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Frankfurt: Malerin Heide Lauterbach ist in ihrem 90. Lebensjahr gestorben

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Von: Thomas Stillbauer

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Heide Lauterbach, aufgenommen vor zehn Jahren. Alex Kraus
Heide Lauterbach, aufgenommen vor zehn Jahren. Alex Kraus © Alex Kraus

Sie hat sich selbst als Suchende bezeichnet. Ihr ganzes Künstlerinnenleben gab sich Heide Lauterbach, um zu staunen.

Weil der Mensch Pläne hat, solang er lebt, hat die Malerin Heide Lauterbach im Februar ein Projekt gestartet: „Unterwegs“ heißt es, aus drei Büchern soll es bestehen, eine Art Bestandsaufnahme ihres Schaffens. Im Juni kam frisches Material hinzu, darunter ein Bild namens „Flügelschläge“ und eines namens „Spieltrieb“. Doch jetzt, in ihrem 90. Lebensjahr, ist die Künstlerin unterwegs zu einem anderen Ort. „Nun ist sie mit kräftigen Flügelschlägen in andere Sphären geflogen, in den Himmel mit Aussichtsplattform auf den Wolken“, wie es ihre Galeristin und Wegbegleiterin Brigitte Leistikow formuliert.

„Man dachte, Heide sei unsterblich“, sagt ihre Kunstkollegin und Hochschullehrerin Vroni Schwegler. So war es. In Frankfurt 1932 geboren, Ehefrau und Mutter geworden, studierend durch die halbe Welt gekommen, nach Frankfurt zurückgekehrt, brachte sie als Grundschullehrerin den Kindern bei, was stets ihre Kunst prägte: „Ich male, um mich zu wundern“, das war ihre Grundierung. In den 70er Jahren zog sie nach Frankfurt, seither entstand in fast 50 Jahren eine Vielzahl von Bildern. Aquarelle zumeist, und Formen, die Spielraum lassen für den Spieltrieb der Gedanken.

Fertiges, perfekt Durchdachtes war nie die Sache von Heide Lauterbach. Absichtslos sollte sein, was sie tat, und während es entstand, wollte sie darüber staunen. Das Schönste war, sich von ihr erklären zu lassen, warum sie tat, was sie tat. „Warum?“, fragte sie dann belustigt zurück. Und schilderte: „Ich habe keine Ideen. Ich überlege mir nicht vorher, was ich machen will.“ Amüsant sei das für sie. „Es muss leicht sein, es muss Spaß machen, es muss absichtslos sein. Aber man kann ja nicht mit Absicht absichtslos sein. Alles, was nebenher passiert, ist schön absichtslos.“

Als Suchende beschrieb sich Lauterbach bei einer ersten Begegnung vor fast zehn Jahren. Da hatte sie reichlich Ausstellungen hinter sich. Eine hieß damals schon „Unterwegs“. Eine andere, eine Performance, hieß „Mutabor“, wie das Verwandlungszauberwort aus Wilhelm Hauffs Märchen „Kalif Storch“. Zu Musikbegleitung und trickfilmartig führte die Künstlerin vor, wie sie ihre Bilder wieder und wieder übermalte – und verwandelte.

Bei jener Begegnung erzählte sie auch, was sie mit ihren Bildern vorhatte: „Ich habe keine Lust, mich zu archivieren“, sagte sie damals. „Ich mache lieber einen großen Basar im Sommer – dann werden die Bilder zerstreut. Das ist besser als ein Museum.“ So weit kam es nicht. Ein Glück, denn so blieb das Material für die Bücher. „Lebensorte“, der erste der drei Bände der „Unterwegs“-Reihe, enthält 131 Ansichten und Draufsichten auf das, was die Künstlerin im Frankfurter Grüneburgpark vor Augen hatte, in Omersbach im Spessart, wo die Familie zeitweise im Zweiten Weltkrieg und in den Jahren danach lebte, und ab 1949 in Biganzolo am Lago Maggiore, dem Familienanwesen mit eigenem Häuschen, seit 1997 dann in Heide Lauterbachs Besitz.

Der Abschied überraschend

Der zweite Band, den Brigitte Leistikow im September veröffentlichen will, heißt „Andernorts“. In den letzten Gesprächen kamen die beiden Frauen überein, dass er noch künstlerischer und gestalterisch feinfühliger wird als der erste. „Das Buch führt uns durch Europa, und die Aquarelle sind so berührend und so stark“, sagt die Galeristin. Davon, dass Heide Lauterbach dann zumindest nicht mehr sichtbar anwesend sein wird, war bei den Vorgesprächen allerdings nie die Rede. Der Abschied kam dann eher überraschend. Und das passt ja zum Leben und Schaffen dieser erstaunlichen Frau: Auch das Ende war eher absichtslos.

Eine öffentliche Trauerfeier wird es nicht geben, aber Gelegenheit zum Abschiednehmen: Die Ausstellung „Neue Arbeiten. Flügelschläge“ mit Bildern von Heide Lauterbach ist bis zum 26. August (nach Vereinbarung per E-Mail an info@projekthaus-leistikow.de) zu sehen in der Rotlintstraße 62 (Hinterhaus).

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