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Herbert Schmoll hat die Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“ gegründet.

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BI will Freigabe des Mainkais in Frankfurt für den Verkehr

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Herbert Schmoll von der Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“ fordert die Freigabe des Mainkais für den Verkehr.

Herbert Schmoll ist 68 Jahre alt. Der Personalberater aus Sachsenhausen hat die Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“ gegründet, um auf die Verkehrsprobleme seit der Mainkai-Sperrung hinzuweisen. 

Herr Schmoll, sollte der Mainkai gesperrt bleiben?
Auf keinen Fall.

Warum?
Diese Sperrung bringt nur sehr wenigen etwas und ruiniert die Wohn- und Lebensqualität von etwa 100 000 Frankfurter Bürgern. Die Sperrung ist ein massiver Eingriff in unser Verkehrssystem, die ohne jeden Plan und ohne jede Vorbereitung durchgeführt wurde. Dilettantischer kann man das Projekt „autofreie Innenstadt“ nicht angehen.

Wenn die SPD eine autofreie Innenstadt will, warum beginnt sie dann nicht in der Innenstadt? Dort gibt es genug Straßen mit geringem Verkehrsaufkommen. Wer Hauptverkehrsstraßen sperren will, soll erst einmal die Hausaufgaben machen und dafür sorgen, dass sich deutlich weniger Autos in der Kernstadt befinden. Unser Verkehrsdezernent reduziert den Verkehr aber nicht. Er drängt ihn einfach den Bürgern in der Innenstadt, im Bahnhofs- und Allerheiligenviertel und in Sachsenhausen auf.

In der Schweizer Straße hat sich die Verkehrsdichte so stark erhöht, dass Mütter Angst um das Leben ihrer Kinder haben und diese wieder in die Schule bringen. Zehntausende Radfahrer müssen auf Gehwegen fahren, weil Radfahren durch die Verdopplung der Lkw-Dichte lebensgefährlich geworden ist. Und die Einrichtung von Radwegen ist in Sachsenhausen unmöglich, weil die Kapazität der Straßen für die zusätzlichen Blechlawinen benötigt wird.

Grotesk wird es beim Umweltschutz: Weltweit gehen junge Leute für eine bessere Umwelt auf die Straße. Aber wir erhöhen die Emissionen. Wir haben eine höhere Verkehrsdichte, eine Verdopplung der Fahrzeiten und eine Verlängerung der Fahrwege. Das berichten die Handwerkerverbände. Also steigt auch die Emissionsbelastung. Diese Sperrung ist vermutlich die größte Emissionserhöhungsmaßnahme der letzten Jahrzehnte. Warum die Grünen dieser Maßnahme zugestimmt haben, werde ich nie verstehen. Alles, wofür sie stehen, wird mit dieser Sperrung konterkariert.

Völlig unerträglich ist die Lärmbelästigung, vor allem durch die permanenten Hupkonzerte und durch die Verdopplung der Lkw-Anzahl unter anderem am Museumsufer. Eine ältere Dame, die in der Schweizer Straße wohnt, ist von den Hupkonzerten so entnervt, dass sie ihre Wohnung aufgeben will. Die Höhe der Miete ist das kleinere Problem, der Lärm das größere. So weit sind wir schon.

In Hinsicht auf Ziele wie mehr Umweltschutz, weniger Lärm, mehr Verkehrssicherheit ist die Mainkai-Sperrung kontraproduktiv. Eine höhere Emissions- und Lärmbelastung, eine signifikante Erhöhung des Gefahrenpotenzials für Kinder und Radfahrer und der Niedergang ganzer Wohngebiete - alles das wird den Bürgern von der SPD als „sozial-ökologische Verkehrswende“ verkauft. Und die autofreie Innenstadt? Die gibt es nicht, da fahren jetzt mehr Autos als vorher.

Wie stellt sich die Verkehrssituation seit der Mainkai-Sperrung aus Ihrer Sicht dar?
20 000 zusätzliche Fahrzeuge in Straßen, die vorher schon hochbelastet waren, führen zwangsläufig zu Staus – sogar über die Stadtgrenzen hinaus. Mega-Staus bis zur Commerzbank-Arena sind keine Seltenheit. Pendler fahren zunehmend durch Wohngebiete wie das Malerviertel.

Braucht Frankfurt insgesamt weniger Autoverkehr?
Selbstverständlich, das ist offensichtlich.

Wie kann die Stadt das erreichen?
Bestimmt nicht durch die plan- und vorbereitungslose Sperrung von Hauptverkehrsstraßen. Dadurch kommt kein einziges Auto weniger in die Stadt. So lange ÖPNV-Nutzung teurer und umständlicher ist als das Auto, wird der Pendler mit dem Auto fahren, auch wenn er eine halbe Stunde länger im Stau steht. Also müssen die RMV-Preise nach unten. Und Bürger, die es sich nicht leisten können, in der Kernstadt zu wohnen, dürfen nicht auch noch durch höhere ÖPNV-Gebühren veranlasst werden, das Auto zu benutzen. Sie verursachen keine höheren Kosten. Die U-Bahn kostet, was sie kostet, egal ob sie drinsitzen oder nicht. Unser Kurzstrecken- und Tarifzonen-System muss im Prinzip abgeschafft werden.

Die Mainkai-Sperrung ist bis August beschlossen. Wie sollte die Straße bis dahin genutzt werden?
Überhaupt nicht.

Von Florian Leclerc

Für den Frankfurter Stadtverordneten Nico Wehnemann ist die Sperrung des Mainkais nur ein Anfang. Er fordert mehr autofreie Gebiete in Frankfurt. Zum Beispiel im Bahnhofsviertel.

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