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Hausmaus (Mus musculus) steckt Kopf durch Wand und nagt Stromkabel im Haus
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Mäuse haben es nicht immer leicht im Leben.

Frankfurt

Mäusejagd in Frankfurt: Kleben und sterben lassen - Wenn Nagetiere zu Pechvögeln werden

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Obacht bei der Mäusejagd. Sie kann - wie in Frankfurt - vor dem Amtsgericht enden.

Frankfurt am Main - Es gibt mehrere Methoden, eine Maus zu fangen. Da wäre etwa die mathematische: Man hockt sich in einen engen Drahtkäfig und definiert sich selbst als „außen“. Diese Variante funktioniert allerdings nur in der Theorie richtig gut, in der Praxis führt sie zu enormen Einschränkungen der persönlichen Freiheit.

Letzteres trifft freilich auch auf die Art der Mäusejagd zu, für die sich Herr V. entschieden und die ihm am Mittwoch (14.04.2021) einen Prozesstermin am Amtsgericht Frankfurt eingebracht hat. Herr V. gehört zur Spezies der Sachsenhäuser Wirte, die ob ihres ruppigen Umgangs mit Gästen weltberühmt ist. Aber auch gegenüber der Tierwelt zeigt er sich emotional robust. Der Wirt hat zwei Mäuse mittels einer Klebefalle getötet und damit gegen Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes verstoßen.

Mäusejagd in Frankfurt: Herr V. gehört zur Spezies der Sachsenhäuser Wirte

Der besagt, dass derjenige, der „ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet“ oder ihm „aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden“ zufügt, mit einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren dafür büßen muss. Doch selbst wenn man bejaht, dass ein auf Hygiene bedachter Wirt vernünftige Gründe zum Mäusemord haben mag, so sind die Qualen einer Klebefalle unter keinen Umständen gerechtfertigt.

Klebefallen sind in Deutschland nicht grundlos verboten – auch wenn das Internet von Kaufangeboten und begeisterten Kundenrezensionen („Einziger Nachteil: Die Tiere verrecken über Tage unter Qualen. Würde ich jederzeit wieder kaufen!“) überquillt. Nicht selten kommt es vor, dass gefangene Tiere in dem ebenso verzweifelten wie vergeblichen Versuch, sich zu befreien, ganze Gliedmaßen abbeißen, ehe sie elend verhungern.

Frankfurt: Die beiden Mäuse waren Pechvögel im wahren Sinne des Wortes

Dabei sind die Klebefallen nicht einmal viel günstiger als die ethisch und ästhetisch weit gefälligeren Lebendfallen. Diese haben aber wohl den Nachteil, dass der Fallensteller sie täglich kontrollieren muss, zumindest de jure, um der Maus den Hungertod zu ersparen – der das Prinzip der Lebendfalle ja auch ad absurdum führen würde.

Überhaupt scheint es ein uralter Traum des Menschen zu sein, Tiere festzukleben. Nicht nur Mäuse, Ratten und anderes Nagegetier, auch Vögel wurden früher und mitunter heute noch gejagt, indem der Mensch Äste und Bretter mit Leim oder Pech präparierte – auf dass alles, was da kreuche und fleuche, auch klebe. In der Sprache hat sich das bis heute durch die Begriffe „auf den Leim gehen“ und „Pechvogel“ gehalten. Die beiden Mäuse des Herrn V. waren insofern Pechvögel im wahren Sinne des Wortes.

Auf Mäusejagd in Frankfurt: Strafbefehl für den Wirt aus Sachsenhausen

Herr V. hat für die verbotene Mäusejagd einen Strafbefehl über 40 Tagessätze à 125 Euro kassiert, gegen den er Einspruch eingelegt hat. Das sind zweifellos eine Menge Mäuse und ein Indiz dafür, dass die Kneipe wohl ganz gut läuft. Doch zum Prozess kommt es nicht. An der Eingangstür des Gerichtssaals hängt lediglich ein Zettel, der den Prozess als aufgehoben listet. So etwas passiert öfter mal und liegt in der Regel daran, dass die Angeklagten ihren Einspruch wegen mangelnder Erfolgsaussichten zurückgezogen haben und nicht noch mehr Mäuse verlieren wollen, indem sie einem Winkeladvokaten auf den Leim gehen.

Da hat der Mensch die freie Wahl. Das unterscheidet ihn von der Maus. (Stefan Behr)

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