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Frankfurt Marathon bei 20 Grad im Oktober: „Das war einfach ein großer Spaß“

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Von: Kathrin Rosendorff

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Auch ein Euro-Engel lief mit.
Auch ein Euro-Engel lief mit. © Monika Müller

Der Frankfurt Marathon ist nach zwei Jahren Pandemiepause zurück. Über 20 000Menschenliefen mit. Manche sogar in Tutu.

Es geht ein bisschen hektisch los am Sonntagmorgen, wenige Minuten vor dem Start an der Frankfurter Messe. Denn „Moni muss erstmal Schuhe machen“. So drückt es ihre Staffel-Lauffreundin Martina aus. Und ruft den Satz, damit die anderen Läuferinnen aus ihrem Team Claudi (26), Michaela (55) und Martina (51) eben auf sie warten. Sie sind extra aus dem Odenwald angereist, um beim Frankfurt-Marathon mitzulaufen. Dem ersten seit der zweijährigen Pandemiepause.

„Ich bin so froh, dass es wieder losgeht“, sagt Martina, die schon mehrmals mitgelaufen ist. „Der Zieleinlauf über den roten Teppich in der Festhalle ist wirklich etwas ganz Besonderes.“ Einen Tag später wird hier Weltstar Kendrick Lamar auftreten.

Allein 12 000 Marathon-Läufer:innen sind am Sonntag bei sonnigen 20 Grad am letzten Oktoberwochenende beim Frankfurt Marathon dabei. „Wäre ich gläubig, würde ich denken, dass Gott den Marathon liebt“, sagt eine Zuschauerin und lacht. Insgesamt sind 20 551 Menschen mit Staffellauf und Mini-Marathon der Kinder und Jugendlichen am Start. 2019 hatte der Laufklassiker mehr als 27 000 Teilnehmer:innen. Pandemiebedingt hätten laut Veranstalter alle etwas weniger Teilnehmer:innen, aber weil die mehr als 20 000 Menschen am Start sind, habe der Frankfurt Marathon seinen Status als zweitgrößter deutscher Marathon nach Berlin gefestigt. Neben den Leistungssportler:innen ist es, wie ein Zuschauer betont, eben auch ein „spaßiger Volkslauf“: ein paar laufen sogar barfuß, ein Herr in Boxershorts, ein anderer als eine Art Euro-Engel, eine Frau entscheidet sich für ein pinkfarbenes Tutu.

Moni (68), die „die Schuhe machen muss“, ist aus Freiburg angereist. „Sie hatte ihre Socken vergessen, also musste sie gestern noch schnell neue kaufen, die sitzen noch nicht so gut“, sagt Martina, während Moni, die schon mal alleine eine Marathon-Strecke von 42,195 km absolviert hat, ihre neuen Socken nochmal hochzieht. Zu viert teilen sie sich die Strecke: Die erste Läuferin Moni muss 12,9 Kilometer, die zweite 6,1 Kilometer, die dritte 9,5 Kilometer, die vierte sogar 13,5 Kilometer absolvieren.

Auch viele Kinder und Jugendliche sind da: Eine Gruppe wärmt sich mit Hampelmännern vor dem Maritim Hotel auf. Ein Mädchen weint, weil sie plötzlich Versagensängste hat. „Du hast doch trainiert, du schaffst das“, tröstet sie der Vater und nimmt sie in den Arm. Sie wischt sich die Tränen weg und bereitet sich auf die 4,1 Kilometer Strecke des Mini-Marathons vor. Ein Junge ist hingegen total entspannt und stopft sich, während er zum Start rennt, noch eine Brezel in den Mund. Von oben hört man den Hubschrauber des HR Fernsehens. Selbst als Radfahrer:in muss man überlegen, welches der beste Weg in die Innenstadt ist, denn beispielsweise die Mainzer Landstraße ist auch teilweise für Radfahrende gesperrt.

Während beim Start und Zieleinlauf an der Messe einiges los ist, ist es in der Innenstadt zuschauermäßig vergleichsweise ruhig. Das findet auch eine der Ehrenamtlichen, die in der Börsenstraße, also unweit der Freßgass, am Mittag Bananen an die vorbeilaufenden Sportler:innen verteilt. „Ich bin schon seit 15 Jahren als Ehrenamtliche dabei. Noch nie gab es so wenig Publikum. 2019 standen die Leute hier noch Schulter an Schulter und es gab kaum ein Durchkommen.“ Jetzt gibt es kein Gedränge. Laut Polizei gab es insgesamt auf der Strecke, die eben auch durch Höchst oder Nied führte, 300 000 Zuschauer:innen.

