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Pfarrer Thomas Walter in seiner Kirche.
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Pfarrer Thomas Walter in seiner Kirche.

Kirchen in Frankfurt

Frankfurt: Mehr Besucher trotz Restriktionen

  • Anja Laud
    VonAnja Laud
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Die Dankeskirchengemeinde in der Frankfurter Siedlung Goldstein geht mit ihren hybriden Gottesdiensten neue Wege. Mit Erfolg.

Am Zaun des Kirchhofs der Dankeskirchengemeinde in der Frankfurter Siedlung Goldstein hängt seit Beginn der Corona-Pandemie ein besonderer Briefkasten. „Gebetsbriefkasten“ steht darauf. Gläubige können dort Briefe mit Fürbitten und Gebetswünschen einwerfen. Pfarrer Thomas Walter bringt dann beides vor Gott, wie er sagt, in einem stillen Gebet oder im Gottesdienst. Der wurde sonntags in der Gemeinde bis zum Anstieg der Inzidenzzahl immer hybrid abgehalten, also vor den Gläubigen in der Kirche und in einem Livestream im Internet. „Unsere Online-Gemeinde ist inzwischen größer als die analoge“, sagt er.

„Sehen Sie, hier stehen sonntags zwei Kameras und dort oben ist noch eine“, sagt der Pfarrer der evangelischen Gemeinde und zeigt auf die noch leeren Stative, die im Kirchenschiff der Dankeskirche zwischen den ersten Stuhlreihen und auf der Empore stehen. Jeden Sonntag filmen Max Dreher und Manuel Frank, zwei junge Gemeindemitglieder, den Gottesdienst aus unterschiedlichen Perspektiven, um ihn in Echtzeit auf dem Youtube-Kanal der Gemeinde zu streamen.

„Das Pfarramt ist Beziehungsarbeit“, sagt Walter, der seit Oktober 2007 Seelsorger der Gemeinde ist. Hart war diese Arbeit für ihn, als im Frühjahr vergangenen Jahres im ersten Lockdown sechs Wochen lang keine Gottesdienste abgehalten werden konnten und der direkte Kontakt zu den Gläubigen so gut wie unmöglich wurde. Der 53-Jährige führte für diese Zeit ein „Quassel-Telefon“ ein. Den Namen wählte er mit Bedacht, um Gemeindemitgliedern die Scheu zu nehmen, zum Hörer zu greifen, wenn sie seelischen Beistand benötigten. Die Gemeinde öffnete zudem zu festen Zeiten ihr Gotteshaus, damit jeder der wollte, dort hineingehen und beten konnte. Und sie hängte den „Gebetsbriefkasten“ auf.

Gottesdienste und Gemeindearbeit im direkten Kontakt sind seitdem nur bei niedriger Inzidenzzahl möglich. Walter musste den Präsenz-Gottesdienst in der Kirche für Sonntag absagen. Die Inzidenzzahl in Frankfurt liegt zurzeit um die 200. Ein Gottesdienst wird aber am 2. Mai zumindest digital übertragen. „Wir müssen, so lange die Inzidenzzahlen so hoch sind, auf Sicht fahren“, sagt er. Für jeden Gottesdienst müsse derzeit neu überlegt werden, ob er analog oder nur digital angeboten werden könne.

Die seelsorgerische Arbeit war auch vor diesem Zahlenanstieg mit Einschränkungen verbunden. Wer sonntags in die Kirche wollte, musste seinen Besuch zuvor anmelden. Maximal 30 Menschen dürfen sich, wenn Gottesdienste möglich sind, in der Kirche aufhalten, in der Zahl eingeschlossen sind der Pfarrer, Musiker:innen und Kirchenhelfer, die die Gläubigen auf ihre nach einem Hygienekonzept festgelegten Plätze geleiten. Alle müssen eine Maske tragen. Der Pfarrer darf sie während der Predigt oder liturgischer Handlungen abnehmen. Gemeinsames Singen ist nicht erlaubt.

Während sich die Gottesdienstbesucher:innen an dieses Prozedere gewöhnt haben, wird es schwierig, wenn es um Gottesdienste geht, die sich um besondere Lebensereignisse drehen, also etwa Hochzeiten oder Beerdigungen. „Ich spüre bei den Hinterbliebenen manchmal schon eine Wut darüber, dass der verstorbene Vater oder die Mutter auf ihrem Weg nicht von der gesamten Familie und allen Freunden begleitet werden können“, sagt er.

Schwierig sei auch, dass ein tröstlicher Körperkontakt nicht möglich ist. Gläubigen kann er am Ende eines Gottesdienstes nicht mehr an der Kirchentür die Hand reichen, geschweige denn, sie in schwierigen Situationen umarmen. „Wenn mich aber am Grab jemand umarmt, lasse ich das zu“, sagt der Familienvater.

Die Corona-Krise hat der Gemeinde auch Chancen eröffnet und neue Wege gezeigt. Im vergangenen Sommer hielt sie viele Gottesdienste im Kirchhof an der frischen Luft ab, damit mehr Gläubige teilnehmen konnten. „Wir haben unser Klavier hinausgeschoben, und unser Posaunenchor hat vom Balkon der Kindertagesstätte gespielt“, erzählt er. Der Pfarrer hofft, dass es mit Präsenz- und Open-Air-Gottesdiensten bald weitergehen kann.

Das Streamen der Gottesdienste wird mit hohen Zugriffszahlen belohnt. Ehemalige Gemeindemitglieder in Hamburg und München beispielsweise schauten auf Youtube zu, sagt Walter. Und nicht nur die. Im Kindergottesdienst, der über die Konferenz-Plattform Zoom läuft, haben sich Goldsteiner Jungen und Mädchen kürzlich mit Kindern aus Accra, der Hauptstadt von Ghana, getroffen. Die Dankeskirchengemeinde unterhält Beziehungen zu zwei Gemeinden in dem afrikanischen Land. Der gemeinsame Gottesdienst und die Gespräche liefen so gut, dass die Kinder sich wieder treffen wollen.

Walter sieht im Digitalen eine Chance, auch für die Zeit nach Corona. Seine Gottesdienste will er auch dann hybrid anbieten.

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