+
Das Hochhaus „One“ an der Messe wird 190 Meter hoch. 

Bauen in Frankfurt

Frankfurt wird höher und dichter

  • schließen

Wir beantworten Fragen zum Baugeschehen in Frankfurt im Jahr 2020.

Frankfurt wächst und wächst. Wie lang kann das noch so weitergehen?

Noch ist kein Ende des seit Jahren anhaltenden Baubooms in Sicht. Solange die Zinsen niedrig bleiben, Anlagealternativen dadurch rar sind, der starke Zuzug anhält und die Konjunktur nicht einbricht, werden Investoren weiterhin sehr gerne in Frankfurt Büros, Hotels und Wohnraum bauen. Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen ist 2018 auf einen Rekordwert gestiegen.

Wo wird im kommenden Jahr besonders kräftig gebaut?

Ein Schwerpunkt des Geschehens ist die Innenstadt. Das frühere Deutsche-Bank-Areal am Roßmarkt hat sich in eine riesige Baustelle verwandelt. Bis auf ein Fassadengerippe an der Junghofstraße ist längst alles abgeräumt für das größte Hochhausprojekt in Frankfurt seit Jahrzehnten: Gleich vier Hochhäuser von 228, 173, 120 und 100 Metern Höhe sollen auf dem Gelände entstehen. Sie werden den Plänen nach Platz für 650 Wohnungen, Büros, Hotels, Läden, Restaurants und Cafés bieten. Auf dem früheren Telekom-Gelände an der Stiftstraße haben Bagger Platz für Wohntürme gemacht, die 85, 60 und 44 Meter hoch werden sollen.

Wo sonst im Stadtgebiet werden neue Wohnungen entstehen?

An vielen Stellen. Das größte Projekt ist der Bau des sogenannten Schönhofviertels auf dem früheren Siemens-Gelände in Bockenheim. Allein dort sollen mehr als 2000 Wohnungen entstehen. Immerhin 850 Wohnungen werden nach Plänen der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG am Hilgenfeld nördlich des Frankfurter Bergs gebaut. Viele neue Wohnungen werden auch im Ostend hinzukommen, wo am Honsell-Dreieck und dem früheren Mercedes-Areal gearbeitet wird, und im Gallus, wo die Bebauung des Avaya-Areals näherrückt.

Gehen nicht langsam die Flächen zu Neige, auf denen Wohnraum oder auch neue Büros entstehen könnten?

Doch. Brachen wie das Degussa-, das Rechnungshof- und das Rundschau-Areal in der Innenstadt sind inzwischen neu bebaut. In den beiden jüngsten großen Stadtvierteln, Riedberg und Europaviertel, gibt es keine unbeplanten Flächen mehr. Die Planungen für ein Neubaugebiet in Sindlingen mit 2000 Wohnungen verfolgt die Stadt wegen einer großen Population von Feldhamstern zunächst nicht weiter. Der große Stadtteil beidseits der A5 ist gescheitert. Noch gibt es aber dennoch einiges Potenzial: zum Beispiel am Römerhof oder im sogenannten Ernst-May-Viertel.

Mindern die Neubauten das Wohnungsproblem?

Bestenfalls zum Teil. Zum allergrößten Teil bauen die Investoren Eigentumswohnungen. Was derzeit entsteht, kostet nach Zahlen, für die das Analyseunternehmen Bulwiengesa 51 Bauvorhaben im Stadtgebiet auswertete, im Durchschnitt 8100 Euro pro Quadratmeter. Selbst frei finanzierte Mietwohnungen errichten fast nur öffentliche Wohnungsunternehmen. Nur 156 geförderte Mietwohnungen wurden 2018 fertig, davon 45 Sozialwohnungen. In großem Umfang entstehen dagegen Mikroapartments, häufig möbliert.

Wieso? Ist die Nachfrage danach so hoch?

Nicht so hoch, wie viele denken. Für Investoren verspricht der Bau solcher Anlagen mit vielen sehr kleinen Wohnungen aber hohe Renditen. Und noch gelingt es ihnen offenbar, diese auch zu verkaufen.

Was tut die Stadt, um umzusteuern?

Nicht genug, finden etwa die Initiativen, die für einen Mietentscheid kämpfen. Sie wollen mit einer Abstimmung unter anderem erreichen, dass die Wohnungsgesellschaft ABG nur noch geförderte Wohnungen baut. Der Magistrat will Investoren zwar deutlich strengere Vorgaben machen, die Forderungen des Mietentscheids gehen ihr aber zu weit.

Was heißt das?

Die Stadtregierung wird den Mietentscheid Anfang des Jahres ablehnen. Die Initiativen werden dagegen vor Gericht ziehen. Das wird dann entscheiden, ob der Bürgerentscheid kommt.

Zusammengestellt von Christoph Manus

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare