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Auch am Mainufer führte der Frankfurter Mainova-Halbmarathon entlang. monika müller

Frankfurt

Frankfurt: Mehr als 6000 Läufer beim Halbmarathon

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Beim Halbmarathon am Sonntag (08.03.2020) in Frankfurt laufen mehr als 1000 Teilnehmer mehr als im Jahr zuvor. Das könnte laut Veranstaltern auch mit dem Coronavirus zu tun haben.

Die letzten Meter führen über grünen Teppich. Beim Frankfurter Halbmarathon am Sonntag hellen sich die Mienen der meisten Teilnehmer noch einmal auf, als sie vor rund 2000 Zuschauern an der Haupttribüne vorbei, über die Ziellinie laufen. Aus den Lautsprechern dröhnt eine Version von „You’ll never walk alone“.

Wenige hunderte Meter vor dem Stadion, auf der Flughafenstraße, blicken die Zuschauer in teils verbissene und mürrische Gesichter. Die einen schleppen sich über den Asphalt, mancher geht. Andere zeigen weiter sportlichen Ehrgeiz, blicken auf ihre Uhren am Handgelenk und dann wieder geradeaus, das Ziel, das Stadion fest im Visier. Einige können noch lächeln, feuern sich gegenseitig an und auch vom Straßenrand kommen aufmunternde Rufe. Ein Mann, der kurz vor dem Ziel aus dem Rennen ausgestiegen ist, sagt in sein Handy: „Ich habe mir eine Blase gelaufen, eine große“.

Rund 20 Kilometer liegen hinter den Läuferinnen und Läufern, die vor dem Stadion gestartet sind. Durch den Stadtwald führte die Route an der Isenburger Schneise entlang nach Sachsenhausen, über den Schweizer Platz, am Main entlang zurück nach Niederrad und bei „Tor 1“ durch einen Tunnel unter den Zuschauerrängen hindurch in die Arena. Daniela und Sven Hügel aus Leeheim bei Groß-Gerau haben den Lauf schon gut hinter sich gebracht und stehen, noch etwas aus der Puste, in einem großen Pulk von Sportlern und Angehörigen vor dem Fußball-Tempel.

Die Gewinner

Bei den Männern gewinnt den 18. Halbmarathon des Frankfurter Laufvereins Spiridon der vereinslose Sebowa Mithu mit einem Streckenrekord. In der Zeit von 1 Stunde, 5 Minuten und 14 Sekunden läuft er durchs Ziel. Zweiter wird über die 21,0975 Kilometer lange Strecke Abdi Uya vom TSV Schott Mainz. Den dritten Rang belegt Julian Häßner vom SC Impuls Erfurt.

Siegerin bei den Frauenwird die Ungarin Anna Bognár vom Budapesti Honvéd Sportgyesület. In einer Zeit von 1:19:33 erreicht sie das Ziel. Zweite wird Petra Wassiluk vom Team Main-Lauf-Cup, vor der äthiopischen Läuferin Hindiyaa Mohamed vom TV Alzey.

Die Sonne lugt hinter Wolken hervor, es ist mild geworden zur Mittagszeit. Wie viele andere Läufer lassen sie sich ein alkoholfreies Radler schmecken. „Perfektes Wetter, tolle Strecke, wenig Wind“, ist sich das Paar einig über den Rennverlauf. „Viele lustige, nette Zuschauer“, hätte sie entlang der Strecke gesehen, sagt die 39-Jährige. Teils seien diese sogar kostümiert gewesen. Beide sind mit ihren erreichten Zeiten von etwas mehr als eineinhalb Stunden zufrieden. Im Training würden sie immer langsamer unterwegs sein, berichtet das Paar. „Durch das Publikum und die Menschenmenge an Läufern wird man getragen“, berichtet der 38-Jährige.

6410 Läufer sollen an den Start gegangen sein, berichtet Sibylle Rautenberg, vom Veranstalter, dem Frankfurter Laufverein Spiridon. „Damit haben wir uns an ordentlich mehr Teilnehmer gewagt, als im letzten Jahr“, berichtet die 54-Jährige. Da seien es knapp 5000 gewesen. Sie ist schnellen Schrittes unterwegs durch den Bauch der Spielstätte von Eintracht Frankfurt und auf dem Weg zur Ziellinie. Vorbei geht es an zahlreichen Besuchern. Rucksäcke und Sporttaschen liegen überall verteilt in den Ecken.

Das Corona-Virus sei kein Grund gewesen, die Veranstaltung abzusagen, berichtet Rautenberg: „Wir sind den Empfehlungen des Gesundheitsamtes gefolgt“. Weil Dauerläufe aufgrund des Virus an anderen Orten abgesagt worden seien, hätten sich womöglich einige Sportler mehr in Frankfurt angemeldet, vermutet sie. Noch vor dem Silvesterlauf ist der Halbmarathon das größte Ereignis, das der Klub mit 200 ehrenamtlichen Helfern auf die Beine stellt. „Für uns ist das in dieser Größenordnung ganz beachtlich, das macht kein anderer Verein“, sagt Rautenberg.

Vom Trubel rund um das Stadion bekommt Familie Schwalbach gerade nichts mit. Am Mainufer, auf Höhe des Uni-Klinikums, haben sich die Hofheimer positioniert und warten vor allem auf zwei Läufer. „Meine Schwester und ihr Mann laufen mit“, sagt Mutter Kathrin Schwalbach. Für die vier Kinder, zwei davon vom Läufer-Paar, gibt es Bananen und Rasseln. „Da kommen die Ersten“, ruft Vater Johannes und fordert, „gleich schön anfeuern“. Die Großen machen es vor und rufen den Vorbeieilenden „Bravo“ und „Klasse“ zu. „Ich mag auch mitlaufen“, sagt die zweijährige Julia. Und ihre drei Jahre ältere Schwester hält nach den ersten Läufern fest: „Jetzt kommen keine mehr“. Doch, doch bekräftigen die Erwachsenen: „Da kommen noch ganz viele“. Erstaunte Blicke des Nachwuchses. Kathrin Schwalbach könnte sich auch vorstellen, mal einen Halbmarathon zu laufen. Aktuell trainiert sie für einen Zehn-Kilometer-Lauf in Hofheim. Ihr Mann, der Fußball spielt, winkt dagegen ab. „Mir ist das persönlich zu monoton“, sagt er und feuert weiter die Läufer an.

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