1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Marbach-Musikbunker „nicht zu retten“

Erstellt:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Der Bunker am Marbachweg ist bald Geschichte, den Bands bleibt vorerst nur Nostalgie.
Der Bunker am Marbachweg ist bald Geschichte, den Bands bleibt vorerst nur Nostalgie. © Monika Müller

Die Bands und Studios müssen raus. Ein anderer Bunker im Riederwald soll mittelfristig Proberäume bieten.

Für die Bands, Musikschulen und Studios kommt es nicht mehr überraschend. Trotzdem rutscht Musiker Joachim Schütz ein kleiner Fluch heraus, als er erfährt: Mit dem Musizieren im Marbachbunker ist es aus. „Was für ein Mist“, sagt der Gitarrist der Bad Devilkiss. „Aber wir hatten es ja fast schon befürchtet.“

Am Montag bestätigt sich: Schluss, die Bands müssen raus. Noch lässt ihnen die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin Zeit, um einen Ort zu suchen, an dem sie ihr Equipment zwischenlagern können. Aber der letzte Song im Marbachbunker ist gespielt.

Laut Mitteilung vom Montag „kann die Zusage, den Spiel- und Probebetrieb im Musikbunker am Marbachweg um drei Jahre zu verlängern, aufgrund des schlechten Zustands des Gebäudes aus baurechtlichen Gründen leider nicht aufrechterhalten werden“. Das habe sich bei Begehungen seit Dezember erwiesen. Die Probleme gingen „über die ursprünglich bekannten Brandschutzmängel erheblich hinaus“.

Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen habe ein Nutzungsverbot verfügt. In erster Linie bereite die marode Elektroanlage „unüberwindliche Probleme“. Sie sei im Laufe der Jahrzehnte „durch Nutzer des Bunkers ohne entsprechende Genehmigungen verändert“ worden. Weiternutzung verboten. Die Elektroanlage müsse ausgetauscht werden. Auch die Gebäudebelüftung mache einen Komplettumbau nötig; der wäre unverhältnismäßig.

„Wir haben intensiv nach Möglichkeiten gesucht, den Musikbetrieb zeitweise wieder zu ermöglichen und bedauern, dass dies leider nicht möglich ist“, sagt Claus Niebelschütz von der Bima. Die erforderlichen Umbauten würden den Bunker ähnlich lange unbenutzbar machen, wie die Stadt brauche, um einen ihrer Hochbunker herzurichten.

Lassallestraße im Blick

„Selbstverständlich geht Sicherheit immer vor“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), „doch zeigt die missliche Situation im Marbachbunker einmal mehr, wie rar die Möglichkeiten für günstige Probe- und Arbeitsräume für Künstlerinnen und Künstler auf dem umkämpften Frankfurter Immobilienmarkt sind“. Kurzfristig seien Ersatzräume aber nicht verfügbar. Der Hochbunker Lassallestraße erscheine am geeignetsten, um die Kapazitäten des Marbachbunkers für die freie Musikszene zu ersetzen, sagt Baudezernentin Sylvia Weber (SPD). Er werde derzeit nur als Lager genutzt und sei ähnlich groß wie der Marbachbunker. „Er ist über die U-Bahn-Station Schäfflestraße gut zu erreichen. Der Umbau soll so schnell wie möglich realisiert werden.“

Die Bima hatte den Hunderten Nutzerinnen und Nutzern der etwa 50 Proberäume zum Jahreswechsel gekündigt, auf Initiative der Stadt dann eine bis zu dreijährige Übergangsfrist in Aussicht gestellt – ohne jedoch das Ausmaß der Schäden zu ahnen.

Musiker Schütz will sich mit seiner Band um einen der Räume in der Lassallestraße bemühen – dann unter städtischer Regie, was ein Vorteil sein könnte, glaubt er. Die Bima habe zuletzt „nicht sehr motiviert“ gewirkt.

Auch interessant

Kommentare