Die Mainkai-Sperrung polarisiert Frankfurt.
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Die Mainkai-Sperrung polarisiert Frankfurt.

Umstrittenes Verkehrsprojekt

Hitzige Diskussionen über Mainkai-Sperrung: „Neues Lebensgefühl“ oder „Verkehrschaos“?

Die Mainkai-Sperrung polarisiert Frankfurt. Zeit für eine Diskussion.

  • Die Mainkai-Sperrung sorgt in Frankfurt für viele Diskussionen.
  • Im FNP-Bürgerforum wurde kontrovers debattiert.
  • Verkehrsdezernent Oesterling deutete an, dass noch weitere Verkehrsmaßnahmen folgen könnten.

Frankfurt - Kaum ein Thema hat in den vergangenen Monaten die Frankfurter so sehr bewegt wie die Sperrung des Mainkais für den Autoverkehr. Kaum ein Thema hat so sehr polarisiert. Deshalb hatte die Frankfurter Neue Presse am Mittwochabend Gegner und Befürworter aufs Podium im Haus am Dom geholt. Sie diskutierten hitzig - und waren sich manchmal überraschend einig.

30 Gäste im Saal, 300 Zuschauer an den Bildschirmen zu Hause und viele Fragen an die vier Diskutanten auf dem Podium: Das Interesse am Bürgerforum dieser Zeitung zur Mainkai-Sperrung am Mittwochabend war außerordentlich groß. Kein Wunder, denn kaum ein Thema wird in der Stadt in diesem Jahr so oft und kontrovers diskutiert wie die Mainkai-Sperrung.

Frankfurt: Kontroverse Diskussion zur Mainkai-Sperrung

Kontrovers ging es auch auf dem Podium zu. Zwei Befürworter der Sperrung - oder auch, wie es manch einer im Publikum vorzog, positiv formuliert: der Öffnung des Mainkais für Fußgänger und Radfahrer -, Oliver Strank (SPD), Ortsvorsteher des Ortsbeirats 1, und sein Parteikollege und Verkehrsdezernent Klaus Oesterling, saßen dort neben Herbert Schmoll, Gründer der BI „Sachsenhausen wehrt sich“ und Nils Kößler, dem Chef der CDU-Fraktion im Römer. Beide wollen, dass die Straße wieder für den Autoverkehr geöffnet wird. Denn: „Das Ergebnis des Verkehrsversuchs ist zwiespältig, wird aber schöngeredet, die Defizite verdeckt“, sagte Nils Kößler. Was fehle, sei ein Gesamtkonzept für den Verkehr in und um Frankfurt.

Diskutierten angeregt (v. li.): Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), Herbert Schmoll (BI "Sachsenhausen wehrt sich"), Oliver Strank (BI "Lebensqualität am Mainkai"), CDU-Fraktionschef Nils Kößler und Moderator Dennis Pfeiffer-Goldmann.

Umstrittene Mainkai-Sperrung: Chaos in Frankfurt oder ein neues Lebensgefühl?

Für Oliver Strank ist klar, die Vorteile wiegen schwerer: Es sei ein langgehegter, tiefer Wunsch der Frankfurter gewesen, einen autofreien Mainkai zu haben. Ein neues Lebensgefühl habe sich dort eingestellt, es gebe Platz und Luft zum Atmen, immer mehr Radfahrer, Familien und Kinder hielten sich dort gerne auf. „Man sieht viele leuchtende Kinderaugen, und für die Kinder brauchen wir ja diese Verkehrswende.“

Niemand sei gegen die Verkehrsreduzierung in der Stadt, wandte Herbert Schmoll ein, aber nicht mittels der Sperrung einer Hauptverkehrsstraße: „Die Sperrung der Ost-West-Achse am Mainkai hat Chaos im Rest der Stadt verursacht. Jeden Morgen und Abend fährt eine unglaubliche Masse an Autos durch Sachsenhäuser Straßen. Der Ost-West-Verkehr hat sich im Süden deutlich verstärkt. Es kann nicht sein, dass nur eine Straße profitiert und der Rest der Stadt leidet.“

