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In einer großen Saubermachaktion haben Bürger in Frankfurt am Samstag geschätzt rund vier Tonnen Müll zusammengetragen.

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Frankfurt macht sauber: Freiwillige Helfer sammeln vier Tonnen Müll

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In einer großen Saubermachaktion haben Bürger in Frankfurt am Samstag geschätzt rund vier Tonnen Müll zusammengetragen.

Frankfurt - Mit einem Schraubenzieher in der Hand versucht Cornelia Lins am Samstagvormittag (21.09.2019), den Unrat anderer am Mainufer zu entfernen. Zum stadtweiten „Frankfurt Cleanup“ (Frankfurt räumt auf) hat die 55-Jährige das Werkzeug von zu Hause mitgebracht. „Ich habe schon Erfahrung und fest getretene Glasscherben lassen sich mit dem Schraubenzieher besser aus dem Boden lösen“, sagt Lins. Und Scherben seien „der Renner“ bei dem Müll, der am Mainufer liege. 

Frankfurt Cleanup: 1000 Menschen sammeln Müll

„Nicht sehr rückenfreundlich“ sei es, sich nach dem achtlos Weggeworfenen anderer zu bücken, berichtet Lins. Und dass es in zwei Wochen wieder genauso aussehen könnte, befürchtet die Nordendbewohnerin auch. „Es geht aber darum, das Bewusstsein zu schärfen, und dafür opfere ich gerne ein paar Stündchen“, sagt Lins.

Außerdem ist sie an diesem Tag nicht alleine. Rund 150 Freiwillige sind zu einem Treffpunkt am Eisernen Steg gekommen. Dort haben Mitarbeiter der Stadt, die bei dem weltweiten Aktionstag erstmals mitmacht, Handschuhe, hölzerne Greifzangen und Mülltüten ausgegeben. Auf beiden Mainuferseiten sind die Ehrenamtlichen ausgeschwärmt. Auch in der Taunusanlage sowie in vielen Stadtteilen Frankfurts sind Gruppen unterwegs. Säckeweise Kippen, Korken, Scherben und Pizzakartons: Geschätzt rund vier Tonnen Müll haben die Bürger zusammengetragen. Nach Angaben der Organisation “cleanffm“ machten rund 1000 Freiwillige mit.

Frankfurt Cleanup: Umweltdezernentin hilft beim Müllsammeln

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), die mit am Mainufer sammelt, will mit der Aktion darauf aufmerksam machen, „dass Abfall nicht in Grünanlagen oder überhaupt auf den Boden gehört“. Drei Millionen Euro gebe das Grünflächenamt jährlich aus, um die Parks sauber zu halten. Weitere 50 Millionen Euro würde die gesamte Müllentsorgung sowie Säuberung von Straßen und Plätzen die Stadt kosten.

Der Sachsenhäuser Mikosch Siegel organisiert als Ehrenamtlicher gemeinsam mit Oliver Tunnat, einem weiteren engagierten Bürger, den „World Cleanup Day“ in Frankfurt. Der zwischenzeitliche Wohnortwechsel in die Schweiz sei ein „Schlüsselerlebnis“ für Siegel gewesen. Weil es dort so sauber gewesen sei, habe er einen Schock bekommen, nachdem er zurückgekehrt sei, berichtet er. Mit der Aktion will er an die Eigenverantwortung der Bürger appellieren.

Frankfurt Cleanup: Müll sammeln und „Lebensqualität steigern“

Ein Mann, der mit seiner Greifzange zwischen Kopfsteinpflaster jeden einzelnen Zigarettenstummel aufsammelt, sagt, „ein einziger Zigarettenstummel kann 40 Liter Grundwasser verunreinigen“. Daher habe er sich heute zum Ziel gesetzt, eine ganze Tüte voller Kippenstummel zu sammeln. Während bei strahlend blauem Himmel voll beladene Ausflugsschiffe ablegen und viele Spaziergänger am Mainkai entlang laufen, füllt auch Gianluca Floris seinen Müllsack. Der 28-jährige Umweltingenieur aus Italien ist erst vor einem Dreivierteljahr nach Frankfurt gezogen. Er sagt auf Englisch: „Als Frankfurter Bürger will ich die Lebensqualität hier vergrößern.“

Louise Burghardt, die mit ihrem Begleiter eigentlich nur zu einem Spaziergang am Main unterwegs war, hat sich bei Cornelia Lins, der Frau mit dem Schraubenzieher, schlaugemacht, was es mit der Aktion auf sich hat. „Megacool“, findet die 26-Jährige das „Müll sammeln vor der Tür“. Sie zögert nicht lange, zieht sich ebenfalls Handschuhe über, um am Mainufer den Müll anderer aufzuklauben.

Mehr als ein Kilo Müll fällt in Frankfurt täglich pro Person an. Insgesamt sind es in der Stadt, so die Zahlen aus dem Erhebungszeitraum 2016, 200.875 Tonnen Haushaltsmüll.

Bewohner des Brückenviertels in Frankfurt ärgern sich über Lärm, Müll und Urin. All das hinterlassen Gäste der Kneipen in Alt-Sachsenhausen auf ihrem Heimweg im Quartier.

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