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Mahnwachen bei Beratungsstellen für Schwangere in Frankfurt: „Eine Schande“

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Von: Ramona Wessmann

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Grüne Kundgebung / Demo vor Pro Familia zum Dank für ihre Arbeit und gegen Belästigung der fundamentalistischen Abtreibungsgegner*innen.
Grüne Kundgebung / Demo vor Pro Familia zum Dank für ihre Arbeit und gegen Belästigung der fundamentalistischen Abtreibungsgegner*innen © Monika Müller

In Frankfurt regt sich Widerstand gegen Mahnwachen vor Beratungsstellen für Abtreibungen.

Frankfurt – Zweimal im Jahr halten die Abtreibungsgegner:innen vor der Pro-Familia-Beratungsstelle in der Palmengartenstraße 40-tägige Mahnwachen. Um dagegen ein Zeichen zu setzen, hat der Kreisverband der Grünen in Frankfurt zum wiederholten Mal zu einer Kundgebung für reproduktive und sexuelle Selbstbestimmung aufgerufen. Etwas mehr als 30 Protestierende sind diesem Ruf gefolgt und haben sich am Freitag vor der Pro-Familia-Beratungsstelle eingefunden.

Die Abtreibungsgegner:innen singen und beten mit Kreuzen und Rosenkranz, manche knien nieder, sie halten Schilder, auf denen steht: „Unborn Lives Matter“. Der Slogan spielt auf die „Black Lives Matter“-Kampagne an, die auf strukturellen Rassismus gegen Schwarze aufmerksam macht. Die Abtreibungsgegner:innen nutzen den abgeänderten Slogan nun für ihre fundamentalistischen Zwecke. Sie nennen sich selbst „Lebensschützer“.

Frankfurt: 15 bis 20 Menschen demonstrieren vor Pro-Familia

Eine der Redner:innen auf der Kundgebung ist die Frankfurter Frauendezernentin Rosemarie Heilig. „Es ist eine Schande, dass wir schon wieder hier stehen“, beginnt sie. Es sei notwendig, wieder zu demonstrieren, für freien Zugang zu Arztpraxen, die Abtreibungen durchführen, um Frauen vor Diffamierung zu schützen, und sich mit den Mitarbeitenden von Pro Familia zu solidarisieren. Denn diese seien schwer belastet durch die permanente Anwesenheit der Abtreibungsgegner:innen.

Ursula auf der Heide, Grünen-Mitglied und Vorsitzende von Pro Familia, berichtet, dass die Gegner:innen zu „völlig irren Zeiten“ auftauchen würden. Teils seien sie abends um halb neun da, wo doch keiner mehr in der Beratungsstelle ein- und ausgehen würde. Doch auch zu den Beratungszeiten seien sie da. 15 bis 20 Leute seien es, die an der Mahnwache teilnehmen würden.

Auch Beatrix Baumann, frauenpolitische Sprecherin der grünen Römerfraktion, nennt es eine „Katastrophe“, wieder hier sein zu müssen. Sie verweist auf die Gesetzeslage in England und Wales, wo das britische Unterhaus erst in diesem Monat beschlossen hat, Schutzzonen um Abtreibungskliniken zu errichten, in denen keine Proteste stattfinden dürfen. Eine solche Schutzzone fordern sie hier auch von der Bundesregierung.

Frankfurt: Kein Recht auf Demütigung von Frauen

Die grüne Landtagsabgeordnete Miriam Dahlke verweist darauf, dass zwar jede:r demonstrieren dürfe, sogar mit Polizeischutz, es aber trotzdem „kein Recht auf Demütigung von Frauen“ gebe, die eine gesetzlich vorgeschriebene Beratung in Anspruch nähmen. Dahlke betont, dass es den „Lebensschützern“ nicht darum gehe zu protestieren, sondern darum, gezielt Einfluss auf Frauen zu nehmen und sie von einem Schwangerschaftsabbruch abzuhalten.

Die beiden Frauen Karen und Gerda sind beide über 70 und finden sich bei den Kundgebungen gegen die Abtreibungsgegner:innen schon seit 20 Jahren ein. Es ist ihnen wichtig, hier zu sein, für das Recht auf Abtreibung zu demonstrieren. „Bei Männern wäre das gar kein Problem“, so Gerda. Sie ist überzeugt, dass wenn Männer die Kinder bekommen würden, dies gar keine Debatte wäre. Trotzdem meint Gerda, würde die Mahnwache der Gegner:innen woanders stattfinden, würde sie wohl nur lachen. Doch direkt vor der Beratungsstelle, das gehe gar nicht.

Frankfurt: Demonstrant:innen wollen weiter auf die Straße gehen

Karen ist schon seit 1968 in Kontakt mit Pro Familia. Damals nahm sie selbst eine Beratung in Anspruch, entschied sich aber gegen eine Abtreibung. Trotzdem glaubt sie fest an das Recht auf eine Wahl. Gerda hält es für „ein uraltes Klischee, dass Frauen ohne Kinder nichts wert sind“. Außerdem meint sie, es sei schwierig Beruf und Kind zu vereinen, vor allem weil Angebote wie Kita-Plätze rar seien und immer weniger in Bildung investiert werde, es gebe Lehrermangel.

Die beiden wollen kommen, solange sie noch können. „Man darf nie loslassen“, sagt Karen. Gerda bekräftigt, dass man immer wieder auf die Straße gehen müsse. Und das werden sie auch weiterhin tun.

Schon zum „Safe Abortion Day“ gab es in Frankfurt mehrere Kundgebungen und Veranstaltungen.

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