Darauf zielte auch die erste Leserfrage an Klaus Oesterling ab: Er möge sein Konzept hinter der Sperrung erklären. Frankfurt folge einem Trend in ganz Europa, erklärte sich Oesterling: „Es geht darum, den Verkehr aus der Innenstadt zurückzudrängen. Langfristig hat das Auto in der Stadt keinen Platz mehr.“

Umstrittene Mainkai-Sperrung in Frankfurt: Belastbare Zahlen fehlen

Die Forderung der Gegenseite nach einem Gesamtverkehrskonzept halte er nur für einen „Trick, um Entscheidungen zu verzögern“. Indes, das sehe auch er, stünde jetzt an, etwas für die Verbesserung der Verkehrsströme im nördlichen Sachsenhausen zu unternehmen. Der Verkehr dort habe sich verstärkt, aber längst nicht so dramatisch wie oft beschrieben. Was genau am Schaumainkai unternommen werden soll, ließ er offen.

Offen bleibt auch auf dem Podium die Frage, wie der Verkehrsversuch zu bewerten ist: Denn belastbares Zahlenmaterial konnte nicht ermittelt werden. Der Versuch sollte auf Basis zweier Zählungen bewertet werden, wie Oesterling erläuterte: „Corona hat uns die zweite Zählung im März verhagelt.“ Es hätte jedoch keinen Sinn ergeben, im Winter bereits den Verkehr zu zählen. „Man kann nicht einen Tag im Dezember mit einem Tag im März vergleichen.“

Oliver Strank plädierte dafür, den Versuch fortzusetzen, damit die Zahlen ermittelt werden können. Allerdings seien ganz andere Zahlen bereits aussagekräftig genug, nämlich die seiner Petition für den Erhalt der Mainkai-Sperrung: „8200 Unterschriften belegen, dass mehr und mehr Frankfurter die Sperrung begrüßen“, sagte der SPD-Ortsvorsteher. „Das ist beträchtlich.“ Die Sachsenhäuser BI habe für die Gegenpetition nur 1350 Unterzeichner gewonnen.

Mainkai-Sperrung in Frankfurt: CDU verfolgt anderes Konzept

Nils Kößler entgegnete, man könne nicht Unterschriften gegeneinander aufrechnen, die auf zweifelhafte Weise zustande kamen. Es seien „fast schon trump'sche Methoden“, wenn am Nordufer am Gehweg auf Plakaten suggeriert werde, der Autoverkehr werde künftig direkt am Main entlanggeführt.

Ein Leserin wollte wissen, was die Frankfurter tun müssten, um die CDU zu überzeugen, dass die Mehrheit für einen freien Mainkai für Fußgänger sei? Kößler: „Es ist keine Frage, auch die CDU ist für eine bessere Aufenthaltsqualität. Deshalb wollen wir, dass ein Bereich zwischen Römer und Eisernem Steg geschaffen wird, auf dem Fußgänger mehr Platz haben.“ Auch die Radfahrer sollten breite Fahrspuren erhalten, eine Spur in jede Richtung soll für Kfz-Verkehr wieder geöffnet werden.

Umstrittene Mainkai-Sperrung in Frankfurt: Oesterling schließt City-Maut nicht aus

Warum kann nicht ein Kompromiss gefunden werden, etwa eine Fahrspur auf jeder Mainseite, wollte eine Leserin wissen. „Den Vorschlag gab es schon oft, aber das würde nicht genug Gewinn bringen“, antwortete Oesterling. Warum dauere es so lange mit dem ÖPNV-Ausbau, war eine weitere Frage an ihn. „Die Planungszeiten müssen dringend verkürzt werden“, stimmte Oesterling zu. Die Interessen könnten seiner Ansicht nach viel schneller abgewogen werden.

Für Herbert Schmoll könnten schon jetzt etwa die Preise für S- und Regionalbahnen gesenkt werden, um Anreize zu schaffen, auf die Bahn umzusteigen. „Außerdem brauchen wir eine City-Maut wie in London.“ Eine Gebühr fürs Autofahren in der Innenstadt kann sich auch Klaus Oesterling vorstellen. Am Ende ist man sich auf dem Podium fast einig: Der (Pendler-)Verkehr muss raus aus der Stadt. 

Stefanie Wehr

Weil es am Museumsufer in Sachsenhausen vermehrt zu Staus kommt, fordert eine Bürgerinitiative das Ende der Mainkai-Sperrung in Frankfurt.

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