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Sorgfalt beim Schuhebinden vor dem Start.

Frankfurt-Marathon

Frankfurt-Marathon: Haltung bewahren und weiterlaufen

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Um die Marathonläufer in Frankfurt zu ermutigen, fahren viele mit Bahn und Rad quer durch die Stadt.

Ah, da ist er. Markus, Markus!“- „Was, wo? Wo? Jetzt hab’ ich ihn verpasst.“ Die Anfeuerer und Anfeuererinnen beim Frankfurt Marathon an der Konstablerwache sind hochkonzentriert. Den persönlichen Favoriten in Sekundenschnelle in der Läuferschaar zu finden und diese Sekunden als ganz persönlichen Motivationsmoment zu nutzen – gar nicht so leicht.

Einfacher für den, mit dem Bekannten oder Verwandten, der atmungsaktive Sportkleidung für überbewertet hält und im grünen Elfenkostüm unterwegs ist. Eine Vierergruppe kennt Schwäche und Antrieb ihres Sportsfreunds: „Run now, Wine later“, lautet der Spruch auf ihrem Schild, dass sie mit dem Fahrrad quer durch Frankfurt transportieren. Auf 42,2 Kilometer, prost!

Wem Marathon zu weit ist, der braucht ein Team: Die „Die „Lucky Lions Ladies“, „Running Gag“ oder eine Gruppe, die „Alles für Mutti“ tut, laufen Staffelmarathon. So auch „eine schrecklich nette Familie“ aus Amberg in der Oberpfalz, die wirklich keine kettenrauchenden Couchpotatos sind. „So acht bis zehn Mal im Jahr“, sagt Tochter Jasmin, nähmen sie zusammen an Stadtläufen teil.

Bilder vom Frankfurt-Marathon

Als wär’s nicht schon schwer genug. Ein Teilnehmer rennt mit Holzklotz.
Als wär’s nicht schon schwer genug. Ein Teilnehmer des Franbkfurt-Marathon am 27. Oktober 2019  schleppt einen Holzklotz über die Strecke. © Michael Schick
Allerlei Botschaften gibt es für die Läufer vom Publikum am Straßenrand.
Allerlei Botschaften gibt es für die Läufer vom Publikum am Straßenrand. © Michael Schick
Ein Teilnehmer hat sich seine persönlichen Zielzeiten exakt auf den Arm geschrieben.
Ein Teilnehmer hat sich seine persönlichen Zielzeiten exakt auf den Arm geschrieben. © Michael Schick
Die Erfrischungs- und Verpflegungsstation am Roßmarkt.
Die Erfrischungs- und Verpflegungsstation am Roßmarkt. © Michael Schick
Energizer: Die Banane und der Drink.
Energizer: Die Banane und der Drink. © Michael Schick
Einer der emotionalen Höhepunkte beim Frankfurt-Marathon war der Zieleinlauf des ehemaligen Fußballprofis Thomas Zampach, der den Lauf mit nur einer Niere bewältigte. Unterstützung hatte er von der ehemaligen Olympia-Teilnehmerin Petra Wassiluk, die immer wieder seine von Krämpfen geplagten Beine dehnte.
Einer der emotionalen Höhepunkte beim Frankfurt-Marathon war der Zieleinlauf des ehemaligen Fußballprofis Thomas Zampach, der den Lauf mit nur einer Niere bewältigte. Unterstützung hatte er von der ehemaligen Olympia-Teilnehmerin Petra Wassiluk, die immer wieder seine von Krämpfen geplagten Beine dehnte. © Silas Stein/d pa
Der 49-Jährige, der vor drei Jahren seinem kranken Bruder Paul eine Niere gespendet hatte, konnte nicht mehr an sich halten: "Irgendwie musste es raus. Vieles lief nochmal wie ein Film an mir vorbei, da fällt es schwer, die Emotionen zu kontrollieren", sagte Zampach unter Tränen. Hinter der Ziellinie lagen sich die sichtlich gerührten Brüder lange in den Armen.
Der 49-Jährige, der vor drei Jahren seinem kranken Bruder Paul eine Niere gespendet hatte, konnte nicht mehr an sich halten: "Irgendwie musste es raus. Vieles lief nochmal wie ein Film an mir vorbei, da fällt es schwer, die Emotionen zu kontrollieren", sagte Zampach unter Tränen. Hinter der Ziellinie lagen sich die sichtlich gerührten Brüder lange in den Armen. © Silas Stein/dpa

„Als sie so vier Jahre alt war“, erzählt Mutter Sabine, „haben wir Eltern neue Finisher-T-Shirts bekommen. Da meinte sie, sie möchte auch so eins haben.“ Wenn Vater Thomas’ Staffel an der Alten Brücke beendet ist, übernimmt die Tochter zwei Etappen.

