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Das Mainkai hat sich von einer Hauptdurchgangsstraße in zu vielen Zeiten ziemlich ödes Asphaltband verwandelt.

Verkehrspolitik

Mainkai-Sperrung: CDU-Stadtteilchef ruft zu Widerstand auf

Herbert Schmoll, Gründer der Bürgerinitiative "Sachsenhausen wehrt sich", findet Rückhalt bei der CDU Sachsenhausen. Beim Sonntagsgespräch der Partei forderte gestern auch deren Vorsitzender Jochem Heumann: "Beitreten! Der Verkehrspolitik Beine machen!"

Frankfurt - Die Sperrung des Mainkais entzweit Frankfurt. Nachdem der Vorsitzende der CDU Sachsenhausen, Jochem Heumann, angekündigt hatte, sein Ortsverband werde geschlossen der Bürgerinitiative "Sachsenhausen wehrt sich" beitreten, hat er nun deren Vorsitzenden Herbert Schmoll zum Sonntagsgespräch in den Südbahnhof eingeladen. Etwa 50 Interessierte - zum Teil kommunalpolitisch aktiv - sind dorthin gekommen.

Schmoll führt anfangs aus, dass die Situation in Sachsenhausen unerträglich geworden sei "Es gibt Staus, längere Wege, es betrifft die Handwerker, aber nicht nur sie", sagt er. "Es betrifft alle." Auch nördlich des Mains haben seiner Aussage nach die Staus wegen der Sperrung des Mainkais zugenommen. Eine Zuhörerin bestätigt: "Im Allerheiligenviertel ist alles dicht." Der Verkehr staue sich in der ganzen Innenstadt, behauptet sie.

Frankfurt: "Wir brauchen ein Verkehrskonzept und nicht nur Poller"

"Wir brauchen ein Verkehrskonzept und nicht nur Poller", fordert Schmoll. 376.000 Einpendler kommen täglich nach Frankfurt, 98.000 Auspendler verlassen die Stadt. Viele kämen mit dem Auto, weil der Rhein-Main-Verkehrsverbund sie nicht befördern könne, ist Schmoll überzeugt. "Der Nahverkehr ist in Hamburg besser und günstiger und besser organisiert als in Frankfurt."

CDU-Vorsitzender Heumann, der lange Stadtverordneter war, rät den Interessierten: "Kommen Sie auf die öffentliche Sitzung des Verkehrsausschusses. Je mehr Bürger da sind und sich äußern, umso mehr Eindruck macht das auf die Stadtpolitik."

Mainkai-Sperrung in Frankfurt: Steilvorlage für die Wahl

Heumann wirbt außerdem, sich der Initiative Schmolls anzuschließen: "Wenn es statt 650 bald 700 Mitglieder sind, gewinnt die Bürgerinitiative Einfluss." 1000 Mitglieder, das müsse doch zu schaffen sein, forderte Heumann. Der CDU-Politiker kritisiert die Sperrung aus vielerlei Gründen.

Die CDU habe zugestimmt, weil es Teil des Koalitionsvertrages war. "Wir sind vertragstreu." Aber: Die Sperrung sei auf eine Probezeit von einem Jahr angelegt. "Wenn Oberbürgermeister Feldmann jetzt schon jedem sagt, es werde auf Dauer sein, dann ist das eine Steilvorlage für den nächsten Wahlkampf", nämlich die Forderung, die Sperrung des Mainkais nach einem Jahr aufzugeben. Besser jedoch früher schon, findet Heumann, und macht eine historische Anlehnung an den Fall der Berliner Mauer: "Günter Schabowski sagte damals: Nach meiner Kenntnis ist das sofort. Unverzüglich."

Mainkai wieder öffnen - das ist nicht die einzige Forderung in Frankfurt

Doch viele Zuhörer fordern mehr, als nur den Mainkai wieder zu öffnen. Sie fragen nach mehr Bahnen, nach mehr Parkmöglichkeiten, nach allem, was eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur ausmacht. "Große Pläne", erwidert Jochem Heumann, "werden wir nicht mehr erleben. Bis irgend etwas realisiert ist, kann man uns alle auf dem Südfriedhof besuchen." Wichtig sei, die konzeptionslose Schließung des Mainufers zu beenden, um den zusätzlichen Verkehr aus Sachsenhausen herauszuhalten.

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Mainkai-Sperrung in Frankfurt: Hupen und Staus jeden Tag

Zum Beispiel Betonmischer: In Sachsenhausen führen jetzt Betonmischer auf dem Weg vom Osthafen ins Westend - oder wo auch immer die Baustelle ist. "Die haben in Sachsenhausen nichts verloren", ruft Heumann. Eine Anwohnerin berichtet von Dauerstaus, genervten Autofahrern und fast schon Schlägereien zwischen Auto- und Fahrradfahrern in der Schweizer Straße.

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Eine Anwohnerin aus der Mörfelder Landstraße - also eigentlich weit weg von der gesperrten Straße - berichtet: "Hier war immer schon viel Verkehr, aber es ist schlimmer geworden. Ich komme kaum noch aus meiner Ausfahrt." Andere erzählen von Staus "von 8 bis 19 Uhr". Permanentes Hupen, Gefahren für Kinder, Autofahrer, die sich ihren Weg durch reine Anwohnerstraßen und sogar durch Spielstraßen suchten, um dem Chaos zu entgehen.

"Wenn es das Ziel ist, eine autofreie Innenstadt zu bekommen", sagt Heumann, "dann muss man mit der Innenstadt anfangen." Er schlägt vor, die Braubachstraße und ihre Querstraßen zu sperren. Aber eben nicht eine Hauptdurchfahrtsstraße, die 20.000 Autos pro Tag aufgenommen hatte.

Von Thomas J. Schmidt

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In unserer Zusammenfassung zur Mainkai-Sperrung in Frankfurt und zum Widerstand dagegen finden Sie mehr Informationen. Der zusätzliche Verkehr in Sachsenhausen, der sich aufgrund der Mainkai-Sperrung auf die südliche Mainseite verlagert, bringt an vielen Stellen Probleme mit.

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