten Angebots sei aber nun mal die Stadt und das Drogenreferat zuständig. Derzeit sei das Nachtcafé „personell auf Kante genäht“. Vier Mitarbeitende pro Schicht müssen den Ansturm von bis zu 150 Personen bewältigen. Von Menschen, die teilweise orientierungslos und nicht ansprechbar seien. Menschen, die durch tagelangen Crack-Konsum teilweise ihren Tag-Nacht-Rythmus verloren haben.

Weitere Hilfe im Frankfurter Bahnhofsviertel nötig

Die Wünsche der Polizei haben sich auch schon bis ins zuständige Gesundheitsdezernat herumgesprochen. „Wir sind da ganz viel am Arbeiten, um die Situation auf der Straße zu entlasten“, verspricht Rerefentin Kirsten Gerstner. Bei kurzfristigen Maßnahmen spiele das Nachtcafé eine wichtige Rolle. „Es geht aber auch um weiterführende Hilfe“, betont Gerstner. Es reiche nicht aus, den drogenkranken Menschen nur einen Aufenthaltsraum zu bieten. Die große Frage sei, wie die Menschen bewegt werden könnten. „Wir haben ja Hilfe da, aber sie wird nicht angenommen“, so Gerstner. Zusätzliche Lösungsvorschläge erhofft sich die Stadt auch von dem kürzlich abgehaltenen Crack-Gipfel. Derzeit sei eine Expertengruppe dabei, Handlungsempfehlungen weiterzuentwickeln.

Um das Bahnhofsviertel zu befrieden, hält die Polizei zudem eine Waffenverbotszone für angebracht. Wie viele Waffen bei den Kontrollen in den vergangenen Wochen registriert wurden, teilte die Polizei am Mittwoch noch nicht mit. (Oliver Teutsch)

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