„Daddy zwingt die Kids zum Marathon“, ist beim 12-jährigen Quentin aus der Nähe von Hanau auf das T-Shirt gepinnt. Er hat schon „Brezellauf“-Erfahrung und läuft in diesem Jahr zum ersten Mal 6,1 Kilometer Staffel mit. „Freiwillig“, versichert er grinsend. „Das ist nur Spaß.“ Warum, weiß trotzdem Vater und Teammitglied Martin besser: „Na, für die Medaille.“

Mehr neugierig als skeptisch fragt ein Mann in der U4 einen Läufer im Ruhepuls auf dem Weg zur Messe: „Nehmen Sie die Abkürzung oder sind sie schon fertig?“ Seinen Teil habe er hinter sich, nun fahre er zum Ziel. Dort verschnaufen bereits die Weltbesten.

Unglaubliche zwei Stunden nach Startpfiff sind diese schon über den roten Teppich in die Festhalle gesprintet. Laute Musik, bunte Lichtspots, Cheerleader tanzen. Mit Rufen, Klatschen und Pfeifen bejubeln die Zuschauer jeden Neuankömmling. Die ersten deutschen Läufer werden mit Glitzerregen begrüßt.

Mutter und Schwester der Schweizer Läuferin Michele Gantner halten sich ab zwei Stunden dreißig in der Arena bereit, checken Handy und Bildschirm, wann der Name auftaucht. „Für sie ist Marathonlaufen ein Teilzeitjob“, sagt die Mutter, die sie meistens zu den Wettkämpfen begleitet. „Es wäre toll, wenn es für die Olympiaqualifikation reicht“, hofft die Schwester. Wie von der Familie prognostiziert, erreicht Gantner mit einer Zeit von 2:40 das Ziel.

Auch Hannah (14) und Laura (15) aus Kriftel haben die Ziellinie erreicht und tragen stolz ihre Medaille um den Hals, grüne Geschenktaschen auf dem Rücken. Die Freundinnen haben wie 2500 andere am Mini-Marathon teilgenommen, 4,1 Kilometer haben sie in gut 20 Minuten geschafft. Nach 15 bis 20 Minuten hatte die Lauf-AG des Elisabeth-Langgässer-Gymnasiums in Alzey diese Strecke hinter sich.

„Klar, war es anstrengend“, geben Annika (17) und Calito (15) zu. „Es macht aber auch Spaß.“ Immer freitags trainiert die AG mit ihrer Lehrerin Frau Philippi, mehrmals im Jahr fahren sie zu Wettkämpfen. „Sonst läuft sie mit, heute hat sie uns nur angefeuert.“

Bei Kilometer 40, zwischen Hauptwache und Alter Oper, trommelt ein Percussionsmusiker in oranger Warnkleidung Rhythmen, die der Anspannung der Situation entsprechen.

Viele Sportler beißen sichtlich angestrengt die Zähne zusammen, gucken nervös auf die Uhr, versuchen Haltung zu bewahren und nur irgendwie weiterzulaufen. Mancher humpelt, viele versorgen sich bei den Ehrenamtlichen an Ständen mit warmem Tee oder einem Stück Banane. „Oh, ein Rückwärtsläufer“, freut sich der Moderator. „Es gibt immer welche, denen kann die Herausforderung nicht groß genug sein!“

Während die meisten nur für die Fotobox die Gesichtsmuskulatur bewegen, amüsieren sich die Zuschauer am Rand der Strecke bei Wurstbrötchen und Kuchen, lassen sich gesalzene Erdnüsse schenken oder machen bei Gewinnspielen mit.

Auch Jessica Duda und Nina Siekaup stehen plaudernd am Rand, während Verlobter und Bekannter laufen, laufen, laufen. Am Start, an der Oper und an der Konstablerwache seien sie zur mentalen Unterstützung ihrer marathonerfahrenen Freunde gewesen.

„Sie trainieren schon zwei bis drei Mal die Woche“, erzählt Duda. „Und bereiten sich vor dem Marathon noch mal intensiver vor, ernähren sich speziell.“ Nach dem Lauf stünden Badewanne und Beinehochlegen auf dem Plan.

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