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In Zukunft dürfen bei den Bühnen mehr Plätze besetzt werden.

Kultur

Mehr Menschen dürfen ins Theater

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Im Kampf gegen Corona genehmigt Frankfurt eine neue Sitzordnung und ermöglicht so 40 Prozent Platzauslastung.

Es ist eine wichtige Entscheidung im Kampf gegen die Corona-Pandemie: Die Stadt hat eine höhere Auslastung beim Besuch der Städtischen Bühnen erlaubt. Wie Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) sagte, wurde ein Antrag der Bühnen genehmigt, die Säle von Oper und Schauspiel künftig nach dem sogenannten „Schachbrettmuster“ zu besetzen. Das heißt: Neben einem Platz muss in Zukunft rechts und links ein Sitz frei bleiben, auch dahinter und davor jeweils einer. Bisher mussten ganze Reihen frei bleiben. Wie Schauspiel-Sprecherin Sandra Strahonja erklärte, wächst damit die Sitzplatz-Kapazität von bisher 25 Prozent auf rund 40 Prozent.

Majer machte deutlich, dass dieses Modell auf alle öffentlichen und privaten Theater in Frankfurt übertragen werden kann, wenn entsprechende Anträge bei der Stadt eingereicht werden. Ein Antrag des Konzerthauses Alte Oper liege bereits vor. Allerdings wird diese Verbesserung mit einer Einschränkung erkauft. Die Besucherinnen und Besucher müssen auch während der Vorstellung eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Bisher musste die Maske nur angelegt werden, bis der jeweilige Sitzplatz erreicht war, und konnte danach abgenommen werden.

Der Gesundheitsdezernent betonte im Gespräch mit der FR, dass die Genehmigung der Stadt jederzeit widerrufen werden könne, wenn sich die Fallzahlen bei Corona signifikant erhöhten. „Wenn sich Menschen nicht an die Vorschriften halten und es entstehen neue Hotspots, dann ist die neue Freiheit wieder weg.“

Der Hilfsfonds

Für den Notfallfonds der Stadt für freie Kulturgruppen sind bisher 108 Anträge auf finanzielle Unterstützung eingereicht worden. 103 davon wurden laut Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) genehmigt.

Zuschüsse gab es unter anderem für Musikveranstaltungen, CDs und Schallplatten, aber auch ein Künstlerbuch und eine Online-Ausstellung.

Ein Viertel des Geldes floss für die darstellenden Künste.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) zeigte sich „sehr froh mit dem neuen Sachstand“. Die Theater würden damit beim Kampf gegen Corona endlich mit der Gastronomie gleichgestellt, was sie bereits seit geraumer Zeit fordere. Auch für die kleinen Theater in Frankfurt sei das eine gute Nachricht.

Schauspiel-Sprecherin Strahonja sagte, es müssten jetzt neue Saalpläne für die Häuser geschaffen werden. Im Großen Haus des Schauspiels gelte es, weiter die ersten beiden Reihen freizuhalten, um so den nötigen Abstand zum Geschehen auf der Bühne zu gewährleisten. Sie schätzte, dass von den 670 Plätzen im Großen Haus jetzt 40 Prozent statt bisher 25 Prozent in Anspruch genommen werden könnten. Die Auslastung der wenigen Sitze sei bisher sehr gut gewesen, gezeigt wird eine Inszenierung von Shakespeares „Wie es Euch gefällt“. Die neue Regelung werde vermutlich erst im November umgesetzt werden können, da die Vorbereitungen umfangreich seien und auch der Betriebsrat der Städtischen Bühnen GmbH noch zustimmen müsse.

Räume schwer zu finden

Strahonja zeigte sich überzeugt, dass der Besuch des Schauspiels mit den neuen Sitzmöglichkeiten weiter zunehmen werde. „Die Nachfrage ist in jedem Fall da.“

Kulturdezernentin Hartwig sagte zur Lage der freien Theater in Frankfurt, es sei für sie schwierig, geeignete Räume zu finden, in denen die Corona-Abstandsregeln eingehalten werden könnten. „Hier setze ich auch auf die Zusammenarbeit der Häuser untereinander.“ Sie verwies auf die Möglichkeit, dass die freien Theater finanzielle Unterstützung des Bundes und des Landes in Anspruch nehmen können. Der Notfallfonds des Kulturdezernats sei durch Spenden insbesondere von Stiftungen von ursprünglich 200 000 Euro auf jetzt 300 000 Euro gewachsen. Mehr als die Hälfte des Geldes habe man bereits ausgezahlt, es verblieben gegenwärtig noch 116 000 Euro.

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