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Markus Frank bleibt noch zwei Monate Stadtrat. Er ist jetzt etwas dünner und gibt sich sehr zuversichtlich für die Zukunft.
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Markus Frank bleibt noch zwei Monate Stadtrat. Er ist jetzt etwas dünner und gibt sich sehr zuversichtlich für die Zukunft.

PORTRÄT DER WOCHE

Frankfurt: Markus Frank verlässt die Kommunalpolitik

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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Der CDU-Dezernent ist mit sich und der Welt im Reinen, sagt er zumindest. Was er künftig macht, möchte er sich in Ruhe überlegen.

Markus Frank hat abgenommen. 14 Kilo. Man sieht es vor allem in seinem Gesicht. Frank sagt, es gehe ihm jetzt besser, er sei fitter denn je. Doch noch mehr Gewicht sollte er nicht verlieren. Schon jetzt wirkt er etwas hager – aber vielleicht geht das auch nur Menschen so, die ihn schon lange (mit vollerem Gesicht) kennen.

Vor knapp drei Monaten habe er angefangen, mehr Sport zu treiben und sich viel bewusster zu ernähren, sagt CDU-Politiker Frank. Nun kann man leicht nachrechnen. Mitte April, einen Monat nach der Kommunalwahl, wurde immer deutlicher, dass es eine Stadtregierung ohne die CDU geben würde. Eine Regierung ohne Markus Frank. Voraussichtlich im September wird seine politische Karriere beendet sein. Nach 24 Jahren. Wollte er deshalb sein Leben ändern und gesünder leben?

Für Markus Frank ist das viel zu viel Küchenpsychologie. Vor kurzem entstand ein Foto von ihm mit Roland Frischkorn, dem Vorsitzenden des Sportkreises. Frank und Frischkorn führen auf einem Fitnessspielplatz eine Übung durch, die anstrengend aussieht. Vor einiger Zeit sei er nicht in der Lage gewesen, sich derart sportlich zu betätigen. „Das war Mist, das wollte ich unbedingt ändern“, sagt er. So einfach ist das also. Markus Frank trinkt Wasser und isst einen kleinen Salat mit Meeresfrüchten. Obwohl es noch nicht einmal 17 Uhr ist, werde das seine letzte Mahlzeit des Tages sein, sagt er. Und dann erzählt er, wie ausgeglichen er sei. Trotz allem.

1997 zog Frank als Stadtverordneter in den Römer ein. Zuvor war er einfaches Mitglied in CDU und Junger Union, besuchte in den achtziger Jahren die DDR und entschloss sich, politische Verantwortung zu übernehmen, weil er „derartiges Unrecht“ nicht einfach habe hinnehmen können. 2006 wurde Frank Fraktionschef der CDU im Römer. Es war die Zeit der ersten schwarz-grünen Koalition in Frankfurt. Frank schwärmt davon. Gemeinsam mit Olaf Cunitz, dem damaligen Fraktionsvorsitzenden der Grünen, habe er den Koalitionsvertrag schon in zweieinhalb Jahren abgearbeitet. „Dann habe ich gesagt: ,Herr Cunitz, jetzt verhandeln wir einfach neu.‘“ Selbstverständlich hat Frank damals „Herr Cunitz“ gesagt und sagt es noch. So schnell duzt er niemanden.

2009 wurde Frank Dezernent für Wirtschaft und Sport, zwei Jahre später bekam er das Ressort für Sicherheit und Feuerwehr dazu. Damit hatte er mehr Verantwortlichkeiten als alle anderen Magistratsmitglieder. Und nun gilt es als sicher, dass er seine Ämter im September verliert. Ob es ihm deswegen nicht schlecht geht? „Nein“, antwortet Frank.

Man muss ihm diese zur Schau gestellte Unaufgeregtheit nicht komplett abnehmen, aber ein Umstand spielt sicher eine große Rolle: Im Gegensatz zu Frank werden Baudezernent Jan Schneider, Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld und Bürgermeister Uwe Becker aus seiner Partei sowie Verkehrsdezernent Klaus Oesterling von der SPD abgewählt. „Das ist nicht schön, ich bin froh, dass ich das nicht erleben muss“, sagt Frank.

Denn bei dem 52-Jährigen liegen die Dinge anders. Seine Amtszeit endete bereits im Herbst vorigen Jahres. Frank verzichtete darauf, sich erneut zur Wahl zu stellen. Manche sagen, er habe so entschieden, weil er aus der völlig zerstrittenen Koalition aus CDU, SPD und Grünen womöglich nicht die nötige Zahl an Stimmen bekommen hätte. Frank kann über diese Annahme nur schmunzeln. „Ich habe bei jeder meiner Wahlen mehr Stimmen bekommen als die Stadtregierung Sitze hatte“, sagt er.

