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Statt mit Bier und Zigaretten kam ein Frankfurter mit einer Waffe zurück. Dann schießt er. (Symbolbild)

Schüsse hatten "Exekutionscharakter"

Streit um Politik eskaliert: Mann schießt anderem ins Bein - Urteil gefallen

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Nach einem Streit geht ein Mann aus Frankfurt Bier holen. Zurück kommt er mit einer Waffe. Dann eskaliert die Situation. Nun ist das Urteil gefallen. 

Update vom 26.09.2019, 15.35 Uhr: Ein Frankfurter hat im Februar 2016 nach einer politischen Diskussion mit einem Bekannten diesem unvermittelt ins Bein geschossen. Der Vorfall geschah in einem Bockenheimer Hinterhof, in den der Täter sein Opfer nach der Debatte gelockt hatte. Nun wurde nach der Verhandlung am Landgericht Frankfurt ein Urteil gefällt. Der 43-Jährige wurde wegen schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. 

Zudem soll er nach einem Jahr Haft eine stationäre Therapie gegen seine Alkohol- und Drogensucht machen. Das Opfer ist heute "lebenslang gezeichnet", sagte Richter Volker Kaiser-Klan in seiner Urteilsbegründung. Die Schüsse hätten zudem "Exekutionscharakter" gehabt. Deshalb war K. auch im ersten Prozess wegen versuchten Mordes angeklagt. Im März 2017 aber vom Landgericht Frankfurt wegen gefährlicher Körperverletzung zu acht Jahren verurteilt worden. Dagegen hatte K. Revision eingelegt. Der Bundesgerichtshof hatte dieser Revision zumindest bezüglich des Strafmaßes stattgegeben. 

Frankfurt: Mann schießt anderem ins Bein - Streit um Politik eskaliert

Erstmeldung vom 25.09.2019: Frankfurt - Koray K. ist ein echter Frankfurter Bub. Als Frankfurter wurde er im Advent 1975 geboren, wuchs in Bockenheim auf und liebt sein Heimatland. Als Bub wohnt er noch bei den Eltern. Oder vielmehr wieder, denn von Mai 2016 bis Oktober 2018 hatte der Bub eine eigene Zelle in Preungesheim. Und das kam so:

Im Februar 2016 diskutierte K. in einem türkischen Café in Bockenheim mit Botan Ö. und anderen die politische Lage in Kleinasien. Ö. vertrat dabei eher kurdische, K. weitgehend türkische Positionen. Das Palaver verlief friedlich, doch am frühen Morgen lockte K. Zechkumpan Ö. mit dem Köder, er habe in seiner Bude Bier und Zigaretten, in den Hinterhof seines Wohnhauses. Statt Nachschub holte er eine Waffe vom Dachboden und schoss Ö. mit der Bemerkung „Ich ficke dich, du Kurde!“ zweimal ins Bein.

Frankfurt: Mann schießt anderem ins Bein - Alkohol und Drogen im Spiel

Die Staatsanwaltschaft klagte K. wegen versuchten Mordes an, das Landgericht verurteilte ihn im März 2017 lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. K. hatte zur Tatzeit „zwei Nasen“ Kokain und 3,1 Promille Alkohol im Blut. Das war persönliche Bestleistung; beim letzten Mal, als K. jemandem ins Bein geschossen hatte, war das nach Aktenlage mit 3,07 Promille. K. legte Revision ein, der Bundesgerichtshof kassierte im August 2018 nicht das Urteil, aber das Strafmaß. Seitdem wohnt der Bub wieder daheim.

Im erneuten Prozess ist K. geständig, plädiert aber auf unschuldig auf Astralebene: „Das war ich nicht, das waren die Nebenwirkungen von Alkohol und Drogen!“ Er sei bereit, Ö. 10 000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen, aber pleite. Botan Ö., der erneut Nebenkläger ist, lässt über seine Dolmetscherin ausrichten, er leide bis heute körperlich und seelisch unter den Folgen der Tat und könne seinem ehemaligen Beruf als städtischer Sozialarbeiter nicht mehr nachgehen. Das tue ihm leid, sagt K., er selbst sei Alevit und lehne als solcher Gewalt ab. Tatsächlich hat sich der bekennende „Waffennarr“ und türkische Staatsbürger K. vor dem dortigen Militärdienst gedrückt.

Frankfurt: Streit eskaliert - Richter liest langes Vorstrafenregister vor

K.s Credo nimmt der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan zum Anlass, dem Angeklagten die Leviten zu lesen. Die Verlesung von dessen 26 Vorstrafen und Eintragungen wirkt wie eine Gedächtnisaufgabe am laufenden Band. Merken soll man sich: Drogendelikte (Konsum, Einfuhr, Handel), Verkehrssünden (Alkohol, kein Führerschein, Straßenverkehrsgefährdung), Verstöße gegen das Waffengesetz (alle Kaliber), Passvergehen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Gefangenenbefreiung (versucht), Vollrausch (fahrlässig), Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Bedrohung, Beleidigung, Nötigung, Diebstahl, Körperverletzung (aus Versehen und mit Absicht) – und am Ende bleibt doch nur ein Fragezeichen.

In dem Fall sogar zwei. Kaiser-Klan will vom Angeklagten, der nach eigenen Angaben den Drogen, den Waffen und dem Bösen entsagt hat, wissen, was er denn noch so vorhabe mit seinem Leben. „Ich will meinen Führerschein machen“, antwortet der.

K.s Eltern sitzen im Publikum, vielleicht reden sie mit ihm noch mal darüber, wenn der Bub nach Hause kommt. Wann er das tut, ist das andere Fragezeichen. Urteil und Antwort sollen am heutigen Mittwoch gesprochen werden.

Von Stefan Behr/svw

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