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Viele Autofahrer wollen die Sperrung nicht wahrhaben und haben offensichtlich Redebedarf.

„Das ist ja wie in Athen“

Mainkai-Sperrung startet chaotisch - einige Autofahrer uneinsichtig

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Die Mainkai-Sperrung beginnt mit Pannen und verbotswidrigem Verhalten. Einige Autofahrer verhalten sich uneinsichtig.

Frankfurt - Auf der Kreuzung vor der Alten Brücke in Frankfurt geht es an diesem Morgen etwas turbulent zu. Viele Autofahrer, die von der Schönen Aussicht kommen, biegen verbotenerweise links ab. Weil sie dabei auf Fußgänger Rücksicht nehmen und warten müssen, wird hinter ihnen gehupt. Ein Motorradfahrer, der die Sperrung am Mainkai nicht passieren darf, fährt kurzerhand über den Radweg am nördlich angrenzenden Fischerplätzchen. Eine Autofahrerin wendet mitten auf der Alten Brücke, als sie die Sperrung sieht. „Wie in Athen hier“, staunt ein Passant.

Die Sperrung des nördlichen Mainufers für den Autoverkehr läuft am Dienstag noch etwas ruckelig an. An der westlichen Sperrung müssen städtische Mitarbeiter den Verkehr per Hand regeln, die Ampeln sind aus. Gert Stahnke, der Leiter des Straßenverkehrsamts, hat eine Erklärung parat: „Die Signalzeiten müssen geändert werden.“

Mainkai-Sperrung: Lieferverkehr darf passieren

Gänzlich frei vom Autoverkehr ist der Mainkai aber wahrlich nicht. Zwei Sicherheitsmitarbeiter haben alle Hände voll zu tun, weil immer wieder Autofahrer und Transporter durchwollen und viele auch dürfen: Der Lieferverkehr für das Mainfest, das am Freitag beginnt, darf passieren. Die Sperrung des Mainkais zu dieser Jahreszeit ist also nichts Ungewöhnliches. Nur, dass sie nach dem Fest wegen des einjährigen Projektversuchs zur Beruhigung des Mainufers nicht mehr aufgehoben wird. Doch das hat außer so manchem Autofahrer auch bei der Stadt noch nicht jeder mitbekommen. Denn vor dem östlichen Ende der Sperrung in der Oskar-von-Miller-Straße steht auf dem Hinweisschild: „Mainkai wegen Veranstaltung bis Mittwoch, 7. 8. 2019, gesperrt.“

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So laufen Autofahrer Gefahr, am 8. August erneut überrascht zu werden, wenn der Mainkai immer noch gesperrt sein wird. „Das ist ziemlich offensichtlich eine Panne“, räumt Stahnke ein und verspricht, die Beschilderung so schnell wie möglich ändern zu lassen. Der Fauxpas sei wohl im Service-Center passiert, wo eine Verfügung aus dem vergangenen Jahr umgesetzt wurde. Zu den vielen unerlaubten Linksabbiegern an der Alten Brücke sagt Stahnke: „Wir gehen davon aus, dass es funktioniert und sich einspielt.“

Sperrung: "Große Belastung" für Autofahrer

So zuversichtlich wie der Leiter des Straßenverkehrsamts ist nicht jeder in Frankfurt. Ulrich Caspar, Präsident der IHK, befürchtet durch die Sperrung „eine große Belastung“ für Pendler und Besucher und bemängelt bei der Entscheidung zur Sperrung den fehlenden Austausch zwischen Politik und Wirtschaft. „Dass die Stadt 20 000 Fahrzeuge, die täglich das nördliche Mainufer befahren, sich selbst überlässt, ist schwer nachvollziehbar“, ergänzt Caspar und fordert, wenigstens den Flohmarkt vom südlichen an das nördliche Mainufer zu verlegen, damit samstags nicht beide Ufer für die Autos gesperrt seien.

Auch Bernd Ehinger, der Präsident der Handwerkskammer Rhein-Main, sieht noch Klärungsbedarf: „Die Frage etwa, inwiefern Anlieferungen von Handwerkern auf den Römerberg, die auf eine funktionierende Kühlkette angewiesen sind, erfolgen sollen, scheint ungeklärt.“ Doch während des alljährlichen Mainfests muss die Kühlkette zum Römerberg ja auch funktionieren.

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