Abwahl

In der Sitzung der Stadtverordneten am kommenden Donnerstag steht die erste Abwahl der Dezernent:innen Jan Schneider, Daniela Birkenfeld, Uwe Becker (alle CDU) sowie Klaus Oesterling (SPD) an. In einer Sondersitzung am 8. September werden sie erneut abgewählt, wie es die Hessische Gemeindeordnung vorsieht. Danach scheiden sie aus ihren Ämtern.

Markus Frank wird nicht abgewählt, da seine Amtszeit ohnehin endet. geo

Sein Demokratieverständnis habe es ihm verboten, damals zu kandidieren. Wenige Monate vor der Kommunalwahl gehöre es sich nicht, sich für sechs Jahre erneut ins Amt wählen zu lassen, sagt er. Von der Entwicklung sieht er sich bestätigt. Das Parlament hätte Frank jetzt abwählen müssen – nicht einmal ein Jahr, nachdem er im Amt bestätigt wurde. Fortan hätte er 75 Prozent seiner bisherigen Bezüge einstreichen können. „So etwas gehört sich nicht“, sagt Frank. Also traf er mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) eine Vereinbarung. Er bleibt im Amt, bis die Nachfolge geregelt ist. Das wird im September der Fall sein.

In den vergangenen Tagen hat Frank ein paar klärende Gespräche geführt. Das war ihm wichtig. Er hat sich mit Carl-Philip Graf zu Solms-Wildenfels ausgesöhnt, dem „Rennbahngrafen“, der bis 2017 alles versucht hatte, um die Ansiedlung des DFB in Niederrad und damit das Aus für den Galoppsport in Frankfurt zu verhindern. Frank und der Graf schenkten sich nichts, am Ende setzte sich Frank durch.

Und auch mit Peter Feldmann hat Frank gesprochen. Im Herbst vorigen Jahres hatte der Oberbürgermeister seinen Dezernenten in der Stadtverordnetenversammlung wegen zu viel Müll in der Stadt kritisiert. Als Frank antworten wollte, entzog Feldmann ihm das Wort. „Der Oberbürgermeister hat sich damit keinen Gefallen getan“, sagt Frank.

Ihm sei es seinerzeit vor allem darum gegangen, sich vor seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stellen. Denn Feldmanns Kritik richtete sich gegen die Stadtpolizei. „Das wollte ich nicht akzeptieren“, sagt der Dezernent. So ähnlich hatte er sich schon mehrfach geäußert. Als er 2016 bundesweit in die Kritik geriet, weil die Stadtpolizei dem Bettler namens „Eisenbahn Rainer“ am Liebfrauenberg das Spielzeug weggenommen hatte, nahm er das auf sich, „um die Mitarbeiter zu schützen“. Die hätten nämlich nur Anweisungen befolgt.

Es ist nicht einfach, Franks Amtszeit zu bewerten. Als Wirtschaftsdezernent erreichte er, dass sich Unternehmen wie Samsung oder Condor in Frankfurt ansiedelten und die Fashion Week in die Stadt kam. Gleichzeitig verließen aber Wilhelm Brandenburg und vor allem die IAA die Stadt, wobei der Wegzug der Automesse nicht seine Schuld gewesen sei, sagt Frank. Verantwortlich sei nicht zuletzt der Oberbürgermeister, der der Messe das Gefühl gegeben habe, nicht mehr willkommen zu sein.

Als Sicherheitsdezernent wurden Frank vor allem die Zustände im Bahnhofsviertel angelastet. Auf der anderen Seite agierte der CDU-Mann angenehm besonnen, etwa bei der Frage nach dem Tanzverbot an Karfreitag. Frank verzichtete auf öffentlichkeitswirksame Kontrollen.

Und nun? Bis zum 8. September werde er sein Amt mit voller Kraft ausüben. Womöglich tue sich in einem seiner Ressorts noch etwas Großes, deutet er geheimnisvoll an. Danach werde er sich ins Auto setzen. Alleine, ohne seine Frau und die beiden Kinder. Vermutlich in Italien will er vier Wochen lang darüber nachdenken, wie es mit ihm weitergeht. „Vermutlich mache ich etwas, womit noch keiner rechnet“, sagt Frank, der gelernter Kfz-Mechaniker ist und ein Unternehmen mit zwei Tankstellen in Sindlingen und Kronberg aufgebaut hat, das sehr gut läuft. Aber seit Frank Verantwortung in der Kommunalpolitik trägt, führt seine Frau die Firma und daran soll sich auch nichts ändern. „Sie macht das super“, sagt er.

In den nächsten Tagen wird er aber erst einmal mit seiner Mutter sprechen. Die hatte ihm immer leicht vorwurfsvoll zugerufen, er arbeite für zwei. Mit Verweis auf seine Nachfolger:innen Annette Rinn (Sicherheit), Stephanie Wüst (Wirtschaft) und Mike Josef (Sport) wird er ihr jetzt sagen: „Ich habe für drei gearbeitet.“

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