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Kinder im Schwimmbad

Freier Eintritt

Mehr Kinder in Frankfurter Bädern

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Die Stadt Frankfurt wertet den kostenlosen Eintritt in die Bäder als Erfolg, erntet aber auch Kritik.

Nach dem ersten Wochenende mit kostenlosem Eintritt für Kinder in den Frankfurter Bädern hat die Stadt ein positives Resümee gezogen. Das Angebot sei sehr gut angenommen worden, sagte Sportdezernent Markus Frank (CDU). Es seien an den ersten drei Tagen etwa 25 Prozent mehr Kinder in den Bädern gewesen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Vor allem die beiden größten Schwimmbäder, das Rebstockbad und die Titus-Therme, hätten mehr Besucher gehabt als vor Jahresfrist.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) betonte, dass es eine politische Entscheidung gewesen sei, Kindern unter 15 Jahren den Eintritt kostenlos zu ermöglichen. „Wir sind zu reich, um das Leben in dieser Stadt teuer anzubieten“, sagte Feldmann und betonte, dass der freie Eintritt ja auch bereits für Kitas und kulturelle Einrichtungen gelte.

Die Maßnahme der Stadt habe bundesweit für Aufsehen gesorgt und sei marketingtechnisch schon ein voller Erfolg, sagte Sportdezernent Frank. Ihn hätten am Wochenende auch schon vier Bürgermeister aus dem Umland angerufen. „Es waren nicht alle fröhlich“, räumte Frank ein. Denn die Stadt tritt damit in Konkurrenz zu Bädern im Umland, deren Kinder ebenfalls kostenlos in Frankfurt schwimmen dürfen. Ein Bürgermeister soll laut Frank gesagt haben: „Das kann ich mir nicht leisten.“

Kritik gab es auch in Frankfurt, weil die Kinder aus dem Umland ebenfalls in den Genuss des kostenlosen Angebot kommen. Der Speckgürtel werde damit „um eine Speckrolle reicher“, sagte der Verantwortliche eines Schwimmvereins, der namentlich nicht genannt werden wollte. Dezernent Frank erwiderte auf die Kritik: „Wir wollen keine Umlandkinder diskriminieren, wir sehen uns als Motor der Region.“ Die defizitären Bäderbetriebe können sich den kostenlosen Eintritt für Kinder aber eigentlich auch nicht leisten. Bis zu drei Millionen Euro mehr jährlich könnte die Stadt das Angebot kosten, sagte der Geschäftsführer der Bäderbetriebe, Frank Müller. Denn neben den Einnahmeverlusten kommen auf die Bäderbetriebe höhere Personalkosten zu, weil für die vielen Kinder zusätzliches Aufsichtspersonal gebraucht wird.

Um flexibler zu sein, setzt Müller künftig auf „Multifunktionspersonal“, das an der Kasse, in der Sauna und als Rettungsschwimmer gleichermaßen einsetzbar sei. Entsprechende Fortbildungen werde es künftig intern geben. Frank wies aber auch darauf hin, dass die Bäder kein „Kinderaufbewahrungsort“ seien. Die Stadt hofft, dass Kinder die Eltern, die ja nach wie vor Eintritt zahlen müssen, mitziehen.

Die Stadt will mit dem Angebot sportpolitisch auch erreichen, dass sich die Kinder mehr bewegen. Inwieweit das Angebot allerdings dazu taugt, dass auch mehr Kinder schwimmen lernen, ist fraglich. OB Feldmann hofft, dass mit diesem politischen Signal auch mehr Vereine Schwimmunterricht für Kinder anbieten, und stellte finanzielle Hilfe der Stadt in Aussicht: „Es wird nicht am Geld scheitern, wenn die Vereine Schwimmunterricht für Kinder anbieten wollen.“

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