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Die neue Auenlandschaft bei Fechenheim. Renate Hoyer

Frankfurt

Frankfurt: Der Main erobert ein Stück Fechenheim zurück

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Stadt und Land eröffnen feierlich den renaturierten Nebenarm. Im nächsten Schritt wollen sie einen noch längeren Altarm durch den Mainbogen wiederherstellen.

Ein paar Fische haben den Weg schon gefunden – raus aus den bekannten Gefilden, rein in den neuen Nebenarm des Mains in Fechenheim. „Zu 94 Prozent ist das Ukelei“, berichten die Männer von der Fischerzunft, die gemeinsam mit den Gewässerökologen geguckt haben, wer da schon so wohnt. Der Ukelei (ja, der) ist ein Fisch, der sich an der Wasseroberfläche ernährt; er braucht keine gewachsenen Bodenstrukturen. Bald wird sich dort ein Milieu bilden, das auch andere Fische lockt. Karpfen, Schleie, Hecht.

Denn darum geht es schließlich: Die Natur soll sich ein Stück Frankfurt zurückerobern. Darauf bestehen am Mittwoch alle, die zum feierlichen Anlass das Wort ergreifen. „Das ist buchstäblich ein Durchbruch“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Im Prinzip sogar zwei Durchbrüche, die das Wasser zwischen dem Fechenheimer/Offenbacher Mainbogen und dem neuen Nebenarm zirkulieren lassen.

Die Renaturierung dieses 625 Meter langen Wasserstreifens sei „in ihrer Dimension zumindest in Hessen einmalig“, hebt Stadträtin Heilig hervor. Das hessische Umweltministerium, das gut 3,2 Millionen zum insgesamt 4,5 Millionen Euro teuren Projekt zuschoss, und das Frankfurter Umweltamt haben sich einen perfekten Tag für die Feier zur Fertigstellung ausgesucht. Die Sonne spiegelt sich in dem kleinen See, Enten und Gänse schauen neugierig, was die große Menschengesellschaft am Ufer macht. Über den neu angelegten, hübsch sich am Nebenarm entlangschlängelnden Leinpfad sind die Leute gekommen. Die Ufer sehen noch rau und lehmig aus, das wird der Frühling ändern.

Einen „Einsatz zum Erhalt der biologischen Vielfalt“ nennt Barbara Siegert, Referatsleiterin im Ministerium, das Projekt. Sie vertritt die erkrankte Ministerin Priska Hinz (Grüne) und freut sich für „die Hauptgewinner“ Tier und Pflanze ebenso wie für den Profiteur Mensch, den Erholungsuchenden. Mit diebischer Freude erwähnen alle Rednerinnen und Redner den Coup um dem Erdaushub: 100 000 Kubikmeter hätten die Bagger fürs Gewässer beiseite geschafft, sagt Roland Kammerer, Technischer Betriebsleiter der Stadtentwässerung. Aber das Erdreich musste nicht teuer entsorgt werden – genau zu dem Zeitpunkt brauchte die Deponie Eisert in Großkrotzenburg unbelastete Erde. Auch die Transportvariante passte: mit 128 Frachtschiffladungen über den Main. Nur wie viele Lastwagenfahrten dadurch genau den Fechenheimern erspart blieben, da gehen die Zahlen am Mittwoch auseinander. Der weitestgehende Wert: 9000 Touren.

Die neu entstandene, 400 Meter lange Insel zwischen Main und Nebenarm bleibt für Mensch und Hund unzugänglich, es sei denn, sie schwimmen. Das wäre aber nicht im Sinne der gewagten Wildnis auf der Insel. Ein weiterer, noch größerer Nebenarm von 1,7 Kilometern Länge soll bald folgen; da läuft die Flurbereinigung mit den Grundbesitzern. Am Ende, freut sich Rosemarie Heilig, werde ein Ausflugsziel entstehen, attraktiv wie der Alte Flugplatz im Norden. Darauf ein Stück vom tollen Kuchen, eigens für den Anlass gebacken: mit türkisfarbener Wellenglasur, aus der fröhliche Fische hüpfen. Ukeleie vermutlich.

Die Stadt Frankfurt versucht, neue Quartiere auf möglichst kleiner Fläche zu errichten. Die Bebauung soll dicht sein, damit viel Grün erhalten bleibt.

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