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Frankfurt: Medientische in der Paulskirche

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Von: Florian Leclerc

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In sechs Wandnischen erzählt die Paulskirche ihre Geschichte. Rolf Oeser
In sechs Wandnischen erzählt die Paulskirche ihre Geschichte. Rolf Oeser © ROLF OESER

Ein Kuratorenteam hat die Ausstellung in der Wandelhalle aktualisiert. Die Frankfurter Paulskirche erzählt ihre Geschichte nun an interaktiven Medienstationen.

Als Evelyn Brockhoff, damals stellvertretende Leiterin des Instituts für Stadtgeschichte, im Mai 1998 die neue Dauerausstellung in der Wandelhalle der Frankfurter Paulskirche eröffnete, hatte sie sich etwas dabei gedacht. Die Schautafeln und -kästen erzählten die Baugeschichte und das Zusammenkommen der ersten Nationalversammlung im Jahr 1848. Kuriositäten aus dem Archiv des Instituts ergänzten die Texte: Menüzettel, Spendenaufrufe, Einladungskarten - und ein Regenschirm, der in den Septemberunruhen in Frankfurt 1848 als Waffe zum Einsatz kam.

Mit den Jahren wandelte sich die Art, wie Ausstellungen sich präsentieren, Bildschirme und QR-Codes kamen auf - die Ausstellung in der Wandelhalle blieb gleich. Philipp Sturm (Deutsches Architekturmuseum), Markus Häfner (Institut für Stadtgeschichte) und Dorothee Linnemann (Historisches Museum Frankfurt) haben sich gleichfalls etwas dabei gedacht, als sie die Ausstellung grunderneuerten. Die Schaukästen- und tafeln wurden entfernt, sechs interaktive Medienstationen in den Wandnischen positioniert.

Besucherinnen und Besucher, die stets kostenlos in die Paulskirche gehen können, sehen die Ausstellung, wenn sie im Uhrzeigersinn durch die Wandelhalle laufen. An der ersten Station wird die Baugeschichte der Paulskirche erzählt - von der Zeit, als dort das Barfüßerkloster stand, über die Eröffnung der Paulskirche im Jahr 1833, die Nutzung während der Nationalversammlung bis zum Ausbrennen der Kirche beim Bombenangriff im Jahr 1944.

Jubiläum

Frankfurt feiert im Mai 2023 ein Fest, um an den Einzug der Nationalversammlung in die Paulskirche zu erinnern. Am 18. Mai 1848 kamen 587 gewählte Abgeordnete aus allen Gebieten des Deutschen Bundes in die Paulskirche, um über eine Verfassung und einen Nationalstaat zu beraten.

Zu den Feierlichkeiten wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet. 2024 jährt sich die Paulskirchenverfassung zum 175. Mal, und die Bundesrepublik Deutschland feiert ihr 75-jähriges Bestehen. fle

Die nächste Station geht detailliert auf die Paulskirche als Tagungsort der Nationalversammlung ein. Sie erzählt von den Hoffnungen, die die Französische Revolution in Sachen Mitbestimmung und Bürgerrechte machte, über den Vormärz 1848 und die Gegner einer demokratischen Revolution, bis zum ersten frei gewählten Parlament und seinen Fraktionen. Auch das (vorläufige) Scheitern der Demokratiebewegung fehlt nicht.

Der Wiederaufbau der Paulskirche und die Debatte um ihre Gestaltung füllt die gesamte dritte Station, während die vierte Station sich den Umbauten und Sanierungen widmet, die fünfte der Sprechstelle und den bekanntesten Sprechern und Sprecherinnen. Zuletzt wird über die Zukunft der Paulskirche informiert, über die noch nicht entschieden ist. Eine Expert:innenkommission unter Leitung von Volker Kauder will bis Frühjahr 2023 einen Vorschlag für die Sanierung der Paulskirche und ein Haus der Demokratie vorlegen, dem die Stadtverordneten, Bund und Land zustimmen müssen. Die drei Partner sollen sich auch die Kosten teilen.

Zurück zu Evelyn Brockhoff. Sie stellte anno 1998 fest, Besucherinnen und Besucher würden sich etwa 15 Minuten in der Paulskirche aufhalten, so lange dauere es, um die gesamte Ausstellung zu sehen.

Für die neue Ausstellung braucht man deutlich länger. Aber auch daran haben Philipp Sturm und das Team gedacht. Alle Texte und Bilder sind auch im Internet unter paulskirche.de verfügbar.

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