Flüchtlingsarbeit

Mädchenbüro darf länger bleiben

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Der Abriss der Gebäude in der Rödelheimer Landstraße ist für 2020 vom Tisch. 

Die Erleichterung ist groß bei Maneesorn Koldehofe. „Das ist eine super Nachricht“, sagt sie beim Anruf der FR. Das Mädchenbüro Milena, das sich um etwa 70 Mädchen und Frauen mit und ohne Fluchterfahrung kümmert, kann länger in seinen Räumen an der Rödelheimer Landstraße bleiben. Bisher drohte das Aus Ende 2019. Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau erklärt Planungsdezernent Mike Josef (SPD) dann am Montag überraschend, der Abriss der Gebäudezeile stehe erst „in den Jahren 2021/2022“ an.

So lange könne Milena in jedem Fall im Gebäude Rödelheimer Landstraße 13 bleiben, sagt Josefs Sprecher Mark Gellert. Auf dem Gelände soll langfristig ein ganzer Stadtteil mit Wohnungen, Büros und Kitas entwickelt werden.

Wenig später schaltet sich auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in die Diskussion ein. Er kündigt am Montagnachmittag im Gespräch mit der der FR an, er werde „gerne die Suche nach neuen Räumen unterstützen“.

Milena liege ihm am Herzen, sagt der Sozialdemokrat: „Ich werde deshalb auch das persönliche Gespräch mit dem zuständigen Liegenschaftsdezernenten Jan Schneider suchen.“

Es ist eine Wendung, die lange Zeit nicht zu erwarten war. Seit knapp einem Jahr hatte das Team mit Mitgründerin Koldehofe an der Spitze händeringend nach einem neuen Domizil. gesucht. Doch, wie Koldehofe erzählt, „es gab nur Absagen oder keine Angebote“.

Hausbesitzer reagieren ablehnend

Nach zahlreichen Gesprächen mit potenziellen Vermietern lautete ihr bitteres Fazit: „Die Leute wollen keine Flüchtlinge und keine Kinder.“ Zahlreiche Hausbesitzer hätten sich auf Anfrage ablehnend geäußert.

Doch tatsächlich hat jetzt der Besuch des Bundespräsidenten einiges in Bewegung gebracht. Am Donnerstag voriger Woche war Frank-Walter Steinmeier mit seiner Ehefrau Elke Büdenbender im Mädchenbüro zu Gast. Auch bei dieser Gelegenheit hatte das Team auf die prekäre Situation aufmerksam gemacht. Steinmeier hatte zugehört und danach mit dem Oberbürgermeister über das Problem gesprochen.

Das Team des Mädchenbüros besitzt recht genaue Vorstellungen von dem neuen Domizil, das es benötigt. „Wichtig ist, dass wir auch in Zukunft mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sind“, betont Maneesorn Koldehofe. Die betreuten Frauen und Mädchen reisten zum Teil aus größerer Entfernung an.

Der Verein will sein Angebot erheblich ausweiten. Zum Mädchenbüro sollen künftig auch eine Kindertagesstätte und eine Kinderkrippe gehören. „Dafür bräuchten wir 300 Quadratmeter Innenraum und 200 Quadratmeter Außenfläche.“ Das Stadtschulamt habe die Errichtung von Kita und Krippe bereits genehmigt, berichtet Koldehofe. Das Mädchenbüro selbst benötige jedoch weitere 300 Quadratmeter Fläche für seine Arbeit.

Seit 2015 bietet der Verein kostenlose Sprachkurse, Hausaufgaben- und Kinderbetreuung für Frauen und Mädchen mit und ohne Flucht- und Migrationserfahrung an. Zum Team gehören drei hauptamtliche und nicht weniger als 38 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen.

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