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Frankfurt: Mehr Kleingärten für die Stadt

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Von: Kathrin Rosendorff

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Kleingärten sind ein beliebter Ort zum Entspannen, aber die Wartelisten in Frankfurt sind lang.
Kleingärten sind ein beliebter Ort zum Entspannen, aber die Wartelisten in Frankfurt sind lang. © Peter Jülich

30 Hektar potenzielle Fläche für Neuanlagen und Ersatz für Kleingärten sollen noch in Frankfurt möglich sein. Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) stellt das Kleingartenentwicklungskonzept (KEK) vor.

Kleingärten gehören immer mehr zur Lebensqualität in der Großstadt. Das betont die Frankfurter Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) gleich zu Beginn, bevor die Folien zum Kleingartenentwicklungskonzept (KEK) am Donnerstag im Palmengarten präsentiert werden. Die Wartelisten für Kleingärten in Frankfurt sind lang, die Stadt wächst, Kleingärten müssen Bauprojekten weichen und umziehen. „Immerhin gibt es 30 Hektar an möglichen Flächen für Kleingärten“, sagt Heilig. Eine Liste, wo diese potenziellen Flächen für Neuanlagen und Ersatz sein könnten, wird nicht veröffentlicht, das sei noch zu früh. Das Kleingartenentwicklungskonzept (KEK) sollte am Donnerstagabend im Umweltausschuss vorgestellt werden.

„Es ist ein Konzept zu Erhalt und Weiterentwicklung von Kleingärten“, sagt Heilig. Das KEK ist das Ergebnis der 2017 vom Magistrat geforderten Entwicklungsperspektiven für Kleingärten. Ein wichtiger Punkt ist die Dokumentation der Istsituation: In Frankfurt gibt es auf 558 Hektar Fläche etwa 15 000 Kleingärten und nahezu so viele Freizeitgärten (526 Hektar). Im Unterschied zu Kleingärten müssen Freizeitflächen nicht mit Gemüse und Obst bebaut werden, sind meist in privatem Besitz, und es gibt auch kein Anrecht auf Ersatzflächen, wenn sie Bauten weichen müssen.

66 Prozent der Kleingärten sind im städtischen Besitz, und sie machen 2,3 Prozent der Stadtfläche und 4,6 Prozent der Freifläche aus. Doch die Verteilung ist sehr ungleich: „Es gibt sehr gut versorgte Stadtteile wie Bockenheim, die dann den Kleingartenbedarf für Stadtteile wie Westend, Gallus und Dornbusch mitversorgen müssen“, sagt Heinz-Peter Westphal vom Grünflächenamt.

Unter der Leitung des Grünflächenamts waren auch die Dachverbände Stadtgruppe Frankfurt der Kleingärten, der Regionalverband Kleingärtner Frankfurt, der Verein der Bahn-Landwirtschaft und der Landesverband Hessen am Konzept beteiligt. Ziel sei die Etablierung eines runden Tisches für die Akteur:innen im Kleingartenwesen: Da soll es auch um Themen gehen wie Bewässerung in Zeiten des Klimawandels, Reduzierung von Müll, Öffnung der Kleingärten für die Öffentlichkeit, aber eben auch darum, wie mehr Menschen einen Kleingarten nutzen können. Ein Problem sei, dass wenn ein Kleingarten wegen Wohnungen oder eines U-Bahn-Ausbaus umziehen muss, nicht garantiert sei, dass der neue Standort in der Nähe sei.

Anna Maria Lott vom Verein der Bahn-Landwirtschaft, der Kleingärten unweit von Bahngleisen hat, sagt: „Wir brauchen keinen Gartentourismus.“ Deswegen sollten Ersatzflächen für Kleingärten in der Nähe bleiben. Neben ihr sitzt Hannelore Dörr von der Stadtgruppe Frankfurt der Kleingärtner. Sie findet die Idee des runden Tisches sehr gut. Eine große Sorge sei der Nachwuchs in den Kleingärtenvereinen, also das Problem, neue ehrenamtliche Vorstände zu finden. „Aber es ist auch ein Problem, dass Familien eine Fläche pachten und nach sechs Monaten merken, das ist doch zu viel Arbeit.“ Eine Idee wäre es, einen Teil der Kleingärten zunächst für eine Testphase anzubieten. Das wollte bereits Gertrud Ringelstetter vom Kleingartenverein Taunusblick Zeilsheim umsetzen. Doch nach einem Brand seien sie erst einmal mit dem Wiederaufbau beschäftigt.

Thema ist auch, ob man die 300 Quadratmeter Fläche, die Kleingartenpächter:innen haben, nicht auf mehrere Parteien verteilen könnte. Doch das Bundeskleingartengesetz gibt diese Mindestfläche vor.

Oliver Lang, Vorstandsvorsitzender der Kleingärtner Frankfurt/Rhein Main, betont, dass es problematisch sei, dass sich oft die Ämter untereinander nicht einig seien, mögliche Flächen nicht genutzt würden und bei Wechseln die Neupächter:innen großen bürokratischen Aufwand betreiben müssten. „Das könnte alles einfacher sein.“ Statt rundem Tisch wünscht er sich einen Kleingartenrat, der direkt mit dem Magistrat kommuniziert. Im Frühjahr 2023 soll das Konzept der Stadtverordnetenversammlung zur Abstimmung vorliegen.

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