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Frankfurt: Mainova prüft Verzicht auf russische Kohle

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Von: Florian Leclerc

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Im Heizkraftwerk West wird Kohle aus Russland und den USA verbrannt. Foto: Peter Jülich
Im Heizkraftwerk West wird Kohle aus Russland und den USA verbrannt. © peter-juelich.com

Die Energieversorgerin Mainova sieht die Versorgung der Kundinnen und Kunden in Frankfurt gesichert, rechnet aber mit steigenden Preisen.

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und den damit verbundenen Auswirkungen auf den Energiemarkt prüft die Frankfurter Energieversorgerin Mainova derzeit den Verzicht auf Kohle aus Russland. „Hier prüfen wir zurzeit alternative Bezugsquellen“, teilte eine Mainova-Sprecherin auf Anfrage mit.

Laut Mainova-Geschäftsbericht wurden im Jahr 2020 insgesamt 170 000 Tonnen Steinkohle per Schiff oder Bahn aus Amsterdam an das Heizkraftwerk West der Mainova geliefert. Die Steinkohle stammte aus Russland und den Vereinigten Staaten. Der Verbrauch von Steinkohle machte 14,8 Prozent im Energiemix der Mainova aus.

Erdgas hatte einen weitaus größeren Anteil am Energiemix, zuletzt waren dies 50,7 Prozent. Die übrigen Energieträger waren Wind (7,5 Prozent), Solarkraft (1,1 Prozent), Heizöl (0,6 Prozent), Abfall (19,1 Prozent) und Biomasse (6,2 Prozent). Das Erdgas beschaffe die Mainova am Handelsplatz Deutschland, teilte die Sprecherin mit. Gas werde am Handelsplatz Deutschland nicht gekennzeichnet. „Wir können keine Aussage dazu treffen, wie viel des von Mainova in Frankfurt und der Region gelieferten Gases aus Russland kommt.“

Laut Bundesnetzagentur stammen gut 67 Prozent des nach Deutschland importierten Gases aus Russland. Es kommt über verschiedene Pipelines nach Deutschland – etwa die Ostseepipeline Nord Stream und über den Landweg aus den Transitländern Polen und Tschechien.

„Würden die Lieferungen aus Russland ausfallen, wäre das grundsätzlich eine Herausforderung, vor der die Bundesregierung und die gesamte Energiewirtschaft stehen würden“, sagte die Mainova-Sprecherin.

Deutschland sei Teil eines europäischen Erdgas-Versorgungssystems, in dem sich die EU-Staaten im Bedarfsfall gegenseitig unterstützten. Zudem bestehe die Möglichkeit, in gewissem Umfang zusätzliches Flüssigerdgas (LNG) etwa aus den USA zu beziehen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte zuletzt den schnellen Bau von zwei Terminals für Flüssigerdgas (LNG) in Deutschland angekündigt. Mögliche Standorte sind Brunsbüttel, Stade, Wilhelmshaven und Rostock.

Im Falle von Mangellagen griffen die gesetzlichen Regelungen, sagte die Sprecherin. Verantwortlich für die Gasversorgung seien laut Energiewirtschaftsgesetz die Fernleitungsnetzbetreiber. „Wir gehen davon aus, dass, solange Gas aus irgendeiner Quelle in Deutschland zur Verfügung steht, Mainova beliefert wird und damit auch unsere Kunden.“

In jedem Fall seien Haushaltskund:innen und sensible Einrichtungen durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation rechnen wir mit weiterhin sehr hohen Energiepreisen an den Beschaffungsmärkten“, sagte die Sprecherin.

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