Die Bananen, die übrig bleiben, verteilten sie an die Reinigungskräfte der FES, die Polizei und Feuerwehr, die im Einsatz sind, aber auch an Bedürftige, erzählt sie. „Und Kindern, die als Zuschauer:innen vorbeilaufen, werfe ich auch mal eine Banane zu“, sagt sie und lacht. Es gehen ansonsten dort wenig Bananen weg. Die meisten rennen vorbei, schöpfen sich Wasser mit einem Becher und schütten es sich zur Abkühlung über den Kopf. Ein Läufer schüttet es sich direkt über seine Baseballkappe. Manche sehen noch topfrisch aus. Sie sind nur eben etwas nass vom Wasser im Gesicht und sehen aus, als würden sie Werbung für Duschgel machen und nicht einen Marathon absolvieren. Andere haben einen hochroten Kopf.

Ein Läufer muss am Rand von einem Sanitäter versorgt werden. „Es ist fast schon zu warm zum Laufen“, sagt eine Zuschauerin, die früher selbst Marathon gelaufen ist. Die 57-Jährige ist aus Wetzlar angereist. Sie steht an der Alten Brücke, wo mehr Zuschauer:innen sind, und ruft alle zwei Minuten einen anderen Namen: „Lutz, Carolin, Franziska.“ Eine andere Zuschauerin sagt beeindruckt: „Sie kennt ja fast alle, die hier laufen.“

Doch so ist es nicht. „Ich lese die Vornamen einfach von ihrem Namensschild ab, um sie zu motivieren.“ Sie lacht. Und dann läuft ihr Bruder Ulli vorbei. „Er hatte mir das gar nicht verraten. Er wollte wohl inkognito mitmachen“, sagt sie und lacht wieder. An der Hauptwache wartet derweil Maria (32) mit ihrem Baby Vida auf die Spitzenläufer:innen, die schnell nochmal kurz vor dem Ziel in der Festhalle vorbeirennen. Oder wie Maria es ausdrückt: „Die fliegen. Es ist, als ob sie gar nicht mit den Füßen auf dem Boden landen.“

In dem Moment „fliegt“ der Kenianer Brimin Misoi vorbei. Zehn Minuten später ist er als Gewinner des Frankfurt Marathons in 2:06:11 Stunden am Ziel angekommen. Maria, die schon als Staffelläuferin dabei war, sagt: „Ich bin jetzt richtig angefixt. Nächstes Jahr nach der Baby-Pause will ich als Marathonläuferin dabei sein.“ Die Nicht-Profis haben sechs Stunden Zeit für die 42 Kilometer.

FR-Fotograf Rolf Oeser ist als Staffelläufer mit dabei. „Es ist mein erster sportlicher Wettbewerb“, sagt der 61-Jährige, der ab Nied in der Oeserstraße startet und bis zur Festhalle dann 13,5 Kilometer absolviert. Er tritt mit seinen Lauftreff-Kolleg:innen aus Bad Vilbel an. „Wir laufen immer dienstags.“ Zusätzlich für den Marathon habe er nicht trainiert. Das Geld, das sie zugunsten des Vereins „Lebenshilfe Wetterau“ dank Sponsoren beim Lauf sammeln (14 Staffeln à vier Läufer:innen ) geht an eine Behinderteneinrichtung in Odessa, wohin viele ukrainische Familien kriegsbedingt geflüchtet sind. „Wir schätzen, das sind zwischen 10 000 bis 15 000 Euro“, sagt eine Teamkollegin.

Um 15.06 Uhr kommt Rolf Oeser, die Arme reißt er dabei nach oben, am Ziel in der Festhalle an. „Ich bin überhaupt nicht erschöpft, habe nicht mal richtig geschwitzt. Die Straßenbands und die Menschen, die mich am Rand angefeuert und angelächelt haben, haben mich total motiviert. Ich habe beim Laufen sogar etwas mitgetanzt. Das war einfach ein großer Spaß.“

Manche Läufer sehen total unangestrengt beim Marathon aus.
Manche Läufer sehen total unangestrengt beim Marathon aus. © Monika Müller

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